Einziger Ausweg Pille? Leider wird die Antibabypille bei vielen Krankheitsbildern als favorisierte Behandlungsmöglichkeit angepriesen. An unangefochtener Spitze: PCOS.

Die meisten Patientinnen sind nach der gestellten Diagnose erst mal schockiert und verängstigt. Verständlich, denn googelt man nach PCOS, liest man erst mal eine Menge Horrorszenarien. Übergewicht, Haarausfall, Vermännlichung, Diabetes, Unfruchtbarkeit! Mit dieser Angst sitzt man dann beim Gynäkologen seines Vertrauens in der Hoffnung auf Hilfe und lässt sich beraten. Meistens kommt dann auch schon die Ernüchterung: Die vorherrschende Behandlungsmethode bei PCOS ist die Pille. Aber was tun, wenn ich diese gar nicht nehmen möchte? Gibt es keine Alternativen?

Das Polyzystische Ovar-Syndrom und der Umgang mit selbigem ist für mich ein echtes „Mysterium“. In den letzten Jahren überrollte uns dieses neue Krankheitsbild wie eine riesige Welle. Woher kommt das nur auf einmal? Warum betrifft es offenbar so viele Frauen? Genau das ist auch schon die erste Problematik. Wie in einem älteren Artikel bereits ausgeführt, kommt es dank unvollständiger Diagnostik sehr oft zu „Schnellschuss-Diagnosen“. Schneller als die Patientin bis drei zählen kann, ist sie auf einmal PCOS-Patientin.


Der PCOS-Irrtum: Mangelhafte Diagnostik

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Um ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen, werden wir in den nächsten Zeilen die wichtigsten Fragen zu diesem unbeliebten Syndrom beantworten. Eins vorab: Die Pille ist nicht die einzige Möglichkeit, PCOS zu behandeln! Sie unterdrückt mal wieder den weiblichen Zyklus.  Also, los geht’s!

Was ist PCOS?

Beginnen wir bei der Bezeichnung PCOS. Diese leitet sich aus einem der möglichen Symptome ab, nämlich den Zysten. Aber exakt formuliert handelt es sich um eine hormonelle Störung, die Zysten sind nur die Auswirkung.

Polyzystisches Ovar-Syndrom oder auch Polyzystisches Ovarial-Syndrom:

  • poly ist ein Begriff für „viele, mehrere“

  • zystisch bedeutet „Zysten bildend“

  • Ovar ist der Eierstock, ovarial bedeutet „zum Eierstock gehörend“

  • Syndrom bezeichnet ein wiederkehrendes Muster von Symptomen, die typisch für eine bestimmte Krankheit sind.. oder einfach gesagt: Eine sichere Diagnose fällt schwer.

Zu den gängigsten Symptomen, unter denen die Patientinnen mit Polyzystischem Ovar-Syndrom leiden, gehören unter anderem: 

Zyklusstörungen (keine oder seltene Menstruation) durch die eingeschränkte Funktion der Eierstöcke, das heißt ausbleibende Eisprünge und somit auch der unerfüllter Kinderwunsch. Haarausfall, vermehrte Körperbehaarung und Akne gehören zu dem erhöhten Spiegel an männlichen Hormonen (Androgene), die Insulinresistenz bedingt die Gewichtszunahme insbesondere am Stamm. Depressive Verstimmungen und andere psychischen Störungen durch das Hormonchaos und last but not least die besagten Eibläschen bzw. Zysten an den Eierstöcken. Sie entstehen durch die Reifung vieler Eizellen, bei denen es aber nicht zum Eisprung kommt.

Wie wird PCOS richtig diagnostiziert?

PCOS sollte immer nur nach Ausschluss aller anderen möglichen Ursachen diagnostiziert werden. Dafür braucht es zwei Schritte. Erst die Anamnese und das Erfüllen der Kriterien mit anschließendem Ausschlussverfahren.

In Europa gelten aktuell die Rotterdamm-Kriterien, wobei zwei von drei erfüllt sein müssen, um PCOS vermuten zu können.

  1. Amenorrhoe oder Oligomenorrhoe (ausbleibende oder seltene Menstruation)
  2. laborchemische oder klinische Hinweise für eine Hyperandrogenämie (= Überschuss männlicher Geschlechtshormone bei der Frau, darunter fällt auch der Hirsutismus mit männlichem Behaarungsmuster)
  3. die Perlschnurovarien“ im Ultraschall, also die besagten Ovarialzysten (mindestens 12 Follikel je Eierstock)

Erfüllt man nun zwei dieser drei Kriterien, ist die Diagnose PCOS trotzdem noch lange nicht gesichert! Es gibt nämlich noch einige andere endokrine Probleme, die zu den gleichen Symptomen führen können wie beispielsweise Hashimoto, AGS oder auch eine Hypophysenschwäche. Um diese Möglichkeiten auszuschließen, sind die hierzu notwendigen Laboruntersuchungen erforderlich!

