Das Polyzystische Ovarial-Syndrom ist eine der häufigsten Hormonstörungen bei Frauen in gebärfähigem Alter – mindestens 10% der Frauen seien betroffen. Erhält man die Diagnose, fühlt man sich oft allein gelassen. Besonders, wenn selbst der Frauenarzt sagt: „Sie dürften eigentlich gar kein PCOS haben. Sie entsprechen nicht dem Typ Frau, der so etwas hat“ oder dieser pauschal in den Raum wirft, dass man entweder „einfach nur abnehmen“ oder „Low Carb“ essen soll.

 

Leider ist es noch nicht weit verbreitet, dass es in der Tat mehrere Arten von PCOS zu geben scheint. Dabei kann das Wissen um die Art des PCO-Syndroms von entscheidender Bedeutung sein, da sich (nicht-schulmedizinische) Maßnahmen durchaus stark unterscheiden können. Nicht für jede Frau ist es ratsam, abzunehmen oder Low Carb zu essen. Lebensstilveränderungen, die nicht auf den jeweiligen PCOS-Typ angepasst sind, können PCOS-Symptome sogar verschlimmern. Aus diesem Grund möchte ich heute auf die verschiedenen PCOS-Typen eingehen.

Das klassische PCOS mit Insulinresistenz

Das ist der Typ des PCO-Syndroms, welcher vielen Ärzten bekannt und vermutlich am meisten untersucht ist. Kein Wunder, denn es soll ungefähr 70 % der PCOS-Patientinnen betreffen (Quelle: All Woman With PCOS Should Be Treated For Insulin Resistance). In diesem Fall scheint das PCOS eng an das metabolische Syndrom gekoppelt zu sein. Das bedeutet, das oft eine Störung des Zuckerstoffwechsels (Insulinresistenz) sowie des Fettstoffwechsels vorliegt, was Übergewicht begünstigt. Erhöhte männliche Hormone können eine der vielen Folgen des metabolischen Syndroms sein.

Hinweis: Bei der Diagnose des PCOS sollte immer eine Untersuchung des Blutzucker-Insulin-Stoffwechsels erfolgen! Der HOMA-Index gibt ein erstes Indiz, bedeutet aber bei Unauffälligkeit nicht, dass nicht doch eine Insulinresistenz vorliegen könnte. Zur Sicherheit wird ein oraler Glukose-Toleranz-Test über zwei Stunden empfohlen.

 

Wie kann eine Insulinresistenz zu PCOS führen?

Bei Speisen mit Kohlenhydraten werden diese in Zuckermoleküle aufgebrochen und gelangen in den Blutkreislauf. Um die Glukose in die Zellen zu transportieren, benötigt der Körper das Hormon Insulin und schüttet bei erhöhtem Blutzucker dieses Hormon aus. Bei einer Insulinresistenz erkennen die Körperzellen Insulin nicht mehr richtig an. Der Blutzucker bleibt erhöht, Insulin verbleibt ebenfalls im Blut und wird eventuell sogar noch nachproduziert, was den Insulinspiegel weiter ansteigen lässt. Das Hormon Insulin kann in Massen jedoch die Thekazellen in den Eierstöcken dazu anregen, vermehrt Testosteron zu produzieren. Das PCO-Syndrom ist die Folge.

 

Was kannst Du machen?

Bei einer Insulinresistenz und somit dem metabolischen Syndrom ist es wichtig, genau dieses zu adressieren, möchte man eine Verbesserung der PCOS-Symptome erreichen. Eine Reduktion von Zucker ist erforderlich. Kohlenhydrate sollten vor allem von stärkehaltigem Gemüse kommen und in Maßen konsumiert werden. Die Kräftigung der Muskeln kann einer Insulinresistenz gegensteuern. Als Nahrungsergänzungsmittel haben sich Inositol oder Berberin sowie Magnesium bewährt.

