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Verhütung mit Apps: verlässlich oder nicht? Eine Frage, die sich Frauen sehr häufig stellen. Verhütungs-Apps sind – richtig angewendet – eine hilfreiche Unterstützung bei der Symptothermalen Methode. Statt die Basaltemperatur, Veränderungen des Zervixschleims, Muttermundbeobachtungen und Störfaktoren auf Zyklusblättern zu notieren und selbst auszuwerten, werden diese in die jeweilige App eingetragen.

Mittlerweile gibt es von diesen Apps wirklich viele auf dem Markt, was die richtige Auswahl sehr schwer macht. Manche dieser Applikationen werten nach gängigen NFP-Regeln (Sensiplan©) aus, andere mit eigens dafür entwickeltem Algorithmus, und wiederum andere sind reine Zyklus-Tracking-Apps, die keinesfalls zur Verhütung geeignet sind. Des weiteren gibt es auch Unterschiede bei der Zertifizierung. Manche dieser Apps sind als Verhütungsmittel klassifiziert, andere nicht.

Vor der Wahl der richtigen App sollte man sich also dringend die Beschreibung durchlesen, um die Auswertmethode zu ermitteln!

Worauf solltest du achten?

  • In der App-Beschreibung im App-Store sollte die Auswertmethode ausgewiesen sein und welche Daten dafür zwingend notwendig sind!
  • Die App sollte sich mindestens an der Symptothermalen Methode orientieren.
  • Apps, die nur nach Temperatur oder Kalendertag auswerten, würde ich niemals nutzen (außer sie gehören zu einem Zykluscomputer).
  • Reine Zyklus-Tracker- oder Perioden-Kalender-Apps sind nicht für die Verhütung gedacht.
  • Mach dir bewusst, dass jede App nur so gut funktioniert, wie du deine Daten eingibst. Weißt du also nicht, wie du deinen Zervixschleim beurteilen oder wie du deine Temperatur messen musst, mach dich vorher schlau, sonst kommt es zu Eingabe- und somit zu Auswertungsfehlern.
  • Lies dir die Anleitung immer aufmerksam durch und achte auf Messzeit, Messzeitraum und Benennung bzw. Kürzel für die einzutragenden Symptome.

Wie wichtig ist es, dass die App als Verhütungsmittel zugelassen ist?

Meiner Meinung nach ist das gar nicht wichtig. Diese Zulassung sagt nichts über die Sicherheit, den Pearl-Index, die Benutzerfreundlichkeit oder die verwendete Methode aus. Sie ist lediglich ein Nachweis, dass die App rein technisch den Standards entspricht. Das gleiche gilt für den TÜV.

Entwirrung der App-Beschreibungen: regelkonform, Symptothermale Methode, NFP…?

Ich habe in den letzten Wochen etliche App-Beschreibungen gelesen und fand wirklich abenteuerliche Beschreibungen. Am Ende war also selbst ich teilweise verwirrt. Bei diesen ganzen Bezeichnungen geht es immer um die Art der Auswertung, also wie der Berechnungsalgorithmus der App programmiert ist. Steht bei einer App, sie wertet nach der Symptothermalen Methode aus, bedeutet das, dass sie mindestens drei Parameter von dir benötigt: deine morgendliche Basaltemperatur, deine Periode und deine Zervixschleimbeobachtung (oder Muttermundbeschaffenheit, je nach App). Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nach anerkannten Regeln wie z.B. NFP nach Sensiplan© auswertet, denn die Symptothermale Methode an sich hat keine festen Regeln! Meistens werten Apps, die diese Angaben gemacht haben, also nach eigenem Algorithmus aus.

Steht in einer App-Beschreibung, sie wertet regelkonform aus, stellt sich also die Frage, nach welchen Regeln sie das tut. Wenn das nicht klar erkennbar ist, wende dich am besten an den jeweiligen Support, um sicher zu gehen.

Es kann durchaus sein, dass eine App nach Sensiplan auswertet, es aber so nicht in der Beschreibung steht. Das hat markenrechtliche Gründe. Da NFP nach Sensiplan© eine eingetragene Marke ist, darf diesen Namen niemand, außer der Arbeitsgruppe NFP selbst, verwenden. Meist wirst du also nur “Auswertung nach NFP-Regelwerk” oder ähnliches lesen. Ob es tatsächlich die Sensiplan©-Regeln sind, seht ihr spätestens in der App. Da sind bei NFP-konformen Apps die Regeln, Kürzel und Begriffe meist noch mal erklärt.

