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Kondome gehören zu den wichtigsten Verhütungsmitteln, die uns zur Verfügung stehen. Bei richtiger Anwendung schützen sie uns nicht nur vor einer Schwangerschaft, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Leider sind Kondome aber bei weitem nicht so beliebt wie sie sein sollten, und das liegt meistens an der falschen Größe!

Das Kondom – El Classico. Seit einer Ewigkeit in allen erdenklichen Variationen auf dem Markt und trotzdem leider so oft verschmäht und/oder falsch angewendet. Kondome bestehen meist aus einer hauchdünnen und reißfesten Latexhaut, die der Mann vor dem Vergnügen über das steife Glied abrollt. Richtig angewendet ist es sehr sicher und außerdem (neben dem Femidom) das einzige Verhütungsmittel, welches vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt!

Das Kondom gibt es in unendlich vielen Varianten. Mit Noppen, in verschiedenen Farben, im Dunkeln leuchtend, in verschiedenen Geschmacksrichtungen und – was viel wichtiger ist! – in verschiedenen Größen!

Kondome sind heute fast wichtiger als je zuvor…

Natürlich waren Kondome schon immer wichtig, allein schon wegen dem Schutz vor Krankheiten. Der Punkt, auf den ich aber jetzt hinaus möchte, ist ein ganz anderer. In den letzten Jahren haben sich immer mehr Frauen gegen eine hormonelle Verhütung entschieden. Der Trend geht ganz klar weg von synthetischen Hormonen und hin zu natürlicher Verhütung! In der Schweiz gingen die Verschreibungen der Antibabypille zwischen 2012 und 2015 um knapp 7 Prozent zurück, bei drospirenonhaltigen Produkten betrug der Rückgang sogar ganze 56 Prozent. Versteht mich bitte nicht falsch, das freut mich natürlich unheimlich. Das Problem an der Sache ist, dass leider sehr viele keinen Plan B für ihre Empfängnisverhütung haben.

Viele gehen erstmal davon aus, dass sie die erste Zeit nach dem Absetzen sowieso noch nicht fruchtbar sind und setzen die erste Zeit auf „wir passen eben auf„. Fataler Fehler! Selbst Frauen, die sich für eine natürliche Variante wie NFP oder einen Zykluscomputer entscheiden, vergessen leider immer wieder, dass sie während der fruchtbaren Tage auch irgendwie verhüten müssen. Genau deshalb sind gerade jetzt Kondome und auch Diaphragmen so wichtig!

80% der Männer verwenden Kondome in der falschen Größe!

Leider greifen auch heute noch die meisten zur Einheitsgröße und liegen dabei oft falsch. Die richtige Größe des Kondoms ist neben der richtigen Anwendung der wichtigste Faktor bezüglich der Sicherheit. Ein zu kleines, zu großes oder falsch abgerolltes Kondom ist nicht sicher. Es reißt, verrutscht oder verschwindet. Dabei lässt sich die richtige Größe ganz leicht ermitteln!

Verwirrende Größenangaben

Ich weiß nicht genau, ob wir Frauen uns grundsätzlich mit den Größenangaben auf Kondomverpackungen beschäftigen. Wahrscheinlich nicht, denn eigentlich ist das ja auch eher Männersache. Allerdings haben wir es mit der Wahl der richtigen Größe  grundsätzlich auch nicht so, denn angeblich tragen 80% der Frauen die falsche BH-Größe. Kein Wunder also, dass Männer bei der Größe von Kondomen auch mal daneben greifen können.

Die Größenangaben sind aber auch wirklich sehr verwirrend. Mal abgesehen davon, dass es 1.000 verschiedene Hersteller, Geschmacksrichtungen, Beschichtungen und Bezeichnungen gibt, fehlen einfach einheitliche Größen. Nicht mal die „Standardgröße“ ist überall gleich. War früher das Standardmaß 52 mm, gibt es heute auch Kondome, die mit 53 oder 54 mm als Standardgröße bezeichnet werden.

Nominale Breite

Noch verwirrender finde ich aber die eigentlich wichtigste Größenangabe, nach der das Kondom im Idealfall ausgewählt werden sollte: die nominale Breite. Sie ist tatsächlich die Maßeinheit für Kondome. Allerdings weiß keiner so genau, was die Millimeterangaben von 47 – 69 mm eigentlich zu bedeuten haben. Genau deshalb wird so oft einfach zum Standard gegriffen oder auf gut Glück gekauft.

