Die einwandfreie Funktion der Nebennieren ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesundheit, ganz besonders für unser Hormonsystem. Genau deshalb seid ihr wahrscheinlich in meinen Artikeln auch schon häufiger über die Begriffe Nebennieren, Fight-or-Flight-Effekt, Cortisol und Adrenalin gestolpert, denn diese beiden kleinen Organe mischen eigentlich so gut wie überall mit. Auch wenn sie von der klassischen Schulmedizin eher stiefmütterlich behandelt werden, sollten sie keinesfalls unterschätzt werden.

In diesem Beitrag möchte ich gerne versuchen, euch so viele Informationen wie möglich zu den Nebennieren zu geben. Angefangen von ihrer Position im Körper und ihrer Funktion, über die Hormone, die sie ausschütten, bis hin zu ihrem Einfluss auf die anderen endokrinen Organe. Welchen Einfluss haben sie auf die Schilddrüse und die Sexualhormone? Was schwächt die Nebennieren? Ihr seht, wir haben viel zutun. Let’s go!

Nebennieren, was ist das eigentlich?

Auch wenn es sich so anhört, so haben die Nebennieren absolut nichts mit den Nieren zu tun. Ihren verwirrenden Namen haben sie aufgrund ihrer Position: Sie sitzen wie kleine Hütchen auf bzw. neben den Nieren, sind ungefähr so groß wie Walnüsse und gehören zu den endokrinen Organen. Sie bilden also Hormone. Dazu gehören unter anderem die Stresshormone Cortisol und Adrenalin.

Endokrines_System

Cortisol

Cortisol ist unheimlich wichtig, denn es hilft uns, Stress zu bewältigen. Deshalb wird es auch das „Langzeit-Stresshormon“ genannt. Außerdem ist Cortisol unverzichtbar für unser gesamtes Immunsystem, den Fettstoffwechsel und die Blutzuckerbalance. Außerdem hemmt es Entzündungen und meistert viele weitere lebenswichtige Prozesse im Körper. Der Cortisolspiegel verändert sich im Laufe des Tages und steht in engem Zusammenhang mit unserem Schlaf-Wach-Rhythmus.

Adrenalin

Adrenalin ist das Stresshormon für die Kurzzeitwirkung, wie man es beispielweise von einem kurzen Schreckmoment kennt. Wenn einem beispielsweise gerade auffällt, dass man sein Handy verloren oder eine Whatsapp-Nachricht mit heiklem Inhalt an die falsche Person geschickt hat. In diesen Schrecksekunden wird Adrenalin ausgeschüttet. Allerdings kommt dieses Hormon auch dann zum Einsatz, wenn die Nebennieren bereits so erschöpft sind, dass sie kaum noch Cortisol bilden können.

Für mich persönlich zählen diese unscheinbaren „Hütchen“ zu den wichtigsten Organen in unserem Körper.

Die Nebennieren sichern täglich unser Überleben. Sie sind unsere körpereigene Stress-Management-Zentrale und im Stande, so gut wie jede Funktion unseres Körpers zu beeinflussen. Ganz krass ausgedrückt könnte man sagen, ihre Hauptaufgabe ist es, unser Überleben zu sichern. Und das machen sie, indem sie Prioritäten setzen.

Prioritäten der Nebennieren & der Fight-or-Flight-Effekt

Wie eben schon erwähnt, ist die höchste Priorität der Nebennieren, während Stress, Krankheit oder Gefahr unser Überleben zu sichern. Das machen sie beispielweise, indem sie mittels Ausschüttung von Cortisol oder Adrenalin unsere Körperfunktionen lenken. Mal angenommen, wir sind gerade in einer bedrohlichen Situation – wir werden überfallen. Dann sorgen die Nebennieren dafür, dass wir unheimliche Kräfte entwickeln, um uns wehren zu können, besser sehen und super schnell rennen können. In dem Moment steckt die komplette Körperenergie genau in den Systemen, die unser Überleben sichern. Dann sind z.B. unsere Verdauung oder die Schilddrüse gerade nicht so wichtig. Richtig?