WICHTIGER HINWEIS!

Natürliche Verhütung ist nur dann extrem sicher, wenn du die körperlichen Grundlagen und das Regelwerk verstanden hast! Keine App und kein Zykluscomputer auf dieser Welt kann dieses Basiswissen komplett ersetzen oder dir die Verantwortung abnehmen. Bevor du also startest, bereite dich vor. Du kannst das Standardwerk ""Natürlich & sicher" lesen, dich auf "myNFP" einlesen, eine Beratung bei den Kollegen von Sensiplan in Anspruch nehmen oder meinen neuen NFP-Onlinekurs machen.

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Empfohlene Apps im Vergleich

Ich habe mich lange Zeit durch alle verfügbaren Apps getestet und mir damit wirklich viel Arbeit gemacht. Ziel dabei war herauszufinden, welche Apps wirklich regelkonform sind und welche nicht. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, keine “negativen” Testberichte mehr online zu stellen oder gar vor Apps zu warnen. Stattdessen beschränke ich mich bei meiner Empfehlung einfach auf die zwei einzigen APPs, die nach wirklich langen Testphasen bestanden haben und tatsächlich nach den wissenschaftlich anerkannten Regeln arbeiten!

Getestet habe ich alle Apps zur natürlichen Verhütung, die es aktuell für iOS-Geräte gibt. Keine – außer den beiden nachfolgend aufgeführten Apps – sind regelkonform! Es gibt Stand heute (Februar 2020) keine App, die von mir nicht getestet wurde.

Genauere Infos findest du in der jeweiligen Beschreibung. Alle Angaben beziehen sich auf die Anwendung mit dem iPhone.

Apps wie Clue, Cycles oder sonstige Menstruations- und Zykluskalender sind nicht zu Verhütungszwecken geeignet und deshalb hier nicht aufgeführt!

Verhütung mit Apps: Welche geeignet sind und worauf du achten musst! 1

Ovy

Die Ovy-App ist seit Anfang 2017 auf dem Markt. Seitdem hat sich sehr viel getan. Gestartet ist Ovy nämlich mit einem eigenen Algorithmus. Dieser orientierte sich zwar an den wichtigsten NFP-Regeln, war aber nicht komplett regelkonform. Mittlerweile ist bei der Ovy-App alles neu! Seit dem Update im September 2017 ist die App nun komplett NFP-tauglich, und seit Anfang 2019 sind auch alle Ansichten, Temperaturkurven und die Fruchtbarkeitsanzeige zu 100 % regelkonform. Das werden auch alle sofort bemerkt haben, die die Ovy-App von Beginn an nutzen.

Wie kann ich Ovy NFP-regelkonform nutzen?

Die Ovy-App richtet sich nicht nur an Frauen, die NFP nach Regelwerk nutzen möchten, sondern auch an alle diejenigen, die ihren Zyklus ohne Verhütungszweck nur beobachten wollen oder einen Kinderwunsch haben. Deshalb gibt es drei Modi (Körper kennenlernen, Kinderwunsch und Empfängnisregelung (NFP)), zwischen denen gewählt werden kann. Um die App also regelkonform zu nutzen, muss der Modus “Empfängnisregelung (NFP)” im Profil ausgewählt werden.

Um aber NFP-Newbies trotz der Änderungen den Einstieg zu erleichtern, gibt es neben jeder Eingabemöglichkeit einen Info-Button. Dort können alle wichtigen Informationen abgerufen und immer nachgelesen werden.

Das Gadget, welches Ovy zusätzlich von anderen deutschen Apps abhebt, ist die Kombination aus App und Bluetooth-Thermometer.  Mit dem Bluetooth-Thermometer kann man seine Basaltemperatur direkt und kabellos an die App senden. Alle Vorteile dieses großartigen Thermometers kannst du hier nachlesen.

