Oder: Was macht die Pille eigentlich mit unserem Hormonsystem?

Hormone sind eine komplizierte Angelegenheit. Schon geringe Schwankungen können erheblichen Einfluss auf das Wohlbefinden und den Monatszyklus haben. Warum leiden so viele Frauen nach dem Absetzen der Pille unter den unterschiedlichsten Beschwerden? Was macht die Pille eigentlich und welchen Einfluss hat sie auf unser Körpergeschehen? 

Ein Versuch, auf verständlichem Wege Licht ins Dunkel zu bringen. Um verstehen zu können, wie sich die Einnahme der Pille auf unseren Körper auswirkt, sollten wir zunächst folgende Frage klären:

Was ist eigentlich ein Hormon?

Hormone sind Botenstoffe. Sie erfüllen vielfache (auch vielfach noch unerforschte) Aufgaben und haben eine eigene, unverwechselbare biochemische Struktur. Unsere Sexualhormone werden auch Steroidhormone genannt, das liegt an ihrem Grundgerüst. Sie werden gebildet in den Eierstöcken (die Herren der Schöpfung lassen wir mal links liegen) und der Nebennierenrinde. Der Grundbaustein für unsere Sexualhormone ist das Cholesterin. Daraus werden – unter anderem – die Östrogene und das Progesteron gebildet.

Die unverwechselbar biochemische Struktur eines Hormons gleicht einem Schlüssel. Nur das Hormon mit dem exakten Schlüssel passt auch in das vorgesehene Schloss an der Körperzelle, und nur so kann es seine vielfältige Wirkung entfalten. Man nennt das auch das „Schlüssel-Schloss-Prinzip“. Und nur wenn das Hormon, das wir zuführen, auch exakt diesem chemischen Aufbau entspricht, ist es egal, ob es vom Körper selbst hergestellt oder künstlich zugeführt wird und verdient den Namen Hormon.

Wo wirken unsere Sexualhormone denn überall?

Nicht wie anzunehmen nur an den Fortpflanzungsorganen, sondern tatsächlich im gesamten Körper. Niere, Leber, Gehirn, Immunsystem, Herz- und Kreislaufsystem, den Knochen, der Nebenniere – schlicht überall – im ganzen Körper – in jeder Zelle – auf allen Ebenen.

Sind denn nun die „Hormone“ in der Pille mit unseren Hormonen identisch?

Leider nein. Denn genau genommen ist die Pille kein Hormon, sondern ein Medikament mit hormonähnlicher Wirkung. Die Wirkstoffe der einzelnen Pillen unterscheiden sich in der Struktur immer – mal mehr, mal weniger – von unseren körpereigenen Hormonen. Sie haben nur eine Teilwirkung auf unseren Körper und sind damit Medikamente mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen.

Blockade der Zellrezeptoren

Durch die unterschiedliche Struktur im Vergleich zu unseren eigenen Hormonen ist die Wirkung nicht nur eingeschränkt, es können sogar die „Schlösser“, sprich die Eingangstore für die hormonelle Wirkung an unseren Zellen auch noch blockiert werden. Und durch diese Blockade können nachfolgende Stoffwechselprozesse gar nicht mehr ausgeführt werden. Mit gravierenden Folgen.

Und dann lieben Hormone auch noch Fett

Also nicht im eigentlichen Sinne, sondern sie sind lipophil, das heißt, die Wirkstoffe – leider auch die der künstlichen Hormonersatzstoffe – lagern sich  im körpereigenen Fettgewebe ab. Auch so können diese künstlichen Hormonpräparate langfristig die körpereigene Balance stören.

