Es gibt Tage, an denen ich mich schön fühle, selbstsicher bin und einfach nur glücklich durch die Gegend hopse. Dann gibt es aber auch Tage, an denen ich mich am liebsten zuhause einsperren würde, niemand sehen möchte und unsicher bin. Diese unterschiedlichen Emotionen kann der natürliche weibliche Zyklus mit sich bringen. Das hört sich erstmal nach einem ständigen Stimmungschaos an. Doch wenn wir lernen,  den Zyklus zu verstehen, dann können wir diese Emotionen positiv für uns nutzen.

Für diesen Beitrag habe ich die liebe Anna Nussbaumer eingeladen. Sie ist Mentorin für Frauengesundheit und hat sich u. a. auf die verschiedenen Emotionslagen während eines Zyklus spezialisiert. Auf ihrer Website APUR.AT erfährst du mehr über sie und ihre Arbeit – der Begleitung von Frauen in ihr Frausein. Das komplette Interview findet ihr auch als Podcast auf iTunes, Spotify und Soundcloud…

… oder direkt hier:

Liebe Anna, vielleicht stellst du dich und deine Arbeit kurz vor. Wie bist du auf das Thema gekommen?

Ich bin seit 10 Jahren Mentorin und arbeite seit 4 Jahren aktiv mit Frauen. Es geht bei meiner Arbeit um die Aufrichtung und Ausrichtung femininer Power. Durch meine Angebote wird den Frauen bewusst, wie ermächtigend es ist, eigenverantwortlich zu handeln und was das für willkommene Konsequenzen mit sich bringt. Dazu gehört unter anderem auch das Wissen über die zyklischen Vorgänge im Körper einer Frau, denn die damit zusammenhängenden Hormone beeinflussen nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche. Seit meiner ersten Periode hatte ich immer wieder große Schmerzen. Schmerztabletten, Krankenhausaufenthalte, Untersuchungen… das volle Programm. Doch nichts wurde gefunden, körperlich war alles in Ordnung. Aber warum hatte ich dann solche Schmerzen?

Mit 21 Jahren habe ich mir dann die Frage gestellt: Hat das mit dem Thema Weiblichkeit zu tun? Und genau diese Frage hat mich vor 11 Jahren auf den Weg gebracht, mich mit Weiblichkeit auf den unterschiedlichsten Ebenen zu befassen. Unter anderem auch auf der körperlichen Ebene. Das Buch „Der rote Mond“ von Miranda Grey gab mir dann endlich Aufschluss über die vier verschiedenen Phasen, die jede Frau in einem Monat durchlebt. Und nach dieser Lektüre war mir vieles so klar geworden, dass ich entschieden habe, dieses Wissen und alles weitere, was ich mir im Laufe der Jahre erarbeitet hatte, nicht länger für mich zu behalten.

Kannst du die einzelnen 4 Zyklusphasen beschreiben und uns erklären, was in diesen Phasen mit unseren Emotionen passiert? Wie können wir die verschiedenen Phasen positiv für uns nutzen?

Die erste Zyklusphase

Die erste Phase ist die „Schwarze Phase“ oder die „Phase der weisen Frau“. Diese Phase ist während der Blutung aktiv. Der Großteil der Frauen sehnt sich in dieser Zeit nach Ruhe und Rückzug. Es ist die Phase, die auch mit dem Winter verglichen wird. Und wenn du dir die Natur im Winter ansiehst, dann erklärt sich vieles von selbst. Rückzug, Loslassen, die Stimme der Intuition, Zeit für sich und Weisheit… all das passt zu dieser Zeit. Am besten ist, wenn sich die Frau an dem Tag, an dem sie ihre Blutung bekommt, ein paar Stunden oder besser noch einen ganzen Tag für sich Zeit nimmt und sich Gutes tut. Den Körper zu ehren und dankbar zu sein für das Wunder, das er Monat für Monat vollbringt. Frauen, die Schmerzen haben, tun sich mit Dankbarkeit in dieser Zeit sicher nicht leicht – ich kenne es wie gesagt aus meiner Vergangenheit. Und dennoch: Der Körper will dir etwas sagen… und Schmerzmittel machen es nur punktuell besser, lösen aber nicht die Ursache. Mein Tipp: Hör hin. Hör auf deinen Körper und geh mit ihm in Kontakt.