Das ganze nennt man den Fight-or-Flight-Effekt, zu deutsch: Kampf oder Flucht! Genau dieser Effekt ist es, der uns Menschen am Leben hält. Unheimlich intelligent gelöst von unserem Körper wie ich finde. Allerdings nur dann, wenn die Bedrohung, der Stress oder die „Lebensgefahr“ auch gleich wieder verschwindet und die Nebennieren zur Ruhe kommen können.

Wir merken uns:

Sobald die Nebennieren Stress (also eine Bedrohung) wahrnehmen, lenken sie alle Kraft und Energie in die wichtigsten Körperfunktionen und alle anderen, die gerade weniger wichtig erscheinen, werden gedrosselt. Diese beiden kleinen Organe fällen also jeden Tag aufs neue die Entscheidung, was für unser Überleben wichtiger ist.

Stell dir vor, du müsstest diese Entscheidungen treffen! Was ist wichtiger?

Herz-Kreislauf-System oder schöne Haare?

Blutzuckerkontrolle oder Verdauung?

Atmung und Funktion der Lunge oder Eisprung?

Gehirn oder Schilddrüse?

Nebennieren kompensieren so lange sie können!

Einen weiteren Gefallen, den sie dir täglich tun, ist, dir dein Leben so angenehm wie möglich zu machen. Nebennieren kompensieren – sofern es ihnen noch möglich ist – im Stillen. Ohne dass du etwas davon merkst, fangen sie alles ab, was dem Körper eigentlich nicht gut tut. Diese unglaublichen tollen Organe covern alles, was du „verbockst“ und sorgen dafür, dass es dir trotzdem gut geht. So kannst du mit „fitten“ Nebennieren z.B. auch mal eine Nacht durchmachen, zu viel Süßkram essen, Alkohol trinken oder auch eine Zigarette nach der anderen rauchen – all das ist Stress für den Körper! – und am nächsten Tag trotzdem zur Arbeit gehen, als wäre nie etwas gewesen. Auf Dauer geht das natürlich nicht gut.

Was stresst die Nebennieren?

Kurzgefasst: alles. Die Nebennieren empfinden jegliche Form von Bedrohung, gesundheitliche Risiken, Infekte, Allergien sowie physische und psychische Belastung als Stress und reagieren dementsprechend. Das bedeutet: Deine Nebennieren haben schon Stress, ohne dass du etwas davon mitbekommst.

Zum besseren Verständnis listen wir mal ein paar Dinge auf, die für uns „normal“ sind, aber für die Nebennieren richtig viel Arbeit bedeuten:

  • schlechte Ernährung
  • unregelmäßiges Essen (Hunger übergehen, Diäten, zu lange Pausen zwischen den Mahlzeiten)
  • Kaffee & Alkohol
  • zu viel Sport
  • Stress auf der Arbeit, Uni oder in der Schule
  • dauerhafte Medikation (z.B. Pille, Antidepressiva)
  • jegliche Form von Entzündungen
  • Intoleranzen & Allergien
  • zu wenig oder schlechter Schlaf
  • Unter- oder Übergewicht
  • Vitalstoffmängel
  • Rauchen
  • Krankheit
  • jegliche Form der seelischen Belastung, ob akut oder anhaltend
  • Belastung durch andere Organe (überlastete Leber, schlechte Darmflora, etc.)
  • Narkosen und Operationen
  • Schadstoffbelastungen
  • Xenoöstrogene (z.B. aus Kosmetika, Weichmachern etc.)

… um nur einige zu nennen. Selbst häufige negative Gedanken und Pessimismus können die Nebennieren schon triggern. Ich könnte den gesamten Blogbeitrag mit weiteren Stichpunkten füllen, aber ich denke, es wird klar, worauf ich hinaus möchte. Das Problem an der Sache ist jetzt, dass wir in unserem super stressigen und schnelllebigen Alltag nicht nur einen sogenannten Stressor für unsere Nebennieren haben, sondern viele.