Leider sieht die Diagnostik in den meisten Fällen aber ganz und gar nicht so ausführlich aus. Häufig reicht schon ein einmaliger Blick auf den Ultraschallmonitor und zack hat man seine Diagnose. Klar, wo Zysten sind, muss auch PCOS sein oder? NEIN! Vielleicht liegt dieser weitverbreitete Irrglaube an der Bezeichnung „Zyste“. Denn wenn man es genau nimmt, sind es keine Zysten, sondern kleine Eibläschen bzw. Follikel.

Die Eierstöcke einer jeden Frau produzieren in jedem Zyklus bis zu 12 Follikel pro Seite. Im Idealfall entwickelt sich eines dieser kleinen Freunde zu einem dominanten Follikel, welches größer wird als der Rest und sich auf den Eisprung vorbereitet. Eines springt, der Rest wird absorbiert. Hat die Frau in einem Zyklus keinen Eisprung, bleiben diese kleinen, nicht entwickelten Follikel einfach erstmal zurück. Das sieht man im Ultraschall als „Zysten“. Zysten im Ultraschall zeigen lediglich an, dass keine Ovulation stattfand. Es erklärt nicht, warum es keinen Eisprung gab und auch nicht, ob es im nächsten Zyklus einen geben wird oder nicht.

Klingt nicht mehr so beängstigend, wenn man weiß, was hinter diesen Zysten steckt, oder?

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Woher kommt PCOS?

PCOS ist ein sehr umstrittenes Krankheitsbild, bei dem sich nicht einmal Fachgesellschaften einig sind. Es gibt die verschiedensten Thesen über die Ursache dieses Syndroms, doch die meisten Ärzte interessiert die Ursache nicht. Die einfachste Erklärung für sie: Es muss genetisch sein. Genetik kann bei fast allem eine Rolle spielen, ist aber meistens „nur“ mitbeteiligt.

Einen sehr interessanten Blickwinkel auf dieses spannende Thema zeigt uns die amerikanische Ärztin und Autorin des Buches Period Repair Manual Lara Briden. Nach 20 Jahren Erfahrung in der Frauenheilkunde hat sie ihre Erkenntnisse in diesem tollen Buch zusammengefasst. Aus ihrer Sicht gibt es verschiedene Formen von PCOS und somit auch verschiedene Ursachen.

Sie umschreibt die folgenden drei Typen:
  1. PCOS durch eine Insulinresistenz
    Laut Lara’s Erfahrungen der letzten Jahre ist die häufigste Ursache für PCOS eine Insulinresistenz. Grund hierfür: Bei einer Insulinresistenz hat der Körper Probleme, Insulin richtig umzuwandeln und zu verwerten. Durch diesen Umstand hat man zu viel Insulin, was sich negativ auf den Eisprung auswirkt. Dies kann dazu führen, dass die Eierstöcke irgendwann durcheinander kommen und statt Östrogen auf einmal zu viele Androgene (männliche Hormone) bilden. Des weiteren bewirkt das erhöhte Insulin, dass die Hypophyse einerseits mehr LH (Luteinisierendes Hormon = löst den Eisprung aus) und andererseits weniger SHBG (Sexualhormonbindendes Globulin =  Transportprotein für Sexualhormone, insbesondere für Östradiol und Testosteron) produziert als sie sollte. Auch das führt wieder zu vermehrten männlichen Hormonen.
  2. PCOS als Folge der Pille
    So ironisch das auch klingen mag: Man kann PCOS auch durch die Pille bekommen. Lustig oder? Wird es doch in den meisten Fällen genau damit behandelt. Laut Lara kann die Antibabypille gleich auf zwei Arten zu PCOS führen. Zum einen ist die Pille ein sehr häufiger Verursacher der Insulinresistenz, die ja – wie wir gerade gelernt haben – zum Polyzistischen Ovar-Syndrom führen kann. Des weiteren ist es bei vielen Frauen nach langjähriger Pilleneinnahme so, dass sich der Zyklus nicht mehr richtig einstellt. Nachdem der Eisprung durch die Pille über viele Jahre unterdrückt wurde, schafft es der Körper danach nicht mehr, sich zu regenerieren. Jahrelanges Hormonungleichgewicht, fehlende Eisprünge und häufig die Diagnose PCOS sind die Folge.
  3. PCOS durch eine unentdeckte Entzündung im Körper
    Jede dauerhafte, unentdeckte Entzündung in unserem Körper führt irgendwann zu Problemen. Bei Laras Patienten sind die Ursachen hierfür meist Umweltgifte, Rauchen, schlechte Ernährung und eine unausgewogene Darmflora. All das kann dazu führen, dass durch die entzündlichen Prozesse Hormonrezeptoren zerstört werden und so unser kompliziertes Hormonsystem durcheinander gerät.

