Der Mönchspfeffer bzw. Agnus Castus ist gerade bei den Frauen ein großes Thema, die gerade irgendeine Form der hormonellen Verhütung abgesetzt haben. Auch bei Mädels, die unabhängig von Post-Pill-Problemen an Zyklusunregelmäßigkeiten leiden, ist diese Heilpflanze hoch im Kurs. Ist Mönchspfeffer tatsächlich die eine Wunderpflanze für die Frauengesundheit, die wie durch Zauberhand alle Zyklusbeschwerden verschwinden lässt?

 

Meine persönliche Antwort auf diese Frage: Nein!

Ich finde es sogar sehr gefährlich, dass Agnus Castus mittlerweile den Ruf genießt, die Wunderpille nach der Pille zu sein. Die Pflanze, die alles kann. Egal ob Menstruationsschmerzen, PMS, ausbleibende Periode, unregelmäßige Zyklen oder erhöhte männliche Hormone, Mönchspfeffer scheint die erste Wahl für viele zu sein.

Warum gefährlich? Zum einen, weil Mönchspfeffer – wie die liebe Andrea Mohr gleich noch erklären wird – von seinem Wirkspektrum her gar nicht für all diese Bereiche geeignet und manchmal sogar kontraproduktiv ist. Zum anderen, weil auch hier wieder ohne Beachtung aller Ursachen eines Beschwerdebilds auf ein Mittel gesetzt wird!

Also nein, Mönchspfeffer ist keine Wunderpflanze, die nach dem Absetzen der Pille alles richten wird. Agnus Castus reguliert nicht bei jeder Frau den Zyklus und unterstützt auch nicht per se den Körper nach dem Absetzen der Pille. Versteht mich bitte nicht falsch. Ich halte Mönchspfeffer für eine tolle Heilpflanze, aber eben nur, wenn die Ursachen der Beschwerden im Wirkspektrum liegen, also die Indikation passt.

Wie genau Mönchspfeffer wirkt, für welche Beschwerden diese Pflanze gedacht ist und wann man lieber darauf verzichten sollte, erklärt jetzt aber meine liebe Freundin, Heilpraktikerin und Frauenheilkunde-Expertin Andrea Mohr noch einmal im Detail.

Über die Autorin dieses Artikels

Isabel ist Gründerin von Generation Pille und Autorin der Bücher "ByeBye Pille" und "Kleine Pille, große Folgen". Ziel der Seite und jedem einzelnen Beitrag ist es, Frauen zu helfen, ihren Körper besser zu verstehen, Symptome zu deuten und sowohl körperliche als auch hormonelle Zusammenhänge zu begreifen. Der Fokus ihrer Beiträge liegt hierbei ganz klar auf den Themengebieten Frauengesundheit, Hormone, hormonelle Beschwerden und natürliche Verhütung.
Instagram: @_isabelmorelli_
Kontakt: hello@generation-pille.com

Viele meiner Patientinnen haben schon Erfahrungen mit Agnus castus gemacht, weil es scheinbar „die“ pflanzliche Alternative bei hormonellen Störungen ist, die die Schulmedizin kennt. Eine für alle? Das wird ihr nicht gerecht, denn so individuell wie jede Frau ist, so individuell ist auch jede Pflanze. Dieser Blogbeitrag soll helfen, die Pflanze und deren Wirkspektrum besser zu verstehen, um sie gezielter einsetzen zu können.

 

In der Naturheilkunde hat man sich die Eigenschaften der Pflanzen schon früh zu nutze gemacht, und zwar durch Beobachtung der sogenannten Signaturen (Standort, Blütenfarbe, Aussehen der Blätter, Wuchsart etc.).

 

Der Fingerabdruck des Agnus castus

Die Blätter sind fingerförmige, lanzettenartig, ihre Blüten blau, beides ordnet sie eindeutig dem Planeten Merkur zu, der im Körper über die Hormondrüsen regiert.
Die scharf schmeckenden Früchte, einst als Pfefferersatz gebraucht, zeigt Marskraft im Mönchspfeffer. Auffällig ist die streng rhythmische Anordnung der Blüten und später der Früchte, die im Bezug zu zyklischen Prozesse, wie die Menstruationsblutung stehen. Dazu kommt noch die Vorliebe nach einem feuchten Wuchsort. Alles Hinweise auf ein mondbezogenes Wirken und Fruchtbarkeit.

