Natürliche Verhütung… was ist das eigentlich? Über dieses Thema wird immer öfter gesprochen und dabei mit den verschiedensten Begriffen, Methoden, Tools und Aussagen zur Sicherheit um sich geworfen. Prinzipiell freut es mich ja sehr, dass die natürliche Verhütung langsam aber sicher die Aufmerksamkeit bekommt, die ihr definitiv zusteht. Allerdings werden momentan alle Methoden und Begrifflichkeiten komplett durcheinander geworfen und am Ende ensteht kein Wissen, sondern Chaos und Verunsicherung.

Dem wollen wir in unserer heutigen Podcast-Folge ein bisschen entgegenwirken! Wir sprechen über die wunderbare Welt der natürlichen Verhütung. Wie funktioniert sie? Wie sicher ist sie? Welche Hilfsmittel, Tools und Apps gibt es? Warum erzählen uns viele Gynäkologen, dass diese Form der Verhütung unsicher ist?

All das und vieles mehr beantworten wir in dieser Folge. Und für alle, die sie nicht hören wollen oder können, gibt es die wichtigsten Infos auch weiter unten in diesem Beitrag.

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Ihr könnt euch die Podcast-Folge zum Thema „Natürliche Verhütung“ hier im Beitrag anhören oder auch bei Spotify und iTunes.

Was ist natürliche Verhütung genau?

Per Definition zählt zur natürlichen Verhütung (manchmal auch natürliche Familienplanung genannt) alles, was zur Vermeidung einer Schwangerschaft ohne Hilfsmittel oder die Gabe von Hormonen getan werden kann. Hierzu zählen also nicht nur wissenschaftlich anerkannte, lang erforschte und sichere Methoden wie beispielsweise die Symptothermale Methode, sondern auch unsichere Varianten wie die Kalendermethode oder der Coitus Interruptus.

Kalendermethode

Die Kalendermethode ist eine der unsichersten Methoden. Ausgehend von der Annahme, dass ein Zyklus im Schnitt ca. 28 Tage dauert und ein Eisprung irgendwann in der Zyklusmitte stattfindet, werden einfach die Tage gezählt. Hat man einen 28-tägigen Zyklus, verhütet man also um den 14. Tag herum zusätzlich. Absolut nicht ratsam und sehr ungenau.

Hormonmessung

Zu verschiedenen Zeiten im Zyklus werden die für die Ovulation wichtigen Hormone im Urin gemessen. Diese unterliegen, wie auch unsere Körpertemperatur, während des Zyklus‘ gewissen Veränderungen, die für oder gegen eine Ovulation sprechen können. Da Hormone aber sehr störanfällig sind, ist auch diese Methode nicht wirklich sicher. Genaueres dazu in diesem Artikel.

Coitus Interruptus

Der Klassiker unter den Methoden, die früher oder später in einer Schwangerschaft enden. Der Samenerguss des Mannes findet außerhalb der Vagina statt. Ich denke, es müsste jedem klar sein, dass bereits vor dem Erguss Spermien austreten können und der Coitus Interruptus deshalb keine angemessene Verhütung darstellt.

Billings-Methode

Die Billings-Methode, auch Zervixschleimmethode genannt, beruht ausschließlich auf der Beobachtung der Zervixschleimveränderung. Das erste „Regelwerk“ zu dieser Methode veröffentlichte der Neurologe John Billings im Jahre 1964. Anhand der sich im Zyklus verändernden Konsistenz des Schleims bestimmte man den Grad der Fruchtbarkeit. Die Bestimmung des Zervixschleims ist auch heute noch ein wichtiger Teil der natürlichen Verhütung. Heute gilt sie in Kombination mit der Temperaturmethode als Symptothermale Methode. Die Billings-Methode zur Bestimmung der Ovulation allein bringt keine hohe Sicherheit mit sich.

Temperaturmethode

Der holländische Gynäkologe Dr. Van de Velde erkannte erstmals die zyklischen Veränderungen unserer Basaltemperatur. Diese Entdeckung ermöglichte es erstmals festzustellen, wann der Eisprung stattgefunden hat. Erst 1950 wurde das erste Regelwerk der Temperaturmethode veröffentlicht. Bis heute gelten die „Döring-Regeln“ bei exakter und strenger Anwendung als sicher, auch wenn es sich hierbei um eine Einzelsymptom-Methode handelt.

Symptothermale Methode

Glücklicherweise kam man irgendwann auf die Idee, die Billings-Methode mit der Temperaturmethode zu kombinieren und somit das erste Regelwerk zu schaffen, dass den fruchtbaren Zetraum anhand mehrerer Parameter bestimmt.

Das Prinzip der Symptothermalen Methode besteht also darin, dass sich durch die Veränderungen im weiblichen Zyklus der eintretende Eisprung erkennen lässt und somit die Tage des Monats, in denen eine Befruchtung möglich ist. So kann man die fruchtbaren Tage (Überlebensdauer der Spermien eingerechnet) auf ca. 5 – 7 Tage pro Zyklus ermitteln. Um diesen Zeitraum möglichst genau zu bestimmen, kombiniert man die Auswertung der wichtigsten Körperzeichen (sympto-), wie Zervixschleim und/oder Muttermundbeschaffenheit, und die Körpertemperatur (-thermal). Daher auch der Name.

Ziel dieser Methode ist die genaue Bestimmung des kurzen Zeitfensters der Fruchtbarkeit. Während dieses Zeitfensters kann dann zusätzlich verhütet (Kondom, Diaphragma) werden. Vor und nach der fruchtbaren Zeit benötigt es also keinen Zusatz. Genau genommen verhütet man mit dieser Methode also nicht, sondern bestimmt den Zeitraum, in dem aktv verhütet werden muss, während man an den anderen Tagen von Natur aus nicht fruchtbar ist. Das ist auch der Grund, warum bei einigen Tools wie Zykluscomputern und Apps nicht von „Verhütungsapps“ oder „Verhütungscomputern“ gesprochen wird.

Regelwerk

It’s all about the Rules! Um mit der Symptothermalen Methode richtig zu verhüten, muss man natürlich genau wissen, wie man die fruchtbaren Tage seines Zyklus bestimmt. Hierzu müssen die Temperatur und die Symptome richtig ermittelt, gedeutet und ausgewertet werden. Damit das auch jedem gelingt, gibt es dazu bestimmte Regeln. Das bekannteste und auch seit Jahren am besten erforschte Regelwerk ist NFP (Natürliche Familienplanung) nach Sensiplan. An dieser Stelle möchte ich sehr gerne deren Praxisbuch zum Erlernen der Methode empfehlen: Natürlich und Sicher.

Jede Frau, die natürlich verhüten möchte, und zwar ganz egal, ob mit Hilfe eines Zykluscomputers, einer App, oder sonstigen Tools, sollte die Regeln vorher verstanden haben und genau wissen, was sie tut!

Über die Autorin dieses Artikels

Isabel ist Gründerin von Generation Pille und Autorin der Bücher "ByeBye Pille" und "Kleine Pille, große Folgen". Ziel der Seite und jedem einzelnen Beitrag ist es, Frauen zu helfen, ihren Körper besser zu verstehen, Symptome zu deuten und sowohl körperliche als auch hormonelle Zusammenhänge zu begreifen. Der Fokus ihrer Beiträge liegt hierbei ganz klar auf den Themengebieten Frauengesundheit, Hormone, hormonelle Beschwerden und natürliche Verhütung.
Instagram: @_isabelmorelli_
Kontakt: isabel@generation-pille.com

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