Fazit

Ich persönlich mochte Ovy von Beginn an. Nach den letzten Updates und Entwicklungen hat sich meine Begeisterung eigentlich nur noch weiter gesteigert. Jetzt, wo Ovy komplett regelkonform ist, gehört es definitiv zu meinen großen Favoriten! Hut ab vor den beiden Ladies, die es geschafft haben, die App in so kurzer Zeit so weit zu bringen!

Auswertung: Symptothermale Methode – NFP nach Sensiplan©
Temperatur runden: macht Ovy automatisch
Kosten: kostenlos
Export der Zyklen: ja
Wecker/Reminder: ja
Selbst getestet: ja

MyNFP App

myNFP Mobile

Die myNFP Mobile-App gehört zum gleichnamigen Portal zur Verwaltung und Auswertung von Zyklen mit der Symptothermalen Methode. Wie der Name schon verrät, werten sowohl Portal als auch App nach NFP (Sensipan©) Regeln aus. Um diese App verwenden zu können, sollte man sich mit NFP und dem Regelwerk allerdings gut auskennen. Die Begriffe, die Kürzel, wann eine Messung ausgeklammert werden sollte sowie Zervixschleim- und Muttermundauswertungen sollte man beherrschen, da sie in der App nicht mehr ausführlich erklärt werden. Dort gibt es eine kurze Anleitung zu den Begriffen und der Anwendung. Allerdings ist das schon sehr kurz gefasst und sollte schon richtig erlernt werden, um keine Anwendungsfehler zu riskieren. Sagen dir die Kürzel t, ∅, f, S, (S), S+ und (S+) nichts, solltest du dich vor der Verwendung der App erst einlesen. Das kannst du mit dem Buch “Natürlich & Sicher” oder auf dem Portal von myNFP.

Die Qual der Wahl

Du kannst dich vor Anwendung der App entscheiden, ob du lieber mit der Kombination Temperatur/Zervixschleim oder Temperatur/Muttermundbeobachtung auswerten möchtest. Eine Kombination aus allen drei Parametern gibt es nicht. Wenn du dich also für Zervixschleimbeobachtung entschieden hast und trotzdem deine Muttermund-Daten einträgst, werden diese nicht in die Auswertung miteinbezogen. Sie dienen dann nur als Notiz für dich. Des weiteren kannst du dich auch entscheiden, ob du lieber selbst auswerten möchtest oder ob die App deinen Zyklus auswerten soll. Das ist sehr praktisch für all diejenigen, die ihre Auswertung keinem Computer überlassen möchten, sondern lieber selbst in die Hand nehmen. myNFP ist sehr minimalistisch. Es gibt also nur die nötigen Grundfunktionen, um die fruchtbaren Tage auszuwerten und keine Features wie  eine Weckfunktion oder ähnliches.

Fazit

Diese App ist vom Design und den Features her vielleicht nicht ganz so “ansprechend” wie andere auf dem Markt, funktioniert aber einwandfrei und wertet zuverlässig aus. Und das ist ja auch die Hauptsache. Wer also klassisch NFP nach Sensiplan© machen möchte und einen Ort sucht, um seine Daten einzutragen, statt sie auf Zyklusblätter zu schreiben, ist mit der App definitiv gut bedient. Was mir ein bisschen fehlt, ist die Kalenderansicht. In der App kannst du nur deinen Graph oder eine Liste all deiner Zyklen sehen. Wie schon gesagt, sie beschränkt sich eben auf das Wesentliche.

Auswertung: NFP-Regelwerk (AG NFP, also nach Sensiplan©)
Temperatur runden: macht myNFP automatisch
Kosten: 30 Tage kostenlos, danach 9,99€ für 3 Monate oder 29,99€ für 1 Jahr
Export der Zyklen: ja, per Mail als PDF
Wecker/Reminder: nein
Selbst getestet: ja (die alte Version)

Hinweis: myNFP Mobile ist die neue Version der alten myNFP App. Mit dieser Neuerung änderten sich auch die Zahlungsmöglichkeiten. Die alte Version der myNFP-App wird offline noch weiterhin funktionieren, aber nicht weiter upgedatet.

