Verhütung mit Kupfer. Für diesen Beitrag habe ich mir sehr lange Zeit gelassen und das hat auch seinen Grund. Da ich selbst keine Erfahrungen mit Kupferspiralen und Co. habe, ist es mir um so wichtiger, dass meine Inhalte fundiert und gut recherchiert sind. Deshalb habe ich mit mehreren Gynäkologen gesprochen, viel gelesen und versucht, dieses Thema ganzheitlich zu betrachten.

Am hilfreichsten für diesen Beitrag war die liebe Gynäkologin Dr. Dorothee Struck, die all meine Fragen bzgl. richtiger Untersuchung und Ermittlung der passenden Spirale sehr ausführlich beantwortet hat. Im ersten Teil dieses Beitrags geht es erst mal um reine Fakten. Also darum, welche Möglichkeiten es gibt, wie die körperlichen Voraussetzungen sein müssen und vor allem wie die richtige Form und Größe gefunden wird. Meine persönliche Meinung spielt hierbei  keine Rolle. Anschließend möchte ich meine persönlichen Ansichten noch mit euch teilen, da ich immer wieder gefragt werde, wie ich dazu stehe.

 

Bevor wir uns die Kupfervarianten gleich genauer ansehen, eines noch vorab: Die Hormonspiralen wie z.B. Jaydess und Mirena sind keine hormonfreien Alternativen! Sie enthalten alle Hormone, genau wie die Pille.

 

Ein weiterer gruseliger Mythos, der sich die letzten Jahre etabliert hat, ist:

Die Wirkstoffe der Hormonspirale wirken nur lokal an Ort und Stelle.

Das ist nicht wahr, sondern lediglich ein Verkaufsargument! Hormone können nicht lokal wirken! Sie gelangen immer und ausnahmslos auch in deinen Blutkreislauf. Sind sie dort erst mal angekommen, wirken sie – wie auch die Pille – in deinem ganzen Körper! Wechselst du also von der Pille auf die Hormonspirale, kommst du vom Regen direkt in die Traufe! (Dies gilt auch für die Drei-Monats-Spritze, Verhütungsstäbchen bzw. Implantat oder Nuvaring)

 

Kupferspiralen und die hartnäckigen Mythen

Leider genießen Intrauterinpessare (kurz: IUP) bis heute nicht den besten Ruf. Die Entwicklung, die sie in den letzten Jahren vollzogen haben, ist weder bei jeder Frau, noch bei jedem Gynäkologen angekommen.

 

Deshalb möchte ich zuerst mit den gängigsten Unwahrheiten aufräumen:
1. drohende Unfruchtbarkeit
2. hohes Risiko für Gebärmutterentzündungen
3. stärkere Menstruation
4. nicht geeignet für junge Mädchen oder Frauen, die noch nicht geboren haben

 

Diese Befürchtungen sind unnötig und überholt. Früher, als es Spiralen nur in einer Einheitsgröße gab und man noch nicht über Ultraschallgeräte zum genauen Ausmessen verfügte, waren diese Ängste berechtigt. Heute jedoch definitiv nicht mehr!

Aktuell gibt es ca. 9 verschiedene Formen der Kupferspirale in jeweils mehreren Größen. Davon sind nur drei Modelle eher für Frauen gedacht, die schon Kinder geboren haben. Die restlichen sechs sind problemlos auch bei jungen Frauen ohne Kinder einsetzbar. Neben der klassischen T-Form mit geraden “Armen”, gibt es sie beispielsweise auch in Regenschirmform, als Kupferkette oder auch als Kupferball. Es lässt sich also so gut wie für jede Frau die richtige Größe und Form finden.

Kupferionen verhindern die Befruchtung

In der Wirkweise sind sie alle gleich. Im Gegenteil zu früher, wo eine Spirale hauptsächlich wirkte, weil sie so groß war, dass sie den Spermien einfach den Weg versperrte, wirken die neueren Modelle hauptsächlich durch die Kupferionen. Diese töten die Spermien ab und verhindern somit eine Befruchtung.

