Panikattacken sind in unserer Generation ein riesiges Thema. Mittlerweile gehört dieses Beschwerdebild gefühlt schon zur Kategorie „Volkskrankheiten“. Dass es während der Einnahme der Antibabypille zu Panikattacken kommen kann, wurde bereits durch Studien belegt. Aber wieso trifft es auch Frauen, nachdem sie die Pille abgesetzt haben?

 

Durch meine Arbeit stehe ich täglich in Kontakt mit Frauen, die die Pille absetzen möchten oder bereits abgesetzt haben, und immer häufiger wird dabei das Thema Panikattacken angesprochen. Einige Frauen erleben diese Symptome während der Einnahmedauer von oralen Kontrazeptiva und werden sie auch schnell wieder los, sobald sie diese abgesetzt haben. Andere hatten während der Einnahme aber keine Probleme mit dem Beschwerdebild der Panikattacken, bekommen diese Problematik aber dann nach dem Absetzen.

Ich persönlich habe allem voran zuerst mal ein – nennen wir es mal „kleines Problem“ – mit der Pauschalisierung dieses Krankheitsbildes.

Wie bei allen „Zivilisationskrankheiten“ wird meiner Meinung nach auch hier die Diagnose viel zu früh und häufig auch unberechtigt gestellt. Dazu später mehr. Fangen wir aber mal von vorne an.

Definition – Panikattacke

Googelt man nach der Definition einer Panikattacke, erhält man beispielsweise Ergebnisse wie:

Die Panikattacke ist eine plötzlich und zeitlich begrenzt auftretende Alarmreaktion des Körpers mit Angst und vegetativer Symptomatik, die jedoch ohne objektiv fassbaren Anlass auftritt.

Als Panikattacke wird das einzelne plötzliche und in der Regel nur einige Minuten anhaltende Auftreten einer körperlichen und psychischen Alarmreaktion (fight or flight) ohne objektiven äußeren Anlass bezeichnet. Oft ist den Betroffenen nicht klar, dass ihre Symptome Ausdruck einer Panikreaktion sind.

Zu den Symptomen, die bei der Diagnostik einer Panikattacke eine Rolle spielen, gehören unter anderem:

  • Atemnot, Engegefühl in Brust und Kehle
  • Hyperventilation (als Folge Kribbelgefühle in Gesicht und Händen, Muskelkrämpfe)
  • Herzrasen
  • Schweißausbrüche
  • Zittern
  • Schwindel
  • Angstgedanken
  • Depersonalisationsgefühle („Neben sich stehen“, „Nicht mehr ich selber sein“)
  • Derealisationsgefühle (Umgebung wird als fremd, unwirklich wahrgenommen)
  • Gefühl einer drohenden Ohnmacht
  • Angst zu sterben
  • Herzrasen
  • Tremor (Zittern, Beben)
  • Schwitzen („feuchte Hände“)
  • Übelkeit
  • Schüttelfrost
  • Hitzewallungen („Mir wird ganz heiß“)
  • Kälteschauer („Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken“)
  • Gefühl des Kontrollverlusts
  • Entfremdungserlebnisse, Derealisationsphänomene

Diese Definition und die damit verbundene Diagnostik ist eigentlich schon das, was mich am meisten stört. Genau dadurch werden Menschen in eine Schublade gesteckt, aus der sie so schnell nicht wieder heraus kommen. Ich erlebe täglich Frauen, die einen Großteil dieser Symptome haben, allerdings ohne Panik. Wieso sollten sie also eine Panikattacke haben, wenn sie gar keine Panik empfinden?

Die Symptome aus einem anderen Blickwinkel

Schaut man sich mal die Liste der Symptome an und auch einen Teil der gängigen Definitionen, könnte man doch auch auf eine andere Diagnose kommen oder? Gerade bei dem Begriff „Fight or Flight“ denke ich zumindest an eine Problematik der Nebennieren statt an eine Panikattacke. Denn genau daher kommt dieser Begriff: Der „Fight or Flight-Effekt“ umschreibt die Hauptaufgabe unserer Nebennieren.

Ihren verwirrenden Namen haben die Nebennieren aufgrund ihrer Position: Sie sitzen wie kleine Hütchen auf den Nieren und gehören zu den endokrinen Drüsen. Sie bilden also Hormone, u.a. Cortisol, Adrenalin, Testosteron und noch einige mehr. Cortisol ist unheimlich wichtig, denn es hilft uns, Stress zu bewältigen. Deshalb wird es auch das „Stresshormon“ genannt. Außerdem ist es unverzichtbar für unser gesamtes Immunsystem, den Fettstoffwechsel, die Blutzuckerbalance und viele weitere lebenswichtige Prozesse im Körper. Schwächeln die Nebennieren und der Körper kann deshalb nicht mehr genug Cortisol ausschütten, greift er stattdessen auf Adrenalin zurück.