Post-Pill-PCOS (PCOS aufgrund der Antibabypille)

Eine Verwirrung des Körpers nach der Pille kommt häufiger vor als man denkt, und viele Fehldiagnosen finden an diesem Punkt statt. Im Grunde genommen liegt hier auch gar kein PCOS vor, sondern könnte eher als vorübergehender Zustand nach der Pille bezeichnet werden. Gerade, wenn Du vor der Pilleneinnahme keine Probleme mit den Androgenen hattest und dein Zyklus regelmäßig war, könnte diese Variante wahrscheinlich sein. Oft ist keine Insulinresistenz vorhanden, obwohl auch diese durch die Pille begünstigt werden kann.

 

Wie kann die Pille zu PCOS führen?

Ganz einfach: Die Pille nimmt dem Körper Arbeit ab. Der Körper hat unter anderem über Jahre keine eigenen Geschlechtshormone herstellen müssen. Je nachdem, wie lange Du die Pille genommen hast, wie früh mit der Einnahme begonnen wurde und wie hoch die Dosierung der Hormonersatzstoffe in der Pille war, können die Hormone erstmal aus den Fugen geraten. Der Körper muss sich neu ordnen und lernen, die Hormone wieder selbst und in entsprechender Menge zu produzieren. Nicht selten schießt er dabei über das Ziel hinaus, besonders in der Produktion von Androgenen. Geduld von 3 bis 12 Monaten wird benötigt. Manchmal kann es aber auch länger dauern, bis der Körper sich eingependelt hat. Das sollte aber in der Regel von allein passieren.

 

Wie kannst Du Deinen Körper unterstützen?

Iss schon vor (und besonders nach) dem Absetzen der Pille viel Gemüse und vollwertige Lebensmittel. Fertigprodukte sollten stark in den Hintergrund rücken, wenn nicht so sogar vermieden werden. Setze auf Bitterstoffe und Kohlsorten wie Brokkoli, Blumenkohl oder Rucola. Sie unterstützten die Leber bei der Entgiftung. Eine Unterstützung mit Kurkuma und Mariendistel kann ebenfalls Sinn machen. Auch Vitalstoffe wie z. B. Zink sollten überprüft werden und ggf. aufgefüllt werden. Wenn sich nach drei bis sechs Monaten noch keine Periode eingestellt hat, könnte die Hilfe eines Heilpraktikers Erfolge bringen. Mehr kannst Du im Artikel hier nachlesen: Der PCOS-Irrtum

PCOS durch chronische/stille Entzündung

Theoretisch kommt es bei fast allen PCOS-Patientinnen zu stillen Entzündungen. Chronische Entzündungen sind eines der Hauptmerkmale von PCOS. Bei einigen kann es jedoch der vorrangige Auslöser sein. Chronische Entzündungsprozesse sind nicht immer unbedingt messbar, werden aber durch Stress, Leaky Gut, eine Dysbiose im Darm, Lebensmittelunverträglichkeiten und/oder Umweltgifte (z. B. Pestizide, Plastik oder schädliche Stoffe in Kosmetika) begünstigt.

 

Wie können stille Entzündungen zu PCOS führen?

Entzündungsprozesse können – laut der Heilpraktikerin Lara Briden – die Hormonrezeptoren in den Eierstöcken stören und diese anregen, mehr Androgene zu produzieren. Neben PCOS treten meist noch andere Symptome auf:

  • ständig auftretende Infekte
  • Hautprobleme
  • Verdauungsbeschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Vitamin-D-Mangel
  • Hashimoto Thyreoiditis
  • Lebensmittelunverträglichkeiten

 

Was kannst Du machen?

Stille Entzündungen können viele Ursachen haben. Eine häufige ist eine geschädigte Darmflora und ggf. ein Leaky Gut. In diesem Fall ist es wichtig, mit einem erfahrenden Heilpraktiker zusammenzuarbeiten und die Lebensmittel zu identifizieren, die kurzfristig zu einer Verschlimmerung der Symptome führen. Hier macht es häufig Sinn, auf Milchprodukte und Gluten zu verzichten. Aber auch noch andere Lebensmittelunverträglichkeiten sind denkbar.

