Ein großes Thema für viele Frauen und Mädchen, die gerade die Pille abgesetzt haben, sind offensichtlich die Blutwerte danach. Mir kommt es fast vor wie ein neuer Trend. Aus Angst, was nach dem Absetzen der Antibabypille mit dem Körper alles passiert, wollen sich viele durch alle nur möglichen Untersuchungen Klarheit verschaffen. Aber ist das sinnvoll?

Es ist definitiv ein neuer Trend… dieser neue Kontroll- und Untersuchungswahn nach dem Absetzen der Pille. Als ich sie vor 8 Jahren abgesetzt habe, gab es weder die Panik vor den „Folgen des Absetzens“, noch ein vorheriges Absegnen vom Gynäkologen, und auch nicht den Drang, im Anschluss sämtliche Untersuchungen machen zu lassen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass sich in den letzten 8 Jahren sehr viel getan hat. Zu meiner Absetzzeit war das Netz auch noch nicht voll mit Horrorgeschichten, die einen dermaßen verunsichern, dass man sofort den nächsten Arzt aufsuchen möchte.

Für jede Beschwerde gibt es eine Ursache und auch eine Lösung

Ja, auch hier auf dem Blog finden sich Informationen zu diversen „Problemen“, die nach dem Absetzen hormoneller Verhütung auftreten können. Diese dienen aber ausschließlich dazu, Betroffenen eine Hilfestellung zu geben und Symptom-Geplagten eine Unterstützung bei der Suche nach den Ursachen zu bieten. Auf keinen Fall sollen diese Informationen in irgendeiner Art und Weise verängstigen, verunsichern oder Hypochonder aus uns machen. Denn die Kernaussage dieser Artikel ist immer die gleiche: Für jedes Symptom, jede Beschwerde und jedes Problem gibt es eine Ursache und demnach auch eine Lösung!

 

Was wir mit diesem Blog erreichen möchten ist, euch Angst zu nehmen, aufzuklären, euch zu ermutigen, euren Körper besser wahrzunehmen und selbst Verantwortung für eure Gesundheit zu übernehmen.

Die Hormone sind nicht immer Schuld…

Die größte Angst nach dem Absetzen der Antibabypille ist eigentlich in den meisten Fällen die vor hormonellen Beschwerden, wie z.B. schmerzhafte Periode, unregelmäßige Zyklen, PMS, ausbleibende Menstruation, PCOS. Leider werden auch Hautunreinheiten und Haarausfall mit den Hormonen in Verbindung gebracht. Aber dass die meisten Probleme nach dem Absetzen der Pille aus ganzheitlicher Sicht definitiv nicht von hormonellen Schwankungen kommen, ist vielen nicht bewusst. Deshalb führen diese Ängste dazu, dass Frauen am liebsten sofort nach dem Absetzen die nächstbeste Praxis stürmen und alles testen lassen, was das Labor zu bieten hat. Gerade hormonelle Werte – und dazu zählen auch Schilddrüsenwerte – bringen in den ersten Zyklen aber rein gar nichts.

 

Blutwerte, die nichts bringen…

Wie gesagt sind es hauptsächlich die Hormonwerte, für die sich Frauen während ihren ersten natürlichen Zyklen interessieren. Genau die sind es aber, die in dieser Zeit absolut nichts aussagen. Die Pille und die darin enthaltenen synthetischen Hormone haben Einfluss auf das gesamte endokrine System und auf den Vitalstoffhaushalt, die Leber und den Darm. Auch wenn niemand darüber spricht und es auch gerne geleugnet wird, ist das eine Tatsache, die sich einfach nicht abstreiten lässt. Alle hormonproduzierenden Organe in unserem Körper beeinflussen sich ständig in jeder Sekunde unseres Lebens gegenseitig. Sie sind voneinander abhängig und haben diverse Wechselwirkungen. Die Pille beeinflusst zwar „nur“ die Sexualhormone, dadurch aber indirekt auch das ganze endokrine System.

Das bedeutet, die Pille beeinflusst ungewollt auch die Schilddrüse und die Nebennieren.

