Regelmäßig suchen Frauen mich in meiner Praxis auf, die entweder die Pille absetzen und aus Sorge vor den möglichen Folgewirkungen schon präventiv tätig werden wollen oder die im Nachhinein an Akne, Haarausfall, Zyklusstörungen oder anderen Beschwerden leiden. So haben sich im Laufe der Zeit eine Reihe von Punkten herauskristallisiert, die ich inzwischen jeder Frau ans Herz legen und hier mit Dir teilen möchte.

Eigene Motivation finden, denn die ist wichtig!

Wenn Du seit Jahren die Pille nimmst und immer wieder mit dem Gedanken spielst, dass Du eigentlich gerne natürlich verhüten und endlich mal Deinen eigenen Zyklus richtig kennenlernen möchtest, dann ist jetzt der beste Zeitpunkt dafür, um Dich ernsthaft mit dem Absetzen zu beschäftigen. Auch wenn Du die Pille absetzen willst, weil Du sie nicht (mehr) gut verträgst oder weil Du Deinem Körper nicht mehr länger künstliche Hormone zumuten willst, kann ich Dich nur darin bestärken, dem zu folgen und es auch wirklich zu tun. In jedem Fall ist es gut, wenn Du Dir vor diesem Schritt klar machst, was Deine Motivation für das Absetzen ist, um Dich auch dann daran zu erinnern, wenn Du bei auftretenden Symptomen mal zweifeln solltest.

Keine Angst haben, sondern sich auf das Positive ausrichten

Grundsätzlich brauchst Du aber erst einmal keine Angst davor zu haben, sondern kannst Dich darauf freuen, Deinen Körper und Dein Frausein danach ganz neu erleben zu dürfen. Vielleicht wirst Du bald (wieder) Deinen Eisprung spüren und mitbekommen, dass jeden Monat in Dir ein sanftes Schwingen stattfindet. Dieses hormonelle Auf und Ab darfst Du als etwas ganz Natürliches erfahren, das sich auch in Deiner Stimmung zeigt, so wie uns auch die vier Jahreszeiten in der Natur beeinflussen und wir uns im sprießenden Frühling ganz anders fühlen als im kalten Winter. Mit der Zeit wirst Du das vielleicht sogar als Geschenk erleben und Deinen Alltag im Sinne der Zyklusachtsamkeit mehr daran orientieren, in welcher Energie Du Dich gerade befindest. Doch hab Geduld mit Dir, das kann und darf alles seine Zeit brauchen.

Körperlich und seelisch gut darauf vorbereiten

Hilfreich ist es an der Stelle, wenn Du Dich bereits etwa zwei bis drei Monate vor dem Absetzen innerlich darauf vorbereitest und Dich positiv ausrichtest hinsichtlich dieses Schrittes. So kannst Du beispielsweise auch mit positiven Affirmationen arbeiten, die wie eine Art Selbsthypnose wirken, und täglich manifestieren: „Meinem Körper gelingt es mühelos, das Absetzen der Pille zu verarbeiten“ oder „Ich vertraue auf meinen Körper, dass er schnell wieder ins hormonelle Gleichgewicht findet“.

Außerdem ist es sinnvoll zu planen, wie Du Deinen Körper am besten bei der Entgiftung der künstlichen Hormone unterstützen möchtest. So kannst Du ihm die Umstellung vom „hormonellen Nichtstun“ zurück zur „kontinuierlichen Arbeit“ erleichtern und regst ihn dazu an, wieder in seinen ureigenen Rhythmus zurückzufinden und einen gesunden Zyklus hervorzubringen. Je kürzer Dein Körper seit der 1. Menstruation Zeit hatte das zu erlernen, bevor Du mit der Einnahme der Pille begonnen hast, desto länger wird und darf dies übrigens dauern.

Wichtige Schritte der körperlichen Begleitung

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Beginne schon ein bis zwei Zyklen vor dem Absetzen damit, Deinen Körper innerlich mit einer ausleitenden Teemischung zu reinigen, die zum Beispiel entgiftende Heilpflanzen wie Löwenzahn, Brennnesselblätter, Goldrute, Schafgarbe, Stiefmütterchen, Stinkenden Storchschnabel und andere enthält, damit eine Entgiftung über die Haut nicht notwendig wird. Denn wenn all die natürlichen Entgiftungswege des Körpers wie Leber, Darm, Nieren und Lymphe blockiert sind (was unter langjähriger Pilleneinnahme oft passiert), versucht der Körper als letzten Ausweg über die Haut zu entgiften und es kann zu der gefürchteten „Post-Pill-Akne“ kommen.