Vom Namen her gesehen wird ja auch schon einiges deutlich:

Mönchspfeffer oder auch Keuschlamm wird der Agnus castus noch genannt. Seit der Antike eine Symbolpflanze der Enthaltsamkeit. Jahrhundertelang bereiteten sich die Frauen und vor allem Priesterinnen, die ihre Keuschheit bewahren wollten, aus den aromatisch duftenden Blättern ein Lager. Im Mittelalter aßen Nonnen und Mönche die scharf schmeckenden Früchte als Pfefferersatz, um damit ihre Lust zu dämpfen. Übrigens die Blätter verströmen einen dumpfen, fast betäubenden Geruch.

Die Wirkweise des Agnus castus

1.) Er wirkt Prolaktin-senkend auf die Hypophyse
2.) Progesteron-artig, eher ausgleichend auf die Ovarien.
Er stellt ein relatives Gleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron zugunsten des Gelbkörperhormons her. Wichtig: über Mönchspfeffer bekommen wir kein Progesteron zugeführt – Hormone zuführen kann keine Pflanze!

Special Topic Prolaktin

Was ist Prolaktin eigentlich?

Einfach zu merken: Prolaktin ist das „3S“-Hormon = Schwangerschafts-/Still-/Stress

Prolaktin wird im Vorderlappen der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) gebildet. Die Ausschüttung des Hormons wird von verschiedenen anderen Hormonen beeinflusst. Östrogen beispielsweise fördert die Ausschüttung (erhöht also den Prolaktinspiegel), Dopamin hemmt sie (senkt somit den Prolaktinspiegel).

 

Seine (positiven) Funktionen:
  • regt das Wachstum der Brustdrüse während der Schwangerschaft an
  • ist verantwortlich für die Milchsekretion während der Stillzeit => Interessanter Zusammenhang: In dieser Zeit wird auch der Eisprung unterdrückt (vgl. Post-Pill-Amenorrhoe)
  • zeigt Auswirkungen auf die Psyche, denn es trägt dazu bei, dass Menschen und auch Tiere sich hingebungsvoll um ihren Nachwuchs kümmern
Die Folgen eines dauerhaft zu hohen Prolaktinspiegels (außerhalb der Schwangerschaft und Stillzeit) sind möglicherweise:
  • Ausbleiben des Eisprungs
  • (und damit einhergehend) unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation (auch wichtig beim unerfüllten Kinderwunsch)
  • Endometriose
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Dopaminmangel
  • psychische Erkrankungen

Wann ist der Wert zu hoch (kommt häufiger vor als zu niedrig)? 

  • Stress (der Verursacher Nummer 1 in meiner Praxis)
  • Schwangerschaft und Stillzeit (das ist dann so gewünscht)
  • Begleitet möglicherweise

Das Anwendungsspektrum von Agnus castus in meiner Praxis

  • Zyklusstörungen
  • Prämenstruelle Beschwerden (z.B. bei leichtem Brustspannen, Kopfschmerzen, verschlechtertem Hautbild und Stimmungsschwankungen)
  • Gelbkörperschwäche

Bei allen drei Beispielen wird Agnus Castus nur dann eingesetzt, wenn die den Beschwerden zugrundeliegende Ursache ein erhöhter Prolaktinspiegel ist. Wenn die genannten PMS-Symptome eine andere Ursache wie beispielweise Vitalstoffmängel haben, ist Mönchpfeffer keine hilfreiche Option. Gleiches gilt für Zyklusstörungen aller Art wie auch für die Gelbkörperschwäche, die viele Ursachen haben kann.

 

Hier wirkt Agnus Castus nur begleitend:

  • PCOS
  • Post-Pill (Amenorrhoe)
  • Menstruationsschmerzen

Bei einem Syndrom der Polyzystischen Ovarien ist der Zyklus zwar auch verlängert, aber hier steht eine Erhöhung der männlichen Geschlechtshormone im Vordergrund. Das Prolaktin befindet sich meistens im Normalbereich.