Der hormonelle Regelkreis

Wir sitzen in einem High-tech-Körper. Ständig misst unser Körper die eigenen Funktionen und Werte und reagiert entsprechend, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. So auch im hormonellen Kreislauf. Die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) ist unser hormonelles Steuerungsorgan. Sie unterliegt dem Hypothalamus, der wiederum auch unter dem Einfluss des limbischen Systems steht. Das limbische System ist unser Emotionszentrum. Das erklärt übrigens, warum bei Stress, Trauer und Traumen manchmal die Regelblutung ausfällt. Aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zur Hypophyse: Die Hypophyse steuert also aufgrund unserer Hormonkonzentration im Blut die Ausschüttung eines stimulierenden Hormons in unseren Eierstöcken (aber auch in der Schilddrüse, der Nebennierenrinde,…). Wenn die Pille nun die Rezeptoren blockiert und besetzt hat und/oder die Hormonbalance aufgrund des im Fettgewebe eingelagerten Wirkstoffes gestört ist, erfolgt seitens der Eierstöcke keine oder keine ausreichende Information mehr an unsere Schaltzentrale. Der Regelkreis ist unterbrochen, die Ausschüttung der Hypophysenhormone unterdrückt. Konkret heißt das, dass die Hypophyse weder das Eisprung auslösende FSH (Follikel-stimulierendes-Hormon) noch das LH (luteinisierendes Hormon) freisetzt.

Die körpereigene Hormonproduktion liegt weitestgehend brach.

Ohne FSH und dem daraus resultierenden Östrogen keine Eizellreifung und kein Eisprung, ohne LH und dem daraufhin gebildeten Progesteron kein Einnisten, ohne das physiologische Absinken der Hormonkonzentrationen von Östrogen und Progesteron keine Monatsblutung.

Die Pille wird abgesetzt – und dann?

Bei einigen Frauen nimmt der Körper einfach seine Arbeit wieder auf. Mal schneller, mal weniger schnell – jede Frau hat ihren eigenen Rhythmus. Aber bei manchen Frauen klappt auf einmal gar nichts mehr. Die Regel tritt auch nach längerer Wartezeit nicht mehr ein, womöglich wird sogar die Diagnose PCOS gestellt und/oder es kommt zu vielfältigen Absetz-Nebenwirkungen wie Zyklusunregelmäßigkeiten, Migräne, Haarausfall, Pickel und vielem mehr. Der möglicherweise ersehnte Kinderwunsch rückt in weite Ferne. Guter Rat ist teuer. Womöglich rät der Gynäkologe sogar dazu, wieder die Pille zu nehmen. Dann funktioniert ja alles wieder, oder etwa nicht?

Welche Hilfe gibt es?

Eine besonders wirksame Hilfe ist die Regeneration der Leber. Über die Belastung für die Leber während der Pilleneinnahme wurde hier ja auch schon ausführlich berichtet. Eine Entgiftungskur – ob über Pflanzenfrischsäfte, homöopathische Komplexmittel oder auch Bitterstoffe, wie beispielsweise im Löwenzahn oder der Mariendistel enthalten – wirkt manchmal Wunder.

Auch das Auffüllen von Mikronährstoffen und Vitaminen, die durch die Antibabypille in einen Mangel geraten sein könnten – allen voran die B-Vitamine – unterstützt den Körper dabei, wieder Fahrt aufzunehmen. Diese sollten vor dem Auffüllen im Blut bestimmt werden.

Und wenn das alles noch nicht reicht?

Das sogenannte Post-Pill-Syndrom ist ein weitbekanntes Krankheitsbild. Deshalb haben sich viele schlaue Köpfe zusammengesetzt, um dem hormonellen Regelkreis wieder auf die Sprünge zu helfen. Es gibt die verschiedensten Herangehensweisen und Lösungsansätze, die alle sehr wirksam sein können und ihre Daseinsberechtigung haben. Allerdings ist es auch hier sehr wichtig, für jede Frau die individuell auf ihre Situation und Bedürfnisse abgestimmte Unterstützung zu finden.