Kindara App Bild

Kindara

Kindara ist eine amerikanische App, die auch nur in englischer Sprache funktioniert. Amerikanische App = amerikanische Methode. Kindara benutzt die landestypische Methode der natürlichen Familienplanung, nämlich TCOYF (Taking Care Of Your Fertility). Das bedeutet, dass natürlich auch die Schleimauswertung nach dem amerikanischen System funktioniert. Es gibt also nur vier Schleimzustände (sticky, creamy, watery und eggwhite). Diese App unterscheidet sich von allen anderen bisher vorgestellten Apps nicht nur durch die amerikanische Methodik, sondern auch, weil sie nicht automatisch auswertet!

***Kleiner Tipp:

Stellt man die Voreinstellungen auf “Get Pregnant”, dann wertet Kindara den Eisprung aus und zeigt ihn dir mit Sternchen im Graph an. Je näher du dem Eisprung kommst, desto deutlicher wird das Sternchen. Diese Einstellung dient aber – wie der Name schon sagt – nur der geplanten Schwangerschaft und ist somit keine verlässliche Angabe zu Verhütungszwecken.

Was Kindara aber einigen Apps voraus hat und ich bisher bei keiner anderen App gesehen habe, ist die Funktion, in den Einstellungen “Custom Data” anzulegen. Man kann also eigene Symptome eintragen, die dann für den kommenden Zyklus oder auch mehrere in der täglichen Eingabe abgefragt werden. Gerade wenn man seinen Zyklus nach dem Absetzen hormoneller Verhütungsmittel erst mal nur beobachten will, um Veränderungen festzustellen, ist das großartig! So kann man beispielsweise Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit etc. oder auch Medikamente eintragen. Diese werden dann jeden Tag abgefragt, so dass man nur noch ein Kreuzchen setzen muss, um es zu bestätigen. Diese Eingaben sieht man dann auch in dem jeweiligen Graph. Auch wenn andere Apps die Möglichkeit bieten, persönliche Notizen zu machen, ist das nochmal eine ganze Ecke übersichtlicher.

Bluetooth-Thermometer

Im letzten Jahr hat Kindara ein Bluetooth-Thermometer namens Wink auf den Markt gebracht. Da die Firma aber ihren Sitz in den Staaten hat, ist es nicht ganz so einfach, es nach Deutschland zu bekommen. Bei mir hat es gar nicht geklappt. Ungefähr 4 Monate habe ich darauf gewartet und etliche Mails mit den Herstellern ausgetauscht. Am Ende kam es nie an und ich bekam nach einigen Diskussionen mein Geld zurück. Ich habe die App lange genutzt, allein schon wegen der tollen “Custom-Data”-Einstellungen, war dann aber doch so enttäuscht über die Thermometer-Problematik, dass ich lieber nach deutschen Alternativen gesucht habe.

Fazit

Kindara ist eine sehr schöne, übersichtliche App, allerdings nach amerikanischem TCOYF-Model und allein aus diesem Grund für einige NFPler vielleicht nicht unbedingt die erste Wahl. Zudem muss klar sein: Die App wertet nicht aus! Kennt man sich also nicht mit den Regeln aus, sollte man davon dringend die Finger lassen! Zum Zyklus-Tracken und Symptome-Eintragen ist diese App aber genial. Ob man versuchen möchte, das Bluetooth-Thermometer aus den USA zu bestellen, ist natürlich jedem selbst überlassen. Kindara funktioniert auch mit einem normalen Basalthermometer.

Auswertung: keine automatische Auswertung, Begriffe nach TCOYF
Temperatur runden: nicht automatisch
Kosten: kostenlos
Vorkenntnisse: zwingend notwendig
Export der Zyklen: ja
Wecker/Reminder: ja
Selbst getestet: ja

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Über die Autorin dieses Artikels

Isabel ist Gründerin von Generation Pille und Autorin der Bücher "ByeBye Pille" und "Kleine Pille, große Folgen". Ziel der Seite und jedem einzelnen Beitrag ist es, Frauen zu helfen, ihren Körper besser zu verstehen, Symptome zu deuten und sowohl körperliche als auch hormonelle Zusammenhänge zu begreifen. Der Fokus ihrer Beiträge liegt hierbei ganz klar auf den Themengebieten Frauengesundheit, Hormone, hormonelle Beschwerden und natürliche Verhütung.