Bei der nominalen Breite handelt es sich nicht etwa um die Angabe des Durchmessers wie viele vermuten, sondern tatsächlich um die Breite des Kondoms, wenn man es flach hinlegt. Da man einen Penis aber schlecht flach hinlegen und messen kann, ist diese Größenangabe für viele Männer nicht wirklich hilfreich. Um trotzdem die richtige Kondomgröße zu bestimmen, gibt es eine hilfreiche Formel:

 

Penisumfang in Millimetern : 2 = nominale Größe (zumindest in etwa)

Mittlerweile gibt es aber glücklicherweise Unternehmen und Initiativen, die dieser anhaltenden Verwirrung ein Ende bereiten wollen. Beispielsweise hat ProFamilia eine „Initiative für mehr Verhütungssicherheit unter Jugendlichen mit Kondomen“ gestartet, bei der es um die einfachere Bestimmung der richtigen Kondomgröße geht.

Der Kondomhersteller MY.SIZE hat sich sogar auf genau die Lösung dieses allgegenwärtigen Problems spezialisiert. Die Kondome vom MY.SIZE gibt es in 7 verschiedenen Größen und statt Konfektionsgrößen von XS bis L auf die Verpackungen zu drucken, stehen die nominalen Breiten im Vordergrund.

Um auch noch das Problem der Bestimmung der richtigen Größe zu lösen, gibt es gleich zwei Messtools, um das richtige Kondom zu finden.

 

 

Ein spezielles Metermaß, dass nicht in Millimetern misst, sondern gleich in nominaler Breite!

Diese nützliche Erfindung kannst du dir auch ganz einfach bei MY.SIZE runterladen, ausdrucken und ausschneiden.

Der MY.SIZER! Eine Art Schieblehre zur Ermittlung der richtigen Größe.

Diesen findest du in diversen Onlineshops oder auch in ausgewählten Apotheken. Natürlich kannst du den MY.SIZER auch direkt bei MY.SIZE bestellen. Dazu findest du hier weitere Informationen.

Ratgeber

Ich habe zu dem Thema mal die Experten von MY.SIZE befragt!

Wieso verschiedene Größen?

„Ein schlecht sitzender Schuh kann einem den ganzen Tag verderben. Ein schlecht sitzendes Kondom auch! Männer sind nun mal verschieden und trotzdem gibt es Kondome häufig nur in einer Größe: Standard. Aber wer ist schon Standard? Ein Kondom zu tragen, das perfekt passt, mit dem der Kopf frei für das Wesentliche ist, ist der Traum vieler Männer und auch Frauen. Denn eines ist klar – den Spaß an der schönsten Sache der Welt soll ja kein Kondom verhüten.

Also aufgepasst:

Wenn sich das Kondom nur schwer abrollen lässt, ist das schon mal ein Indiz dafür, dass es wohl zu klein ist. Ist es zu weit, hat Mann ständig das Gefühl es könnte rutschen. Ein Kondom, das nicht richtig sitzt, hat somit auch negative Auswirkungen auf den Sex. Umhüllt die Latexschicht den Penis dagegen wie eine zweite Haut, steht einem genussvollen Sexerlebnis nichts mehr im Weg. Und davon profitieren dann schließlich auch schon zwei! Höchste Zeit also, dass Männer sich mehr mit dem Thema Kondomgröße befassen.

Übrigens: Die Länge des Kondoms spielt dabei keine Rolle. Viel wichtiger ist, wie breit es ist!

Das Kondom muss zum Mann passen, nicht der Mann zum Kondom. Ob es nun nach Erdbeere schmeckt, nach Vanille duftet, genoppt ist oder Rillen hat – so lange es nicht perfekt sitzt, bringt der ganze Schnickschnack herzlich wenig. Oder welcher Mann zieht gerne jeden Tag aufs Neue unbequeme Schuhe an?“

Was sind die Gefahren wenn „Mann“ die falsche Größe verwendet?

„Ein zu enges Gummi quetscht, ein zu großes rutscht ab. Beides ist nicht nur unsicher, sondern auch abturnend. Kein Wunder, dass ein erschreckend großer Teil auch schon mal auf Kondome verzichtet. Ein gefährlicher Trend. Das Kondom ist nach wie vor nicht nur eine sichere Verhütungsmethode, sondern auch der einzige Schutz vor HIV, Hepatitis B und anderen Krankheiten.

Risiko Nr. 1: Kondom zu eng

Dein Kondom ist zu eng, wenn Du Kraft aufwänden musst, um das aufgerollte Kondom über deine Eichel zu rollen. Wenn Du zudem das Gefühl hast, Deine Partnerin/Deinen Partner nicht richtig zu spüren, dann liegt das an der eingeschränkten Durchblutung Deines Penis über die falsche Kondomgröße.