Richtige Form und Größe

Jeder Uterus ist verschieden. Es gibt die verschiedensten Formen und Größen von unserem wichtigsten weiblichen Organ. Tatsächlich sieht die Gebärmutter bei jeder Frau komplett anders aus. Form und Größe verändern sich auch noch im Laufe des Lebens. Deshalb ist es bei der Verhütung mit Intrauterinpessaren mit Abstand das Wichtigste, die passende Spirale (ggf. auch Kette oder Ball) zum jeweiligen Uterus zu finden. Ist die Kupferspirale zu klein, zu groß oder falsch geformt, führt das zu diversen Problemen. Zum Beispiel können Kupferspiralen verrutschen, starke Schmerzen hervorrufen oder zu Entzündungen führen, wenn sie nicht richtig passen. Auch ein Kupferball in der falschen Gebärmutter schmerzt.

 

Drei Beispiele, wie verschieden Gebärmütter aussehen können!

Gebärmutter-schmal
Gebärmutter-breit
Gebärmutter-Herzform

Es gibt also nicht die eine Kupfervariante, die jeder Frau passt!

Damit eine Kupferspirale (oder Kette/Ball) richtig gelegt werden kann, muss vorher die richtige Passform und Größe ermittelt werden. Tatsächlich gibt es so gut wie keine Frau, für die es nicht auch das geeignete Intrauterinpessar gibt! Die leider häufig getätigte Aussage einiger Gynäkologen, dass Frauen, die noch keine Kinder bekommen haben, keine Kupferspirale gelegt werden kann, ist definitiv falsch. Leider sind es oft genau die gleichen Ärzte, die diesen Frauen im nächsten Satz eine Hormonspirale  empfehlen. Schwachsinn! Tatsächlich sind Hormonspiralen wie beispielsweise die Jaydess viel größer als die kleinen Modelle der kupfernen.

 

Beispiel: 2 Formen der Kupferspiralen, sowie die Kupferkette und Kupferball

Wer noch mehr zu Formen, Größen, Herstellern und zum Einsetzen wissen möchte, sollte einen Blick in das Buch von Dr. Dorothee Struck werfen.

T-Spirale
Flexi-Spirale
Kupferkette
Kupferball

Wichtige Info für Post-Pill-Kupferspiralen

Wurde die Pille bereits ins sehr jungem Alter während der Pubertät eingenommen, kann es tatsächlich sein, dass der Uterus in den ersten Monaten nach dem Absetzen zu kein ist! Man spricht hier von einem präpubertärem Uterus, weil er sich ab Einnahme der Pille in der Pubertät nicht weiterentwickelt hat. Nach Absetzen der oralen Kontrazeptiva wächst dieses tolle Organ aber wieder. Es dauert ca. 6-12 Monate bis der Uterus seine richtige Größe erreicht hat und dann auch eine Kupferspirale gelegt werden kann!

Selbst wenn er direkt nach dem Absetzen schon „groß genug“ ist, um problemlos eine Spirale zu legen, ist es dennoch ratsam, die besagten 6 Monate zu warten. Denn es kann sein, dass sich Größe und Form des Uterus nach dem Absetzen noch verändert und die Kupferspirale dann nicht mehr richtig sitzt!

Wie wird die richtige Größe bestimmt?

Eines erstmal vorab: Das Legen der verschiedenen Kupfervarianten ist kein Teil der fachärztlichen Ausbildung! Das bedeutet, die Gynäkologen müssen sich das Wissen bzw. das Können in Weiterbildungen selbst aneignen und Erfahrungen sammeln. Das ist auch der Grund, warum nicht automatisch jeder Gynäkologe alle Varianten im Repertoire hat.

Die erste Voraussetzung sollte also erst einmal sein, dass der Gynäkologe verschiedene Hersteller, Größen und Formen der Intrauterinpessare inkl. Kupferkette und Kupferball kennt und Erfahrungen mit dem Legen der selbigen hat. Kennt er nur zwei Formen in drei Größen, ist die Chance größer, dass nicht für jede Frau die richtige dabei ist.

Sind Wissen und Erfahrung gegeben, geht es um das richtige Ausmessen des Uterus!