Man geht davon aus, dass der Körper nach dem Absetzen der Antibabypille mindestens drei Monate braucht, um die synthetischen Hormone zum größten Teil auszuscheiden. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass er es in diesem Zeitraum auch schon geschafft hat, das gesamte System wieder reibungslos und selbstständig anzuschmeißen. Hat man seine Eierstöcke über Jahre oder vielleicht sogar Jahrzehnte abgeschaltet, brauchen sie eben genügend Zeit, um wieder anzuspringen. Wie lange es dauert, bis der Körper wieder gelernt hat, alleine klarzukommen und auch tatsächlich alle Organe mitspielen, ist von Frau zu Frau verschieden. In dieser Erholungs- und Regenerationszeit Schilddrüsenwerte oder einen Hormonstatus machen zu lassen, ist deshalb meiner Meinung nach völlig sinnlos.

 

Wie die Hormone einer Frau nach der Pille aussehen…

Selbstverständlich lässt sich diese Aussage nicht pauschalisieren, aber viele Frauen haben in den ersten Monaten bzw. Zyklen nach dem Absetzen der Pille sehr ähnliche Hormonwerte.

TSH -> erhöht
Corisol -> erhöht
DHEA -> erhöht
Testosteron -> erhöht
Östrogen – erhöht oder zwar niedrig, aber im Verhältnis zum Progesteron zu hoch
Progesteron -> zu niedrig

Das ist auch absolut kein Wunder. Ganz abgesehen davon, dass Blutwerte immer nur eine Momentaufnahme sind, hat die Pille wie gesagt einen enormen Einfluss auf das ganze Hormonsystem. Der Körper braucht also erstmal eine ganze Weile, bis er das Chaos beseitigt hat. Und solange er das nicht geschafft hat, werden die Werte auch nicht zufriedenstellend ausfallen. Es kann also durchaus sein, dass die Schilddrüsenwerte (TSH) zunächst auf eine Unterfunktion hinweisen, denn auch die reagiert sowohl auf die Einnahme als auch auf das Absetzen der Pille. Genau das gleiche trifft auf die Nebennieren zu, die entweder viel zu viel Cortisol (ggf. auch Adrenalin) ausschütten oder schon so ausgelaugt sind, dass der Cortisolwert viel zu niedrig ist.

Am offensichtlichsten sollte aber sein, dass gerade die Sexualhormone in den ersten natürlichen Zyklen nicht im Normbereich liegen. Vielen ist nicht bewusst, dass sie mit der Einnahme der Antibabypille die eigene Produktion von Östrogenen und Progesteron über viele Jahre abgeschaltet haben. Es braucht einfach seine Zeit, bis das wieder reibungslos funktioniert. Ohne einen Eisprung kann beispielsweise kein körpereigenes Progesteron gebildet werden, und nicht jede Frau hat nach dem Absetzen hormoneller Verhütung sofort wieder in jedem Zyklus einen Eisprung. Das fehlende Progesteron führt zu einer Östrogendominanz, die meist auch noch erhöhte männliche Hormone mit sich bringt.

Diese Werte haben also alle ihren Grund und sind direkt nach dem Absetzen nicht außergewöhnlich.

Von daher ist kein Wunder, dass die Werte in den ersten Monaten nicht denen aus dem Lehrbuch entsprechen.

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Von einer Pille zur nächsten…

Dieser Drang, die Werte kontrollieren zu lassen, führt am Ende nur dazu, dass Frau gleich die nächste Tablette bekommt. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Schulmedizin eben genau so funktioniert. Geht man also mit dem Beschwerdebild zum Arzt und lässt die besagten Werte bestimmen, die dann meist so aussehen wie oben beschrieben, wird der Arzt versuchen, diese schlechten Werte zu behandeln.

Eigentlich kann man es den Ärzten auch nicht verübeln, denn sie sind darauf programmiert, ihren Patienten zu helfen und Symptome zu behandeln.

Zeigt also beispielsweise der Schilddrüsenwert Auffälligkeiten, wird man wahrscheinlich mit einem Rezept für Schilddrüsentabletten nach Hause gehen. Woher diese „schlechten“  Werte kommen und ob sich das Schmetterlingsorgan in den nächsten Monaten vielleicht von ganz alleine wieder berappelt hätte oder vielleicht nur ein paar Vitalstoffe gefehlt hätten, wird in den meisten Fällen nicht berücksichtigt.