Ein paar Möglichkeiten habe ich hier zusammengestellt, mit denen ich in meiner Praxis gerne arbeite:
  • Ausleitung der hormonell wirksamen Medikamente über sogenannte Nosoden. Eine Nosode ist praktisch ein Gegengift. Homöopathisch eingesetzt – also um ein Vielfaches verdünnt – regen Sie den Körper dazu an, selbst aktiv zu werden und die Gifte auszuleiten. Diese Nosoden gibt es mittlerweile für nahezu alle Wirkstoffe der Pille und anderer hormoneller Verhütungsmittel.
  • Homöopathische Komplexmittel zur Aktivierung der Hypophyse. Es gibt einige Kombinationspräparate, die den Regelkreis wieder anstoßen können. Wirkstoffe wie Schöllkraut und Mariendistel wirken positiv auf die Leber, der Mönchspfeffer beispielsweise aktiviert die Keimdrüsen.
  • Auch Frauenheilkräuter wie zum Beispiel Frauenmantel oder Beifuß können das hormonelle Regelspiel wieder in Gang bringen. Allein durch Teekuren mit Beifuß (der im Übrigen direkt auf die Hypophyse wirkt), konnten Frauen selbst monatelang ausgebliebene Regelblutungen wieder zum Fließen bringen.
  • Oft hilft es auch, über Heilpflanzen – und mit Hilfe des Mondes – einen Zyklus zu simulieren. Bevor wir unter dem Einfluss von künstlichem Licht waren, war die Vollmondzeit die Zeit des Eisprungs und der Neumond die Zeit der Menstruation. Diesen uralten Rhythmus kann Frau sich mit pflanzlicher Unterstützung wieder zu Eigen machen.
  • Manchmal ist auch die Niere mit ihrer Entgiftungsleistung überfordert. Dann gilt es, mit sogenannten „Nieren-Heilpflanzen“ wie beispielsweise der Goldrute, zu unterstützen.
  • Es gibt auch homöopathische Organ-Präparate (dazu werden zum Beispiel die Ovarien von Rindern verwendet und verdünnt, verdünnt, verdünnt). Das kann eine tiefgreifende Wirkung direkt auf den Eierstock haben und hat schon so mancher Frau zum ersten Eisprung verholfen (auch wenn es im ersten Schritt etwas seltsam klingt).

Weck die Weiblichkeit in dir

Es gibt noch weitere Dinge, die euch auf eurem Weg zurück zur hormonellen Selbstbestimmung helfen können. Hier ein Ausschnitt…

  • Wackel mit den Hüften, sei ganz Frau – Lebe deine Weiblichkeit, wirf die Haare zurück, klimpere mit den Wimpern, zieh alle Register. Genauso wie selbst bei einem aufgesetzten Lächeln Glückshormone freigesetzt werden, wirkt das auch auf das weibliche Hormonsystem. Also einfach mal ausprobieren.
  • Probiere doch mal Yoga: Vor allem Hormonyoga kann die Drüsenaktivität erheblich steigern.
  • Tanze durchs Leben – Gibt es etwas Weiblicheres als Tanzen? Bewege dich zur Musik und lass alles in dir fließen.

Hol dir Hilfe

Egal für welchen Weg du dich entscheidest: Such dir Unterstützung von kompetenter Stelle. Von außen betrachtet erscheinen viele Zusammenhänge klarer, und da das hormonelle Wechselspiel so fein ist, ist professioneller Rat hier besonders sinnvoll. Besonders Nosoden und Organmittel sollten nicht im Alleingang verwendet werden.

Fazit

Du hast es in der Hand: Ein Leben in hormoneller Selbstbestimmung ist möglich. Es gibt viele Wege, wie du zu deinem Zyklus zurückfinden kannst. Spüre in dich hinein, was dein Weg sein könnte. Lass dich nicht entmutigen und werde dein eigener innerer Arzt. Entscheide, was jetzt für dich am besten ist.

Und solltest du damit hadern, jemals die Pille genommen zu haben, dann verzeih dir JETZT. Zum damaligen Zeitpunkt war das die richtige Entscheidung – und all die Konsequenzen hat dir damals bestimmt keiner so gesagt. Lass los und geh deinen neuen Weg.

Damit Frau sein immer wunderbar ist.

Über die Gastautorin:

Ines Hommels ist Heilpraktikerin und Fachtherapeutin für natürliche Frauenheilkunde. In ihrer Praxis in Hamburg betreut sie Frauen aller Altersklassen. Die massive Zunahme an Post-Pill-Patientinnen und PCOS-Diagnosen hat sie zur Kooperation mit Generation Pille veranlasst. Ihre Liebe gilt der Pflanzenheilkunde. Auch Homöopathie, Komplexhomöopathie, Aromatherapie, TCM und bioidentische Hormone zählen zu ihren Therapieoptionen.