Tatsächlich gibt es zu diesem Punkt nämlich keine Vorschriften. Theoretisch könnte ein Arzt also eine Spirale setzen, ohne sich den Uterus auch nur einmal im Ultraschall angesehen zu haben. Die einzigen Vorschriften, die es zum Einsetzen von IUPs gibt, sind der Ausschluss von Bakterien in der Scheide, um das Infektionsrisiko zu minimieren, Ausschluss von Geschlechtskrankheiten und im besten Fall noch ein Krebsabstrich vorab. Von Ausmessen und Ultraschall ist hier keine Rede. Ich persönlich würde also die Flucht ergreifen, wenn mir ein Arzt ohne vorherigen Ultraschall irgendetwas einsetzen möchte.

 

 

Wie wird also richtig gemessen?

Vertikale Messung

Gemessen wird der Uterus einmal vertikal, also von oben nach unten. Genauer gesagt vom Fundus, dem „Dach“ der Gebärmutter, bis zum Übergang der Zervix (Muttermund). Diese Messung ist wichtig, weil die Spirale nicht in den Muttermund hineinragen darf. Das führt zu starken Schmerzen und birgt auch ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Es kommt also nicht nur auf die Breite, sondern auch auf die Länge der Spirale an.

Gebärmutter-Höhe

Horizontale Messung

Anschließend wird auch noch die Breite gemessen. Hierzu ist der Abstand von dem einen Eileiterabgang zum anderen Eileiterabgang ausschlaggebend. Diese Messung ist notwendig für die Wahl der Form und Breite der „Arme“ der Spirale. Bei der einen Frau passt vielleicht eine gerade T-Form am besten, bei der anderen eher eine gebogene.

Gebärmutter-Breite

Form und Beschaffenheit spielen auch eine Rolle

Während der Messung wird auch nach Form und Beschaffenheit der Gebärmutter gesehen. Welche Form hat sie? Gibt es vielleicht Unebenheiten oder Myome? Wie dick ist der Fundus? Tatsächlich gibt es Frauen mit einem z. B. herzförmigen Uterus. Eine normale gerade Spirale würde in so einem Fall absolut nicht passen. Bei vielen Frauen ist nach dem Absetzen der Pille der Fundus zu dünn. Das ist aber nur dann ein Nachteil, wenn man mit der Kupferkette liebäugelt, da diese im „Dach“ der Gebärmutter (Fundus) verankert wird. Im Falle von Myomen passen viele Spiralen wiederum nicht, weil sie mit ihrem festen Rahmen zu sehr drücken würden. Eine Kupferkette hingegen kann sich um diese kleinen „Beulchen“ herum schlängeln. All das wird man aber nur sehen, wenn die Gebärmutter richtig begutachtet wird.

Doppelt gemessen hält besser!

Da sich die Gegebenheiten des Uterus auch während eines Zyklus ändern können, ist es definitiv von Vorteil, zweimal in verschiedenen Zyklusphasen messen zu lassen. Nur so kann man absolut sicher gehen, dass die gewählte Spirale auch in jeder Zyklusphase perfekt passt.

Checkliste – Worauf solltest du vorm Einsetzen eines IUPs achten?

1.) Erkundige dich schon im ersten Beratungsgespräch beim Gynäkologen, wie viele Erfahrungen mit Kupferspiralen, -ketten und -bällen bestehen. Erfrage auch, wie viele verschiedene Größen, Hersteller und Formen er kennt und legt.

2.) Achte auf die richtige Untersuchung. Jetzt, wo du weißt, wie deine Gebärmutter im besten Fall ausgemessen werden sollte, achte darauf, dass das auch passiert. Lass‘ dir während der Untersuchung von deinem Gynäkologen auch gerne erklären, wie und was er gerade ausmisst.

3.) Im Zweifel, hol‘ dir eine zweite Meinung! Du kannst frei entscheiden, was du tust und von wem du dich behandeln lassen möchtest. Solltest du dich nicht gut behandelt oder unwohl fühlen, schau‘ nochmal in einer anderen Praxis vorbei. Das gleiche gilt für den Fall, dass laut Gynäkologe eine Kupferspirale oder auch -Kette und -Ball angeblich nicht möglich ist, und dir deshalb eher eine Hormonspirale empfohlen wird.

4.) Solltest du direkt nach dem Absetzen der Pille oder noch während der Einnahme eine Kupfervariante haben wollen, lass‘ dir nochmal durch den Kopf gehen, ob es nicht Sinn macht, noch ein bisschen zu warten. Besprich das auch gerne nochmal mit deinem Arzt. Schließlich wäre es sehr ärgerlich, wenn sich deine Gebärmutter tatsächlich noch verändert und du die teure Spirale nach 6-12 Monaten nochmal austauschen lassen musst.