Noch relativ unbekannt, aber durchaus häufig vorkommend, ist eine Histaminintoleranz, die Entzündungsprozesse anfacht. Diese sollte unter Umständen adressiert werden. Sinnvolle Nahrungsergänzungsmittel können Zink und Magnesium sein, da sie im Körper anti-entzündlich wirken. Plastik und konventionelle Kosmetik sollte gemieden werden.

Das Nebennieren-induzierte PCOS

Die männlichen Geschlechtshormone werden nicht nur in den Reproduktionsorganen gebildet, sondern signifikant auch in den Nebennieren.

Die meisten Frauen mit PCOS weisen erhöhte Werte für Testosteron, Androstendion und DHEAS auf. Gehörst Du allerdings zu den Frauen, die nur erhöhte DHEAS-Werte haben, dann ist es wahrscheinlich, dass Du zum Typ des Nebennieren-induzierten PCOS gehörst, da dies das einzige Androgen ist, welches zu 100 % in den Nebennieren produziert wird.

 

Wie kann das Nebennieren-induzierte PCOS entstehen?

Diese Form von PCOS kommt hauptsächlich durch Stress. Bei Stress wird in der Hypophyse das Hormon ACTH freigesetzt, welches der Nebenniere (unserer Stressdrüse) signalisieren soll, Stresshormone (z. B. Cortisol) auszuschütten. Aber neben der Ausschüttung von Cortisol kann es auch dazu führen, dass vermehrt männliche Hormone ausgeschüttet werden, da Steroidhormone über den selben Syntheseweg hergestellt werden. Je nachdem, wie bestimmte Enzyme im Individuum eingestellt sind (z. B. genetisch bedingt oder durch Vitalstoffmängel beeinflusst {Annahme der Autorin}), kann dann gerne auch mal der Syntheseweg der Androgene verstärkt aktiviert werden.

 

Was kannst Du machen?

Eine Stressreduktion und besseres Stressmanagement sind hier die Schlüsselwörter. Besonders die tägliche Meditation und sanfte Yoga-Arten können dem Körper helfen, sich zu erholen und zu entspannen. Intensive Sporteinheiten sollten heruntergeschraubt werden. In der Regel gilt, dass Stress auf verschiedenen Ebenen entstehen kann. Der Verzicht auf Kohlenhydrate ist hier eher kontraproduktiv und kann enormen Stress auf den Körper ausüben.

Wie Du Stress mit Deiner Ernährung reduzierst, erfährst Du in meinem eBook „Dein PCOS- Ernährungsguide“. Spare mit dem Code GENPILLE10 10 % auf Deinen Ernährungsratgeber bei PCOS.

Stress entsteht aber auch durch emotionale und mentale Traumata, ob groß oder klein. Unterbewusste Glaubenssätze und blockierte Emotionen spielen eine große Rolle und es lohnt sich diese Blockaden zu lösen, z.B. durch den Emotion Code.

Als Nahrungsergänzung hat sich Magnesium bewährt, weil es bei Stress vermehrt ausgeschieden wird. Auch ein gutes Vitamin-B Komplex könnte Sinn machen und helfen bei Stress standhafter zu bleiben.

Über die Gastautorin

Julia Schultz ist Hormon-Coach und spezialisiert auf die Hormonstörung Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS). Sie litt selbst unter PCOS, hat ihre Hormone aber mittlerweile natürlich in Balance bringen können. Nun gibt sie ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihre Tools auf ihrem Blog, Instagram und im Podcast an andere junge Frauen weiter, die ebenfalls ihre Hormone natürlich ins Gleichgewicht bringen wollen. Es ist ihr Anliegen, Frauen dazu zu motivieren, ihr Leben und Ihre Gesundheit in die eigenen Hände zu nehmen.