Ich kann mir nicht erklären, warum sich bei den meisten Schulmedizinern hartnäckig das Gerücht hält, dass die Pille keinerlei Auswirkungen auf die Schilddrüse hat. Vielleicht weil sie sich ohne bestimmte Facharztausbildung nicht mit den hormonellen Regelkreisen auskennen oder sich mit dem Thema noch nie richtig auseinandergesetzt haben.

Eventuell auch, weil die Schilddrüsenunterfunktion heutzutage so oder so als Volkskrankheit gilt oder aber, weil die Hersteller der verschiedenen Pillen-Präparate eine Wirkung auf die Schilddrüse leugnen. Aber wie kann es sein, dass die Wirkung dieser netten kleinen Wunderpille auf die Schilddrüse vehement abgestritten wird, wo sie doch gleich vier verschiedene Wege kennt, unserem Schmetterlingsorgan zu schaden?

Fragt man beispielsweise einen Heilpraktiker oder einen Arzt, der sich tiefer mit Hormonen und deren Wirkung beschäftigt oder sich auf orthomolekulare Medizin spezialisiert hat, trifft man ganz schnell auf eine andere Meinung zu dem Thema. In diesen Kreisen ist es kein Geheimnis, dass die Pille durchaus in der Lage ist, die Schilddrüsenfunktion zu beeinträchtigen.

Das ist auch kein Wunder, wenn man sich die ganze Thematik einmal genauer anschaut.

 

Östrogene sind nicht immer deine Freunde

Zum einen mag unser Körper die synthetischen Östrogene der Pille nicht. Diese können schon von sich aus, also einfach durch ihre Anwesenheit die Funktion unserer Schilddrüse beeinflussen. Weiterhin passiert es relativ häufig sowohl während der Einnahme der Pille als auch nach dem Absetzen, dass sich eine Östrogendominanz entwickelt. Das bedeutet, dass das Verhältnis von Progesteron zu Östrogen im Körper nicht ausgeglichen ist. Ein Zuviel an Östrogen, ob körpereigenes oder synthetisches, mindert die Leistung der Schilddrüse und kann zu Unterfunktionserscheinungen führen.

Die Leber mag die Pille nicht

Jetzt fragen sich bestimmt viele: Was um alles in der Welt hat die Leber mit der Schilddrüse zutun? Ganz einfach!
Für die Schilddrüse sind die Hormone TSH, T3 und T4 wichtig. Der TSH ist eigentlich nur der Kommandant und befiehlt der Schilddrüse, bei Bedarf Hormone zu produzieren. Dummerweise kann sie mit T4 aber nichts anfangen und hier kommt die Leber ins Spiel. Dort wird das frisch produzierte T4 in das dringend benötigte T3 umgewandelt. Das ist ein bisschen wie damals bei der Mini Playback Show. Man ging ungestylt in die Zauberkugel und kam bühnentauglich als Megastar wieder raus! In unserem Fall ist die Leber unsere Zauberkugel. So weit so gut.
Da unsere Leber aber nicht nur Zauberkugel, sondern auch unsere hauseigene Detoxanlage ist, findet sie die Pille gar nicht gut. Jeden Tag versucht sie aufs neue, diese „Gifte“ wieder loszuwerden, bis sie irgendwann nicht mehr kann. Unsere Leber ist also unheimlich überarbeitet und erschöpft. So erschöpft, dass sie nicht mehr genug Kraft hat, um die Schilddrüsenhormone richtig umzuwandeln. Tja, und dann haben wir den Salat!

Vitamin- und Mineralstoffverlust auf Kosten der Schilddrüse

Es ist eigentlich kein Geheimnis, dass die Pille viele Vitamin- und Mineralstoffmängel verursacht, die durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung meistens nicht in den Griff zu bekommen sind.
Dummerweise sind wir Menschen aber sehr gerne ignorant und haben auch als Kind schon mit den Augen gerollt, wenn unsere Eltern uns erzählt haben, wie wichtig Vitamine sind. Tja, in diesem Fall sind sie aber wirklich wichtig!
Bekommt eine Schilddrüse über längeren Zeitraum zu wenig Jod, Zink, Selen, Magnesium und auch die Vitamine A, B12 und C, wird das ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.

Erhöhtes Cortisol = Niedrige Schilddrüsenfunktion

Was ist denn jetzt Cortisol?! Gute Frage!
Cortisol ist ein Hormon, welches in den Nebennieren gebildet wird. Es ist unter anderem zuständig für unser Stressmanagement und wichtig für unser Immunsystem. Cortisol ist verantwortlich für den „Fight or Flight-Effekt“ (also kämpfen oder flüchten). Das ist noch abgeleitet aus seiner ursprünglichen Aufgabe: uns davor zu bewahren, von Säbelzahntigern gefressen zu werden. Steht also so ein flauschiges Tierchen vor uns, entscheiden wir innerhalb kürzester Zeit, ob wir angreifen und kämpfen oder ob es nicht sinnvoller wäre, schnell die Beine in die Hand zu nehmen.
In dem Fall steigt unser Cortisol im Körper an und drosselt alle in dem Moment „unwichtigen“ Körperfunktionen, damit wir alle zur Verfügung stehende Kräfte haben, um schnellstmöglich von diesem Tiger weg zu kommen. Eine sinnvolle, super intelligente Funktion unseres Körpers. Allerdings nur so lange, bis dieser hohe Cortisolspiegel auch wieder abfällt.Für unsere Nebennieren ist alles ein Säbelzahntiger, was dem Körper schadet, so auch die Pille. Nur das dieser spezielle Pillen-Tiger nicht verschwindet und somit auch der Cortisolanstieg dauerhaft bleibt. Wie eben schon erwähnt hat das zur Folge, dass andere Körperfunktionen gedrosselt werden und ganz vorne mit dabei: die Schilddrüsenfunktion!

Wie ich anfangs schon sagte: Kleine Pille, große Wirkung!

Sollte also während der Einnahme der Pille oder auch erst nach dem Absetzen eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert werden, ist man sicherlich gut beraten, wenn man zuerst diese vier Ursachen in Betracht zieht. Sollte eine davon die Schilddrüse negativ beeinflussen, lässt sich das meistens ohne die typischen Schilddrüsenhormone in den Griff bekommen.

Was sind deine Erfahrungen? Hinterlasse mir doch einen Kommentar! 
Über die Autorin dieses Artikels

Isabel ist Gründerin von Generation Pille und Autorin des Buches "ByeBye Pille". Ziel der Seite und jedem einzelnen Beitrag ist es, Frauen zu helfen, ihren Körper besser zu verstehen, Symptome zu deuten und sowohl körperliche als auch hormonelle Zusammenhänge zu begreifen. Der Fokus ihrer Beiträge liegt hierbei ganz klar auf den Themengebieten Frauengesundheit, Hormone, hormonelle Beschwerden und natürliche Verhütung. Fragen oder Anregungen kannst du gerne persönlich per Mail an isabel@generation-pille.com schicken.   

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