Die zweite Zyklusphase

Die zweite Phase ist die „weiße Phase“ oder auch die „Phase der Priesterin“. Diese Phase kommt nach der Menstruation, wenn der Östrogenspiegel wieder ansteigt, und gleicht dem Frühling. Die meisten Frauen kommen nun sehr schnell in ihre Kraft, sind klar in dem, was sie tun, und in dem, was sie wollen. Sie können nun sehr schnell ihre ToDo’s abarbeiten und alle offenen Tätigkeiten, die in der Schwarzen Phase liegen geblieben sind, mit Leichtigkeit wieder aufholen. Wenn dir das bewusst ist, dann kannst du in der schwarzen Phase viel liebevoller mit dir selbst umgehen. Nicht nur die Worte Neubeginn, Klarheit, Struktur, zielgerichtet sein passen sehr gut in diese Zeit, sondern auch Tätigkeiten, die Planung erfordern. Die Frau fühlt sich wohl, will wieder raus aus ihrer Höhle und sich unters Volk mischen.

Die dritte Zyklusphase

Die dritte Phase wird auch „Rote Phase“ genannt oder „Die Liebende“. Körperlich gesehen findet in dieser Zeit der Eisprung statt. Diese Phase ist mit dem Sommer zu vergleichen. Die Frau steht nun in ihrer vollen Kraft, ähnlich dem Vollmond. In dieser Zeit ist ihr wichtig, dass es den Menschen, die sie liebt, gut geht. Viele Frauen drücken dies über Kochen, Geschenke, Zuhören usw. aus. Sie hat die Kraft, für andere da zu sein und findet im Geben Erfüllung. Es geht um die Liebe und den Ausdruck dieser.

Die vierte Zyklusphase

Die vierte Phase wird auch „Violette Phase“ oder „Die Kriegerin“ genannt. Sie beginnt ein paar Tage nach dem Eisprung und dauert bis zum Beginn der Menstruation.  Es ist jene Phase, in der PMS auftreten kann. Mit dieser Phase tun sich viele Frauen sehr schwer. Ungemütliche Emotionen treten auf, schlapp sein oder auch Unruhe, Rastlosigkeit, unwohl fühlen, aggressive Kommunikation, scheinbar grundloses Weinen etc.  Dabei ist diese Phase eine der wertvollsten, wenn Frau weiß, wie sie diese nutzen kann. Diese Phase ist wie der Herbst. Und wenn du dir den Herbst genau anschaust, siehst du, dass er unglaublich viele Geschenke mit sich bringt. Die Erde gibt im Herbst alles her, um uns genährt durch den Winter zu bringen. So oder so ähnlich kann sich das auch bei Frauen zeigen. In dieser Phase öffnet sich eine Tür zur Kreativität. Bilder malen, Songs schreiben, Visionen haben, Gedichte kreieren usw. Die vielen Emotionen suchen nach einem Ausdruck. Mein Tipp: Sei kreativ, du wildes Weib. 😉 Nimm dir etwas und lebe dich aus.

Nun hat die Pille ja einen enormen Eingriff in unseren Zyklus. Was glaubst du „nimmt“ uns die Pille als Frau? Gerade wenn wir sie schon in jungen Jahren einnehmen?

Was jetzt kommt ist meine persönliche Meinung und zeigt auch Ausschnitte aus Geschichten, die mir Frauen in der Zusammenarbeit  und während der vielen Zyklusworkshops erzählt haben. Um zuerst auf deine Frage zu antworten: Streichle einer Katze das Fell. Mit einem Gummihandschuh. Dann ist klar, was die Pille macht. So und so ähnlich beschreiben Frauen nach dem Absetzen der Pille ihre „Pillenzeit“. Sie führt dich in einen Dornröschenschlaf und legt einige psychische Entwicklungsschritte auf Eis, die Frau später nachholen muss. Vor allem in der sexuellen Entwicklung und im Erleben der eigenen Sexualität.