Die Nebennieren sind verantwortlich für den „Fight or Flight-Effekt“ (also kämpfen oder flüchten):

Verspürt der Körper irgendeine Form von Stress, Infektion, Bedrohung oder Gefahr, wie beispielsweise eine drohende Unterzuckerung, steigt das Cortisol (oder Adrenalin) im Körper an und drosselt alle in dem Moment eher „unwichtigen“ Körperfunktionen herunter. Diese schnelle Ausschüttung der Stresshormone führt zu diversen Symptomen, die einer „Panikattacke“ sehr ähneln.

Das Zauberwort ist Blutzuckerbalance

Hast du schon mal die möglichen Symptome einer Panikattacke mit denen einer Unterzuckerung verglichen? Wahrscheinlich nicht, aber die Ähnlichkeit ist tatsächlich verblüffend. Werfen wir mal einen kurzen Blick auf die Liste der Symptome, die bei einer Unterzuckerung auftreten können:

  • Heißhunger
  • Schwitzen
  • Zittern
  • Übelkeit
  • Herzrasen
  • spürbares Herzklopfen
  • geweitete Pupillen
  • Koordinationsstörungen
  • Verwirrtheit
  • Schwächegefühl
  • Blutdruckanstieg
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Engegefühl in der Brust
  • Lähmungserscheinungen
  • Reizbarkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Sprachstörungen (Lallen)
  • auffälliges Gähnen
  • Sehstörungen
  • überfallartige Müdigkeit
  • Bewusstseinsverlust
  • Blässe
  • weiche Knie
  • innere Unruhe
  • Kraftlosigkeit
  • Desorientiertheit
  • Empfindungsstörungen
  • Frieren
  • Gangunsicherheit

Erkennst du die Parallelen? Selbstverständlich hat man nicht zwangsläufig alle diese Symptome, aber es reichen ja auch schon ein paar davon aus, um „falsch“ diagnostiziert zu werden. Der einzige große Unterschied der möglicherweise auftretenden Beschwerden ist eigentlich die Angst. Dazu kommen wir aber später nochmal. Die Frage, die sich allerdings jetzt erstmal stellt, ist:

Wieso kommt es gerade nach Absetzen der Pille vermehrt zu Unterzuckerungen?

Genau dazu habe ich eine meiner Lieblings-Heilpraktikerinnen befragt: Katia Trost. Sie beschäftigt sich zwar hauptsächlich mit Hormonstörungen, aber sie betrachtet die Dinge ein bisschen „anders“. Bei ihr steht die ganzheitliche Betrachtung der Hormone in Bezug auf Stoffwechsel, Zellenenergie und Mitochondrien im Fokus. Genau in diesem Zusammenhang spielt die Blutzuckerbalance eine große Rolle. Sie sagt:

Blutzuckerkontrolle ist die Mutter aller Hormonprobleme!

Ich habe mich wirklich sehr lange mit ihr über die Problematik dieser vermeintlichen Panikattacken unterhalten. Sie hat mir die Blutzuckerproblematik nach dem Absetzen der Pille genau erklärt.

Ein gesunder fitter Körper, dessen Blutzuckerbalance funktioniert, legt Glykogenvorräte an. Das bedeutet: Normalweise wird nach jeder Mahlzeit Glykogen gespeichert, so dass in Zeiten, in denen keine Nahrungsaufnahme stattfindet, dieser Speicher ausreicht und verbraucht wird, bis die nächste Mahlzeit kommt. So bleibt der Blutzuckerspiegel immer stabil.

Im Post-Pill-Modus kann das anders aussehen…

Die Pille hat einen sehr negativen Effekt auf den gesamten Energiehaushalt. „Der Körper hat also sehr wenig Energie zur Verfügung. Und wenn der Körper sehr wenig Energie zur Verfügung hat, werden keine Zuckervorräte, also Glykogenvorräte, angelegt. Wenig Energie ist für den Körper gleichbedeutend mit einer Notsituation, also Gefahr.
Wenn du keine Zuckervorräte hast, hast du nur zwei Möglichkeiten, um deinen Blutzuckerspiegel zu halten. Entweder du isst ständig – dass sind dann auch diejenigen, die ständig Heißhunger haben, viele Kohlenhydrate und viel Schokolade essen – oder du bekommst einen Cortisol- bzw Adrenalinstoß. Damit stellt der Körper aus Fetten und meistens leider auch aus Eiweißen neuen Zucker her.“, erklärt Katia Trost.