Risiko Nr. 2: Kondom zu groß

Ein zu großes Kondom liegt nicht gut an, rutscht beim Sex an deinem Penis hin und her und bildet Falten. Du fühlst Dich nicht sicher und verlierst dieses Kondom möglicherweise sogar während des Sex in deiner Partnerin/deinem Partner. Sollte das Kondom trotzdem nicht abrutschen, kann aber durch das Hin- und Herrutschen bereits ausgetretener Samen über Deine Bewegungen beim Sex auf der Innenseite des Latex entlang gleiten und im Bereich vom Schaft deines Penis austreten.

Nahezu alle Kondompannen sind auf Anwendungsfehler zurückzuführen!

Die wenigen Zehntel Millimeter, die das Kondom dick ist, schränken Deine Empfindung nicht wesentlich ein, daran ist in der Regel ein zu schmales Kondom schuld! Wenn ein zu enges Kondom mit Kraft über die Eichel gezogen werden muss, kann das Dir und dem Kondom weh tun: Nahezu alle Kondompannen sind auf Anwendungsfehler zurückzuführen!“

…noch mehr Anwendungsfehler!

Die meisten Kondompannen passieren tatsächlich auf Grund der falschen Größe. Doch es gibt noch weitere Risikofaktoren, weil man bei der Anwendung vielleicht nicht alles beachtet. Die gängigsten Fehler möchte ich hier auch nicht unerwähnt lassen!

1. Ablaufdatum

Verwechselt Kondome nicht mit Nahrungsmitteln! Das Verfallsdatum auf der Packung eines Kondoms ist ernst zu nehmen! Während man bei Lebensmitteln von einem „Mindesthaltbarkeitsdatum“ spricht und man ruhig noch ein Auge zudrücken kann, sollte man bei Kondomen genau auf das Datum achten.

2. Beschädigte Kondome

Kondome, die in Hosentaschen, Geldbörsen oder auch irgendwo im Handschuhfach lange rumgelegen haben, müssen dringend vor der Verwendung kontrolliert werden. War es während der „Lagerung“ zu warm, zu kalt oder ist das Kondom vielleicht mit scharfen, kantigen Gegenständen in Berührung gekommen, kann es beschädigt sein! Auch dann ist es nicht sicher!

3. Die Verwendung von Öl

Gleitmittel, die auf Öl basieren, oder auch gängige Massageöle inkl. Babyöl oder Vaseline machen Latex porös! Die Folge: Die Kondome sind undicht, verhüten nicht mehr oder reißen komplett.

4. Falsches Abrollen

Wird das Hütchen (Reservoir) beim Abrollen nicht an der Spitze zusammengedrückt und festgehalten, bis das gesamte Kondom vollständig abgerollt ist, kann Luft eingeschlossen werden. Auch das führt dazu, dass es sehr schnell zu Pannen kommt.

5. Zwei Kondome übereinander

Der Irrglaube, dass zwei Kondome noch besser verhüten als „nur“ eins, hält sich leider immer noch hartnäckig. Ganz getreu dem Motto „Doppelt gemoppelt hält besser!“ gibt es mehr als genug Männer, die auf Nummer sicher gehen wollten und gleich zwei Präservative überziehen. Leider erreichen sie damit genau das Gegenteil! Zwei Kondome übereinander führen zu Reibung und schlussendlich dazu, dass sie schneller reißen. Bitte verwendet also nur eins und das bitte in der richteigen Größe!

Wie ihr seht, gibt es einiges zu beachten, um Kondome wirklich sicher zu verwenden. Würden sich alle daran halten, wäre der Pearl-Index von Kondomen bestimmt um einiges besser! Tut also mir und besonders euch bzw. euren Partnern den Gefallen und achtet in Zukunft sowohl auf die richtige Größe als auch auf die richtige Anwendung.

Über die Autorin dieses Artikels

Isabel ist Gründerin von Generation Pille und Autorin der Bücher "ByeBye Pille" und "Kleine Pille, große Folgen". Ziel der Seite und jedem einzelnen Beitrag ist es, Frauen zu helfen, ihren Körper besser zu verstehen, Symptome zu deuten und sowohl körperliche als auch hormonelle Zusammenhänge zu begreifen. Der Fokus ihrer Beiträge liegt hierbei ganz klar auf den Themengebieten Frauengesundheit, Hormone, hormonelle Beschwerden und natürliche Verhütung.
Instagram: @_isabelmorelli_
Kontakt: hello@generation-pille.com

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