Lara Briden spricht mir aus der Seele. Denn meiner Meinung nach entstehen Krankheiten nicht einfach so! Sie sind nicht einfach auf einmal da. Man wird auch nicht angeniest und hat PCOS. Die Ovarialschwäche entwickelt sich und das meistens über viele Jahre. Betrachten wir  einen Menschen ganzheitlich, finden wir für jede Krankheit auch eine Ursache und genau diese sollte identifiziert und entsprechend behandelt werden!


Wie kann PCOS behandelt werden?

Zum Beispiel mit Unterstützung einer Heilpraktikerin, wie Andrea Mohr. Sie ist spezialisiert auf ganzheitliche Frauenheilkunde. In ihrer Praxis in Kronberg bei Frankfurt behandelt sie viele Frauen mit PCOS aus ganz Deutschland. Ich habe Andrea dazu einige Fragen gestellt:
Andrea, was sind deine Erfahrungen in der Behandlung von PCOS-Patientinnen?

Andrea: Schön, dass du das Buch von Lara Briden erwähnt hast. Wie sie bin auch ich der Meinung, dass viele Ursachen zu dem Krankheitsbild PCOS führen. Frauen, die zu mir kommen, sind meistens überfordert mit der Diagnose und suchen nach Aufklärung. Ich bin froh, dass ich Frauen diese Beratung bieten kann, denn ich möchte, dass jede Frau versteht,  was in ihrem Körper vorgeht und sie sich kompetent findet, eine Entscheidung zu treffen.

Wie sieht denn eine alternative Therapie in deiner Praxis aus?

Andrea: Wir gehen genau so vor, wie du es beschrieben hast. Wir suchen nach den Ursachen, um dazu die geeignete Therapie zu finden. Das kann schon mal eine Detektivaufgabe sein. Jede Frau ist anders und hat andere Bedürfnisse. Ich muss also die Frau in den Mittelpunkt stellen. Hat sie einen unerfüllten Kinderwunsch oder macht ihr die Behaarung im Gesicht das Problem? Wir müssen die Umwelteinflüsse und den Lebensstil identifizieren. Soll Gewicht abgebaut, der Darm saniert oder Entzündungen im Körper bekämpft werden? Begleitend dazu gibt es bei mir diagnostische Verfahren wie Hormontestungen, Analysen der fehlenden Vitamine und Mineralstoffe etc. Einzelne Symptome lindere ich gern mit pflanzlichen Präparaten.

Also können auch fehlende Mineralien und Vitamine zu PCOS führen?

Andrea: Wie schon gesagt, es gibt viele Puzzleteile. Ich sehe oft einen Mangel an Omega 3 Fettsäuren, Chrom, Zink und Magnesium. Außerdem leidet die Leber sehr oft unter Hormondysbalancen. Bitterstoffe wie Enzian, Löwenzahn oder Schöllkraut geben der Leber die nötige Unterstützung, um gut zu arbeiten.

Wie bekommst du das Hormonchaos in den Griff?

Andrea: Anhand aussagekräftiger Hormonspeicheltestungen kann ich abstimmen, ob bioidentische Hormone oder Pflanzenwirkstoffe wie Agnus Castus in Frage kommen. Oder liegt eine Umwandlungsstörung von Östrogen und Testosteron vor, dann gibt es wirksame Pflanzen wie Sägepalme oder Süssholzwurzel.

Übrigens auch Schilddrüsenstörungen können PCOS-Symptome vortäuschen. Da sind wir wieder bei den sensiblen Kreisläufen der Hormone.

Vielen Dank Andrea für das Interview. Hast du noch einen Tipp für meine Leserinnen?

Andrea: Ja, gern. Betroffene sollten sich immer eine zweite Meinung einholen. Ihre Gesundheit wird es danken. Mir ist auch wichtig, dass das weibliche Bauchgefühl ja sagt zur Therapie. Und noch ein praktischer Tipp für die wichtige Durchblutung im Unterleib. Ich sehe viele Frauen mit einer richtigen Blockade mit Schwäche- und Kältegefühl. Bauchtanz oder Hormonyoga funktioniert bestens und bringt ein gutes Selbstwertgefühl.


Hier geht es zu Andrea’s Praxis


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ZUM ARTIKEL

Über die Autorin dieses Artikels

Isabel ist Gründerin von Generation Pille und Autorin der Bücher "ByeBye Pille" und "Kleine Pille, große Folgen". Ziel der Seite und jedem einzelnen Beitrag ist es, Frauen zu helfen, ihren Körper besser zu verstehen, Symptome zu deuten und sowohl körperliche als auch hormonelle Zusammenhänge zu begreifen. Der Fokus ihrer Beiträge liegt hierbei ganz klar auf den Themengebieten Frauengesundheit, Hormone, hormonelle Beschwerden und natürliche Verhütung.
Instagram: @_isabelmorelli_
Kontakt: hello@generation-pille.com