 

Die Folge: Herzrasen, vermehrtes Schwitzen, Engegefühl in der Brust, Zittern, Schwindel, etc.

Aber wieso gerade nach dem Absetzen?

Während der Pille kommen die Nebennieren in so ein Gleichgewicht des Schreckens. Der Körper befindet sich also kontinuierlich in einem Stresszustand, der dauerhaft anhält. Eine – wie ich sie nenne – Nebennierendominanz. Wenn mit Absetzen der Pille diese „Krücke“ wegfällt, dann sieht man erst, wie es im Körper wirklich aussieht.

Es ist ein bisschen so, wie man es von stressigen Zeiten auf der Arbeit kennt. Man powert wochenlang, hat Stress und Deadlines einzuhalten und packt das auch alles irgendwie. Hat man dann aber endlich eine Woche Urlaub und der Körper kommt zur Ruhe, wird man krank.

Das bisschen Energie, was nach dem Absetzen der Pille noch da ist, wird in die Hauptsysteme gesteckt, also z.B. Herz und Lunge.  Die Folge unter anderem: Der Blutzucker ist nicht mehr verlässlich. Die Unterzuckerung ist immer zuerst da, sie zeigt sich aber bei jedem anders und wird nicht immer gleich als solche wahrgenommen. Bei manchen ist es nur leichte Schwäche, Müdigkeit oder eben das typische „Mir ist irgendwie komisch…“. Und dann kommt das Adrenalin ins Spiel, und die Leute erleben diese sogenannte „Panikattacke“ oder eben die besagten Symptome.“

 

 

Eine Panikattacke ist das, was man aus den Symptomen macht…

Jetzt kommen wir zu dem Punkt mit der Angst und der eventuell psychischen Komponente. Für mich persönlich unterscheidet sich diese ganze Panikattackenproblematik ganz grob in drei Gruppen.

Gruppe 1

Das sind die Frauen, die zwar diese Symptome haben, aber in keiner Sekunde auch nur einen Anflug von Panik oder Angst empfinden. Natürlich fühlen sich auch diese Frauen nicht wohl in der Situation, aber sie bleiben ruhig, sitzen die Symptome aus, warten bis sie vorbei sind und machen dann normal weiter. Trotzdem führen die Symptome irgendwann dazu, dass sie sich beim Arzt durchchecken lassen.

Gruppe 2

Das sind die jenigen, die bei den ersten 10 Mal noch ruhig geblieben sind, sich aber nach häufigem Auftreten dieser Beschwerden schon langsam unsicher fühlen. Gehen sie dann zum Arzt und alle Untersuchungen sind ohne Befund, macht sich langsam Angst breit. Treten die Symptome weiterhin ohne Erklärung oder Ankündigung auf, reagieren sie immer ängstlicher. Und irgendwann folgt dann die Panik.

Gruppe 3

Panik! Diese Gruppe ist wahrscheinlich die mit den „klassischen“ Panikattacken. Wobei mir auch hier die klassische Definition nicht gefällt, nach der die Panik ja ohne ersichtlichen Grund kommt. Nein, tut sie nicht! Die Symptome sind da, sie haben eine Ursache und sie können Angst machen! Vielleicht haben Frauen, die auf diese Beschwerden mit Panik reagieren, eine psychische Veranlagung, eher mit Angst zu reagieren als andere. Aber auch deren „Panikattacke“ ist eine Reaktion auf reale Beschwerden!

Jetzt mal im Ernst. Ist es nicht nachvollziehbar, dass es einem Menschen Angst macht, über einen gewissen Zeitraum Symptome zu bekommen, die je nach Situation vielleicht auch nicht ungefährlich sind? Und das, ohne eine Begründung dafür zu bekommen? Ist es dann nicht fast „normal“, nach einiger Zeit mit Angst zu reagieren, weil es für diese heftigen Beschwerden offensichtlich keine richtige Lösung, geschweige denn eine Ursache gibt und man sie nicht kontrollieren kann?

Es ist mit absoluter Sicherheit eine Typ-Frage und es gibt auch eine psychische Komponente.

Allein schon deshalb, weil jeder Mensch unterschiedlich auf solche Situationen reagiert, mit ihnen umgeht und je nachdem eine richtige Panik entsteht oder auch nicht. Aber würde ein Großteil dieser Menschen überhaupt Panik oder Angst entwickeln, wenn es eine Erklärung und auch eine Lösung für die Beschwerden geben würde? Ich wage es zu bezweifeln!

 

Was haben diese Frauen gemeinsam?