Special Topic Pille

Ja, auch die Antibabypille bzw. synthetische Hormone im allgemeinen wirken auf die Nebennieren. Je nach Präparat kann die Pille entweder direkt auf die Nebennieren wirken, in dem sie die Androgenbildung unterdrückt, oder indirekt. So oder so leiden sie darunter. Für den Körper ist die Pille eine dauerhafte Stressquelle. Bei der Hormonspirale wurde in einer Studie sogar schon bewiesen, dass sie den Cortisolspiegel dauerhaft erhöht!

Keine unendliche Energie…

Auch die Energie, Kraft und die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel der Nebennieren haben irgendwann ein Ende. Ihre Ressourcen sind endlich, und das sollte auch jedem bewusst sein. Die Heilpraktikerin Katia Trost hat das auf ihrer Webseite in einem Beispiel super erklärt. Sie sagt:

Man kann das auch mit einer PC Leistung vergleichen. Der Computer verlangsamt sich meist erheblich (gerade, wenn er nicht mehr der Neueste ist…), je mehr Anwendungen im Hintergrund laufen. Denn dadurch wird der Arbeitsspeicher des PC beansprucht. Das kommt einmal durch die Programme, die man bewusst aufgemacht hat, aber oft auch durch irgendwelche anderen Hilfsprogramme, die unbemerkt im Hintergrund laufen. Dieses Prinzip gilt täglich aufs Neue. Je nachdem, wie vielen Belastungen der Körper an diesem Tag gerade ausgesetzt ist, wird – je nach genereller Leistungsfähigkeit der Nebennieren – zu einem besseren oder schlechteren Befinden führen.

Wenn die Nebennieren erschöpft sind…

Alles was den Körper dauerhaft überanstrengt, erschöpft früher oder später. So auch die Nebennieren. Natürlich passiert das nicht von heute auf morgen, das ist eher ein schleichender Prozess. Eine ausgereifte Nebennierenschwäche ist eine Erkrankung und nicht zu unterschätzen. Aber das ist ein Thema für sich, denn auch da gibt es Unterschiede, verschiedene Szenarien und Stadien mit den verschiedensten hormonellen Lagen.

Wir konzentrieren uns jetzt nur auf das, was erschöpfte Nebennieren oder auch einfach zu viel Stress mit unserem Hormonsystem anstellen kann, z.B.:

  • ausbleibende Menstruation
  • zu lange oder zu kurze Zyklen
  • unregelmäßige Zyklen
  • ausbleibende Eisprünge
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen (meist Unterfunktion)

Aus evolutionärer und überlebenstechnischer Sicht eigentlich ganz logisch, denn wie wir ja bis hierher gelernt haben, empfindet der Körper jegliche Form von Stress als gefährliche Bedrohung. In einer offensichtlich gefährlichen Lebenslage soll z.B. eine Empfängnis verhindert werden, deshalb wäre ein Eisprung nicht klug. Dauerhaft ausbleibende Eisprünge führen zu einem hormonellen Ungleichgewicht und das früher oder später zu eventuellen Unregelmäßigkeiten im Zyklus.

Versteht ihr jetzt, wieso ich – ganz besonders nach dem Absetzen der Pille -, immer davor warne, sich zu viel Stress und Druck zu machen? Aus dem gleichen Grund, weshalb ich auch in meinem Buch zu viel Ruhe, gesunder Ernährung, Unterstützung von Darm & Leber und einen Blick auf den Vitalstoffhaushalt rate. Beachtet man das alles nicht, wird es auch keine hormonelle Balance geben.

Bevor du also versuchst, hormonelle Beschwerden zu behandeln, überlege doch mal, ob es nicht sein könnte, dass du deinen Nebennieren in den letzten Jahren ein bisschen zuviel zugemutet hast.

Erste Anzeichen für überarbeitete und ausgebrannte Nebennieren können zum Beispiel folgende sein:

  • Schwäche, Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • erhöhtes Schlafbedürfnis
  • Infektanfälligkeit
  • hormonelle Beschwerden
  • Konzentrationsstörungen
  • Vergesslichkeit
  • Antriebslosigkeit

Übrigens: Was die Nebennieren mit der Blutzuckerbalance und Panikattacken zu tun haben, habe ich bereits in diesem Artikel erklärt.