Die meisten Geschichten sind sich sehr ähnlich: Die Frau hat mit 15 Jahren die Pille genommen, mit 25 dann entschieden, dass „irgendwas nicht mehr passt“ und sie dann abgesetzt. Danach kommt ein großes Erwachen. Nicht nur, was körperlich passiert (Haarausfall, unreine Haut etc.), sondern was plötzlich mit der Wahrnehmung geschieht. Das Leben wird „bunter“, sie „spürt“ sich mehr und beginnt „wieder zu leben“. Das nimmt sicher nicht jede Frau so wahr, doch der Großteil der Frauen – inkl. mir – haben das so erlebt. Viele Frauen, die zu mir kommen, sind zwischen 25 und 35 und schildern mir ihre Geschichte wie oben beschrieben. Sie haben das Gefühl, nichts über sich und ihren Körper zu wissen. Sie haben teilweise nicht mal eine Ahnung, was sie in der Sexualität wirklich erfüllt. Dabei ist Sexualität so viel mehr, als nur einen Orgasmus zu haben. Ich bezeichne das als Dornröschenschlaf, und die Frauen stehen an einem Punkt, an dem sie sich komplett neu kennenlernen wollen und auch müssen, weil sie bemerken, dass es so nicht weitergeht und ihnen etwas Essentielles fehlt. Nämlich der Zugang zu ihrem Frausein. Wenn man hormonell verhütet, sollte klar sein, welche Konsequenzen das mit sich bringt. Wenn die Auswirkungen klar sind, kann ganz anders entschieden werden. Den meisten Frauen ist diese Auswirkung allerdings nicht klar. Woher auch?

Wieso ist es so wichtig, dass wir eins mit unserem Zyklus werden? Welche Vorteile verspricht mir das als Frau? 

Der Zyklus gehört zu einer Frau wie die Kaffeebohne zum Kaffee. Ohne geht´s nicht, ohne gibt´s nicht. Frauen, die über ihren Zyklus nichts oder nur wenig wissen, fahren ihr Leben lang im 2. Gang herum. Sie arbeiten – ohne das Wissen über den Zyklus – gegen ihren Körper, anstatt mit ihm und seinen Hinweisen zu gehen. Wenn du zum Beispiel surfst, weißt du, dass du mit der Welle gehen musst, sonst wird’s verdammt mühsam. Unnötig mühsam. So verhält es sich mit dem Wissen, das im Zyklusworkshop weitergegeben wird. Es wirkt wie das Surfboard und das Know-How über den richtigen Einsatz. Also Lady´s, lernt auf den Wellen eures Zyklus zu surfen und ihr werdet sehen, wie immens der Output ist.

Und als abschließende Frage: Welche Ratschläge würdest du deiner Tochter mit auf den Weg geben, wenn es um ihren weiblichen Zyklus geht? 

Befasse dich mit deinem Körper als sei es der wertvollste Gast, den du je empfangen hast und je empfangen wirst. Lerne ihn kennen, stell Fragen, warte geduldig auf Antworten, führe Aufzeichnungen und lerne deinen Zyklus kennen. Die Beziehung zu deinem Körper ist die Grundlage, auf die sich dein ganzes weiteres Leben aufbaut.

Über die Autorin dieses Artikels

Sina nahm selbst 12 Jahre lang die Pille und hatte danach mit starken Hautunreinheiten zu kämpfen. In ihrem Buch "Hautklar" beschreibt sie ihren Weg zur reinen Haut. Sie möchte Frauen helfen, ihre hormonellen Beschwerden wie das Ausbleiben der Periode, Stimmungsschwankungen oder Pickel zu bekämpfen. Als ausgebildeter Health Coach weiß sie, welche wichtige Rolle das Thema Ernährung spielt und teilt auf Generation-Pille sehr gerne ihr Wissen und Erfahrungen.

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