Ganz einfach: Landen sie zufällig beim falschen Arzt, bekommen sie alle die gleiche Diagnose! Ob man nun tatsächlich Panik hatte oder einfach nur Symptome einer Unterzuckerung, ist häufig egal. Geht man zum Arzt und berichtet von Schwindel, Herzrasen, Zittern, Schweißausbrüchen und Benommenheit, geht man leider sehr häufig mit einem Rezept für Antidepressiva oder Beruhigungsmitteln wieder nach hause.

Meiner Meinung nach ein fataler Fehler!

So wird nämlich zum einen die Ursache nicht gefunden oder gar behandelt, und zum anderen werden die Patientinnen sofort in die Psycho-Schublade gesteckt. Viele der Betroffenen haben keine andere Erklärung für ihre Beschwerden und glauben tatsächlich, dass sie ein psychisches Problem haben. Das hat zur Folge, dass sie oft jahrelang Psychopharmaka schlucken, die sie eigentlich nicht brauchen und die außerdem auch wieder zu Nebenwirkungen führen.

Was kann man tun, um diese Symptome zu verhindern?

Der erste Schritt zur Besserung ist immer, den Körper bestmöglich zu entlasten. Genau deshalb ist das auch eines der wichtigsten Kapitel meines Buches. Nach dem Absetzen der Pille hat der Körper keine Energie mehr und genug damit zu tun, sich um die Regeneration zu kümmern. Je schwerer man es ihm macht, desto schlechter wird logischerweise auch die Blutzuckerbalance.

Deshalb sagt auch Katia Trost:

Kein Zucker, kein Alkohol, kein Gluten, keine Milch, kein Kaffee!

Einige Punkte, die unter Entlasten fallen, haben auch schon einen enormen direkten Einfluss auf den Blutzuckerhaushalt. Wie man sich sicherlich denken kann, betrifft das den Zucker bzw. Süßigkeiten, Alkohol und auch Kaffee. Neben den entlastenden Maßnamen kann man aber durchaus auch mit gezielter Ernährung sehr viel für eine gute Blutzuckerbalance tun.

 

Katia Trost gibt folgende Tipps:

1. Regelmäßig essen
Lieber fünf kleine Mahlzeiten am Tag als nur drei sehr große. Viele kleinere Portionen über den Tag verteilt verkürzen die Pausen, in denen ein Glykogenvorrat benötigt wird.

2. Reduzierte Kohlenhydrate
Genauer gesagt: morgens wenig, mittags ein bisschen und abends am meisten. Niemals mehr als 5 gehäufte Esslöffel Kohlenhydrate auf einmal, denn das hat einen negativen Einfluss auf die Cortisolkurve und bringt den Blutzucker komplett durcheinander.

3. Genügend Eiweiß
Eiweiß stabilisiert den Blutzucker. Auch gleich morgens zum Frühstück genügend Eiweiß, denn morgens wird die Grundlage für den Blutzucker gelegt. Am besten mindestens 50g reines Eiweiß am Tag.

4. Zucker hilft nicht bei Unterzucker
Wenn es soweit kommt, dass du das Gefühl hast, du müsstest Zucker essen, dann ist es schon zu spät. Dann hast du vorher schon nicht gut genug für dich gesorgt.

 

 

Katia Trost

Katia Trost

Naturheilpraxis für hormonelle Balance und Traumatherapie

Katia Trost ist eine hervorragende Heilpraktikerin aus Hamburg mit dem Spezialgebiet Hormonstörungen und Stoffwechselbalance bzw. ganzheitliche Betrachtung der Hormone in Bezug auf Stoffwechsel, Zellenergie und Mitochondrien. Auf ihrem Blog findet man unglaublich viele Informationen zu dem Thema. Sie sagt: „Hormone sind ’nur‘ Botenstoffe. Sie können Energie nur bewegen. Steht dem Körper aber keine Energie zur Verfügung, können hormonelle Probleme auch nicht behoben werden.“

Ihre Website: Katia Trost – Heilpraktikerin

Über die Autorin dieses Artikels

Isabel ist Gründerin von Generation Pille und Autorin des Buches "ByeBye Pille". Ziel der Seite und jedem einzelnen Beitrag ist es, Frauen zu helfen, ihren Körper besser zu verstehen, Symptome zu deuten und sowohl körperliche als auch hormonelle Zusammenhänge zu begreifen. Der Fokus ihrer Beiträge liegt hierbei ganz klar auf den Themengebieten Frauengesundheit, Hormone, hormonelle Beschwerden und natürliche Verhütung. Fragen oder Anregungen kannst du gerne persönlich per Mail an isabel@generation-pille.com schicken.   

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