Gibt es Auffälligkeiten bei den Sexualhormonen, wird den Patientinnen sehr oft erzählt, dass ihr Körper ohne Pille nicht zurechtkommt. Und schon haben sie wieder ein Rezept für die Pille in der Hand, insbesondere dann, wenn die männlichen Hormone erhöht sind. Leider wird auch hier nicht nach den Ursachen geschaut. Und selbst wenn, wird das Absetzen der Pille als möglicher Grund nicht ernst genommen.

So kommt man ganz schnell von einer Pille auf direktem Weg zur nächsten.

Vitamine und Mineralstoffe

Die Antibabypille sorgt leider auch häufig für einen Mangel an diversen Vitaminen und Mineralstoffen. Dummerweise fallen darunter auch einige, die extrem wichtig für unsere Hormonproduktion, die Blutzuckerkontrolle, das Immunsystem und auch die Schilddrüse sind. Wenn man sich nach dem Absetzen hormoneller Verhütungsmittel mit Blutwerten auseinandersetzen möchte, dann bitte mit diesen. Im Gegensatz zu den bereits oben erwähnten Werten, sind diese auch aussagekräftig und durchaus hilfreich.

Anhand dieser Blutwerte lassen sich eventuelle Mängel bestimmen, die dann mit der Unterstützung eines Arztes oder Heilpraktikers behoben werden können. Damit lässt sich der Körper definitiv besser unterstützen, und vielleicht verschwinden dann auch schon die Beschwerden, die ihr eigentlich den Hormonen zugeschrieben hattet.

Die Bestimmung von Vitalstoffen müsst ihr bei eurem Arzt oder Labor direkt anfragen. In einem kleinen oder großen Blutbild sind diese Werte nicht enthalten. Es kann durchaus sein, dass ihr einen Teil der gewünschten Blutwerte selbst zahlen müsst. Das kommt aber ganz indivudell auf die angeforderten Werte und auch den Arzt an.

Eine Übersicht der Vitalstoffe, die durch die Pille unter Umständen fehlen könnten, und die Symptome, mit denen man diese Mängel in Verbindung bringt, findet ihr hier.

In der Ruhe liegt die Kraft…

Auch wenn meine Oma mir mit diesem Satz schon immer auf den Keks gegangen ist, sie hatte recht. Je mehr ihr euch stresst, je stärker ihr euch unter Druck setzt und je mehr ihr alles untersuchen und kontrollieren lassen wollt, desto länger wird es dauern, bis euer Körper wieder in Balance kommt. All das sorgt im Körper tatsächlich für puren Stress, der dann zur Ausschüttung diverser Stresshormone führt, die den Regenerationsprozess nur verlangsamen.

Also bitte, bitte, bitte… lasst eurem Körper einfach die Zeit, die er braucht. Verschwendet euer Geld und eure Energie nicht in unnötige Untersuchungen, sondern konzentriert euch lieber auf Positives. Wenn ihr euch etwas Gutes tun möchtet, entlastet eure Leber, unterstützt euren Darm, achtet auf genug Erholung, ausreichend Schlaf und macht euch nicht so verrückt.

 

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel bezieht sich auf gesunde Frauen. Solltest du die Pille zur Behandlung einer Krankheit genommen haben oder Medikamente zu dir nehmen, die durch das Absetzen der Antibabypille beinflusst werden können, kläre bitte dringend mit dem behandelnden Arzt, wann welche Untersuchungen gemacht werden müssen. Auch bei Schilddrüsenpatienten kann das Absetzen der Pille Einfluss auf die Dosierung der Medikamente haben. In diesem Fall bitte auch immer Rücksprache mit dem Arzt halten.  

Über die Autorin dieses Artikels

Isabel ist Gründerin von Generation Pille und Autorin der Bücher "ByeBye Pille" und "Kleine Pille, große Folgen". Ziel der Seite und jedem einzelnen Beitrag ist es, Frauen zu helfen, ihren Körper besser zu verstehen, Symptome zu deuten und sowohl körperliche als auch hormonelle Zusammenhänge zu begreifen. Der Fokus ihrer Beiträge liegt hierbei ganz klar auf den Themengebieten Frauengesundheit, Hormone, hormonelle Beschwerden und natürliche Verhütung.
Instagram: @_isabelmorelli_
Kontakt: hello@generation-pille.com