2

Stärke Deine Leber, denn sie ist unter anderem dafür da, Medikamente wie die Pille zu entgiften. Ihre langjährige Einnahme führt über die Jahre meist zu einer Östrogendominanz und auch hier kommt die Leber ins Spiel, weil eine ihrer Aufgaben die Entgiftung der Östrogene im Körper darstellt. Wenn sie geschwächt ist, bleibt eine Östrogendominanz also eher bestehen oder verstärkt sich noch, was mit vielfältigen Problemen wie PMS-Beschwerden, krampfartigen Regelschmerzen und vielem mehr in Verbindung steht. Da die Leber Bitteres liebt, integriere mehr bittere Lebensmittel wie Radicchio, Chicoree, Artischocken, frische Kräuter, Grapefruit & Co. in Deine Ernährung und/oder nimm Bittertropfen oder -pulver ein.

3

Unterstütze Deinen Darm, denn dort werden wichtige Hormonumwandlungsschritte durchgeführt und er ist unsere erste Aufnahmestation für Nährstoffe und Mikronährstoffe, die für die Bildung der Hormone gebraucht werden. Wenn er nicht gut arbeitet, wirkt sich das also negativ auf Dein hormonelles Gleichgewicht aus. Versuche, regelmäßig fermentierte Produkte zu essen/zu trinken, die gesunde Milchsäurebakterien enthalten (z.B. Sauerkraut, Kimchi, Kefir, Kombucha, Tempeh) und Lebensmittel mit resistenter Stärke als Nahrung für die gesunden Darmbakterien (z.B. Süßkartoffeln, Haferflocken, Möhren, abgekühlte Kartoffeln, Bohnen oder Reis).

 

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Da die Pille als Vitalstoffräuber gilt, ist es wichtig, dass Du frühzeitig Deine Mikronährstoffspeicher auffüllst. Denn insbesondere Vitamin D, Magnesium, Zink, Selen, Vitamin B6, Folsäure, Eisen und Omega 3-Fettsäuren braucht der Körper, um die Geschlechtshormone bilden und ein hormonelles Gleichgewicht herstellen zu können, aber auch für die Haut- und Haargesundheit, um beispielsweise Haarausfall und Akne vorzubeugen.

5

Achte auf Deine Stressbalance, denn viel Stress führt dazu, dass Deine Nebennieren mehr von dem Stresshormon Cortisol ausschütten und das geht zulasten Deines Progesterons. Außerdem wirkt es sich negativ auf die Eizellreifung aus und kann so zukünftige Eisprünge als wichtigste Quelle des Progesterons verhindern, mit der Folge einer weiter zunehmenden Östrogendominanz.

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Falls bei Dir dennoch Symptome auftreten sollten, kannst Du ab drei Monate nach Absetzen der Pille über FEMNA Health oder bei einer Heilpraktikerin, die so wie ich auf ganzheitliche Frauenheilkunde spezialisiert ist, einen Hormonspeicheltest machen. Damit lässt sich überprüfen, ob noch eine Östrogendominanz bei Dir vorliegt und wenn ja, wie stark sie ausgeprägt ist. Anhand der Werte und Deiner Symptomatik lässt sich das dann gut mit einem individuell ausgerichteten, ganzheitlichen Therapiekonzept behandeln.

Über die Gastautorin

Über die Gastautorin

Celia Schönstedt ist seit 2017 als Heilpraktikerin für ganzheitliche Frauenheilkunde in ihrer Hamburger Praxis tätig. Ihre große Leidenschaft gilt der Verbindung von Körper & Psyche, u. a. mit der herzgeleiteten Körperpsychotherapie Bindungsenergetik. 2020 hat sie Blog und Podcast „Heal & Grow“ gegründet und begleitet mit ihren eigenen geführten Meditationen (z.B. für die Gebärmutter) viele Frauen auf ihrem Heilungsweg. Außerdem ist sie Beraterin bei FEMNA Health und hilft dort Frauen mit hormonellen Beschwerden. Mehr Infos von ihr gibts bei Instagram (@herzheilpraxis) und im Podcast „Heal & Grow“ (iTunes, Spotify & Co).

Webseite: herzheilpraxis.de/