 

Special Topic Kupfer

Kupfer im Übermaß schadet. Kupferspiralen und auch Kupferketten & Kupferbälle geben zwar nur sehr wenig Kupfer ab, aber das kann je nach Entgiftungsleistung, gesundheitlichem Zustand und auch in Kombination mit Ernährung und äußerlichen Einwirkungen zu viel sein. Ein Kupferüberschuss kann zu vielen verschiedenen Symptomen und Ungleichgewichten im Zink- und Eisenhaushalt führen. Solltest du also ein IUP haben und folgende Symptome ohne erkennbare Ursache haben, behalte deinen Kupferhaushalt im Blick!

Akute Kupfervergiftung

Übelkeit
Magenschmerzen
Erbrechen
Darmkoliken oder Durchfall
neurologische Ausfallerscheinungen (Zittern, Spannung) und psychische Beschwerden

Kupferüberschuss

Übelkeit
Verdauungsbeschwerden (Reizdarm)
Stimmungsschwankungen
Depressionen
PMS
Zinkmangel
Depressionen
plötzliche Schilddrüsenprobleme
Hautprobleme (Akne)
Haarausfall
hormonelle Schwankungen

…um nur einige zu nennen. Mehr zum Thema Kupferüberschuss könnt ihr in diesem Beitrag von Katia Trost lesen.

 

Meine persönliche Meinung

Bei fast jedem Beitrag , in dem es um Verhütungsmittel geht, werde ich nach meiner persönlichen Meinung oder Erfahrung gefragt. Deshalb möchte ich mich dieses Mal dazu äußern, bevor ich Fragen per Mail bekomme.

Für mich kommt keine der Kupfervarianten in Frage. Ganz einfach aus dem Grund, weil ich es schlicht und ergreifend für absolut überflüssig empfinde. Der weibliche Körper ist so intelligent und ausgefuchst, dass er uns ganz klar in jedem Zyklus genau zu verstehen gibt, wann er fruchtbar ist und wann nicht. Pro Zyklus gibt es einen Eisprung und somit eine Eizelle, die 12 bis maximal 24 Stunden befruchtungsfähig ist. Rechnet man die Überlebenszeit der männlichen Spermien noch dazu, kommt man pro Zyklus auf ca. 7 – 8 potentiell fruchtbare Tage. An allen anderen Tagen in meinem ca. 32-Tage-Zyklus ist es biologisch nicht möglich, schwanger zu werden.

Wieso sollte ich also wegen maximal 8 Tagen in einem Zyklus über viele Jahre einen Fremdkörper in mir tragen? Für mich persönlich absolut unnötig. Ich bin schon so lange sehr happy mit der symptothermalen Methode (NFP) und werde deshalb auch dabei bleiben.

Das ist aber, wie gesagt, meine persönliche Meinung. Es gibt durchaus auch viele Frauen, die sich nicht auf NFP verlassen möchten oder sich dabei einfach nicht sicher fühlen. Jede Frau muss die für sie passende Form der Verhütung finden. Es gibt ja glücklichweise angefangen bei NFP, über Zykluskomputer wie Daysy und myWay bis hin zu Kondomen und Diaphragmen, mehr als genug Auswahl. Und wenn du zu den Frauen gehörst, die gerne eine Kupferspirale oder ähnliches bevorzugen, dann go for it. Jetzt weißt du ja, worauf du achten musst. 🙂

Über die Autorin dieses Artikels

Isabel ist Gründerin von Generation Pille und Autorin des Buches "ByeBye Pille". Ziel der Seite und jedem einzelnen Beitrag ist es, Frauen zu helfen, ihren Körper besser zu verstehen, Symptome zu deuten und sowohl körperliche als auch hormonelle Zusammenhänge zu begreifen. Der Fokus ihrer Beiträge liegt hierbei ganz klar auf den Themengebieten Frauengesundheit, Hormone, hormonelle Beschwerden und natürliche Verhütung. Fragen oder Anregungen kannst du gerne persönlich per Mail an isabel@generation-pille.com schicken.   

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