Auch bei einer Post-Pill-Amenorrhoe, also dem Ausbleiben der Menstruation nach der Pille, ist der Mönchspfeffer nicht die Patentlösung für alle Probleme. Er kann zwar unterstützend auf die Balance der weiblichen Hormone wirken, die Behandlung von PCO und Post-Pill benötigt aber weit aus mehr! Umfassende Diagnostik ist hier wesentlicher Bestandteil.

 

Auf die richtige Dosierung kommt es an

Der aus den Früchten hergestellte Trockenextrakt wirkt am Besten (Fertigpräparate – Kapseln oder Tinkturen). Reine Tees aus Mönchspfeffer setze ich selten ein. Extrakte haben den Vorteil, dass bei der Herstellung alle Wirkstoffe in ausreichender Menge in die entsprechenden Präparate übergehen, auch die unlöslichen oder schwer löslichen, was bei Tee nicht der Fall ist.

Je nach Beschwerdebild und begleitenden Therapien ist die Dosierung von Mönchspfeffer komplett verschieden. Nicht nur die Darreichungsform kann sich je nach Symptom unterscheiden, sondern auch die Dosierungsempfehlungen, die von homöopathischen Dosen über wenige Milligramm bis hin zu einigen Gramm pro Tag reichen.

 

 Auch in der allgemeinen Anwendung gibt es Unterschiede

Je nach Beschwerdebild und individuellem Fall wird die Einnahme des Mönchspfeffers eventuell den kompletten Zyklus empfohlen (die Dosierungen ändern sich gemäß den verschiedenen Zyklusphasen) oder er wird sogar nur zu bestimmten Tagen verordnet. Die einzige Gemeinsamkeit bei den unendlichen Anwendungsformen ist die Mindesteinnahmedauer von drei Monaten bzw. Zyklen. Alle Behandlungen, die einen Einfluss auf die Hormone und den Zyklus haben, brauchen mindestens drei Zyklen, um ihre volle Wirkung zu zeigen.

 

Wenn man es selbst probieren will…

In den meisten Beipackzetteln steht „Zur Behandlung von Rhythmusstörungen der Regelblutung (Regeltempoanomalien), Spannungs- und Schwellungsgefühl in den Brüsten (Mastodynie), monatlich wiederkehrende Beschwerden vor Eintritt der Regelblutung (prämenstruelle Beschwerden)“.

Hier kann Agnus Castus auch eigenständig angewendet werden. Je schwerer das Krankheitsbild, desto eher sollte ein Arzt oder Heilpraktiker hinzugezogen werden (PCOS, Amenorrhoe, Endometriose, schwere PMS etc.).

Gib der Pflanze eine Chance, ihre Wirksamkeit zu entfalten. Das tut sie in der Regel nach ca. 3 Monaten resp. 3 Monatszyklen unter einer standardisierten Menge von 4 mg Trockenextrakt täglich. Andere Dosierungen sollten mit einem Arzt oder Heilpraktiker abgestimmt werden.

 

 Falsche Anwendung und Konsequenzen

Wird Agnus Castus ohne die richtige Indikation verwendet, falsch dosiert oder nicht vertragen, kann es zu unerwünschten Beschwerden kommen. Die häufigsten „Nebenwirkungen“ sind unter anderem die Verlängerung des Zyklus, das Ausbleiben der Menstruation, Libidoverlust oder auch Reizbarkeit.

Über die Gastautorin

Andrea Mohr ist Heilpraktikerin. Sie ist spezialisiert auf ganzheitliche Frauenheilkunde. In ihrer Praxis in Kronberg bei Frankfurt behandelt sie Frauen mit hormonellen Beschwerden aus ganz Deutschland. Auf ihrem Blog versucht sie, viele gesundheitliche Informationen mit der Frauenwelt zu teilen. Ihr Motto: "Frauen sollten ihre eigene Gesundheitsexpertin werden!".