Wer meine Beiträge kennt, der weiß, dass ich ein großer Fan der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) bin. Die ganzheitliche Sichtweise auf unseren Körper und unsere Gesundheit finde ich einfach toll. Vor kurzem bin ich auf die Organuhr aufmerksam geworden: Was das genau ist, wie man sie verwenden kann und was unser Schlaf damit zu tun hat, möchte ich in diesem Beitrag erklären.

Wenn man sich mit der Traditionellen Chinesischen Medizin beschäftigt, stößt man früher oder später auf eine ganz besondere Uhr, die zu verschiedenen Uhrzeiten einzelne Organe aufzeigt: die Organuhr. Weil ich genauer wissen wollte, was es mit dieser Uhr auf sich hat, habe ich mich mal genauer damit befasst und muss sagen: Das macht so viel Sinn! Natürlich möchte ich euch diese Infos nicht vorenthalten. Viel Spaß beim Lesen! 🙂

Was ist die Organuhr?

Wie bereits erwähnt, hat die Organuhr ihren Ursprung in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Die chinesischen Therapeuten erkannten schon vor einigen tausend Jahren, dass jedes Organ bestimmte Arbeits- und Ruhephasen hat und dass sich bestimmte Beschwerden und Krankheitsbilder um gewisse Uhrzeiten verstärken. Außerdem fanden sie heraus, dass man Krankheiten vorbeugen kann, wenn man seinen Alltag nach den Organen bzw. der Organuhr ausrichtet.

Nach der TCM durchläuft die Energie in Meridianen (Leitbahnen) unseren Körper. Es gibt 12 Hauptmeridiane, die jeweils einem Organ zugeordnet sind. Akupunkteure nutzen diese Meridiane beispielsweise, um durch das Setzen der Nadeln die Energie in die zugeordneten Organe zu leiten. Verstopfen die Meridiane oder sind blockiert, kann die Energie nicht in das jeweilige Organ fließen und Beschwerden und Krankheiten können entstehen. Laut TCM konzentriert sich der Körper alle zwei Stunden auf einen bestimmten Meridian und somit auch auf ein bestimmtes Organ und versorgt dieses mit Energie. Natürlich fließt ständig Energie durch die verschiedenen Meridiane, doch gibt es gewisse Zeitfenster, in denen ein Organ mit besonders viel Energie versorgt wird. Richten wir unseren Alltag nach diesem Wissen aus, können wir unsere Organe bei der Arbeit bzw. in ihren Ruhephasen besonders stark unterstützen.

Die Organe und ihre Arbeits- und Ruhephasen

Kommen wir nun zum spannenden Teil. Die folgende Grafik zeigt, wie die verschiedenen Organe den Uhrzeiten zugeordnet sind. Der grüne Bereich zeigt die Arbeitsphasen der einzelnen Organe, also um welche Uhrzeit welches Organ seine Hochphase hat. Das gleiche gilt für den blauen Bereich, der die Ruhe- bzw. Tiefphasen der einzelnen Organe zu den entsprechenden Uhrzeiten anzeigt.

 

1 bis 3 Uhr – Die Leber

In dieser Zeit fokussiert sich die ganze Energie auf die Leber, genau genommen auf die Entgiftung. Die Uhrzeit dafür ist sehr geschickt gewählt, denn im Normalfall befindet sich der Körper nun im Schlaf, so dass die Leber genügend Energie für sich bekommt. Die Entgiftung ist für unseren Körper ein sehr anstrengender Prozess, weshalb er dafür besonders viel Ruhe braucht.

Mein Tipp: Man kann die Leber bei ihrer Arbeit unterstützen, wenn man rechtzeitig (ca. um 22:30 Uhr) ins Bett geht oder zumindest seine Aufgaben herunterfährt und in die Ruhephase geht. Auch schweres Essen und Alkohol am späten Abend sollte man meiden, um die Leber nicht zu belasten. Am besten dimmt man das Licht etwas herunter und schaltet elektronische Geräte aus. Wer das nicht schafft, kann zumindest die App f.lux für Handy und Laptop nutzen. Die App ändert die Geräteeinstellungen je nach Uhrzeit sowie Tages- und Nachtzeit. Das bedeutet, geht die Sonne auf, wirkt das Licht heller, und geht sie unter, wird die Helligkeit des Screens gedimmt. Dies hat eine positive Wirkung auf die Augen bzw. das Gehirn und signalisiert den natürlichen Tag- und Nachtrhytmus. 

Arbeitsphase: Leber
Ruhephase: Dünndarm

3 bis 5 Uhr – Die Lunge

Auch die Lunge gehört zu unseren Entgiftungsorganen und reinigt sich regelmäßig. Doch auch sie hat laut TCM eine bestimmte Zeit. Zwischen 3 und 5 Uhr in der Früh ist ihre Hochphase der Reinigung.

Mein Tipp: Frische Luft kann dabei unterstützend wirken. Am besten lässt man über Nacht das Fenster geöffnet oder gekippt. Wer das nicht mag, sollte vor dem Schlafengehen das Schlafzimmer gut durchlüften. Zur gleichen Zeit hat die Blase ihre Ruhephase, die meisten Menschen schlafen allerdings in dieser Zeit. Falls nicht, sollte hier wirklich auf den Wasserkonsum geachtet werden. Auch spät abends sollte man keine großen Mengen Wasser mehr zu sich nehmen, damit die Blase über die Nacht ihre Ruhe hat und auch der Schlaf nicht unterbrochen wird. 

Arbeitsphase: Lunge
Ruhephase: Blase

5 bis 7 Uhr – Der Dickdarm

Für manche Menschen klingelt in dieser Zeit der Wecker oder sie wachen von ganz alleine auf. Zwischen 5 und 7 Uhr morgens beginnt der Körper, vermehrt Cortisol auszuschütten, unser Wachmacher-Hormon. In dieser Zeit macht sich der Körper bereit für den Tag, so auch der Darm, der sich reinigt.

Mein Tipp: Mit einem Glas lauwarmen Wasser und frischem Zitronensaft kann man den Dickdarm hervorragend unterstützen und die Verdauung sacht anregen. Da sich die Nieren noch in der Ruhephase befinden, sollte man aber bei einem Glas Wasser in der Früh bleiben, damit die Nieren noch in ihrer Ruhephase bleiben können und durch die Wasserzufuhr nicht zu sehr zur Arbeit angeregt werden.  

Arbeitsphase: Dickdarm
Ruhephase: Nieren

7 bis 9 Uhr – Der Magen

Laut TCM beginnt man seinen Tag am besten mit einem warmen Frühstück in einer ruhigen Umgebung. Der volle Fokus ist jetzt auf den Magen gerichtet, der bereit ist, die erste Nahrung aufzunehmen, um wichtige Nährstoffe weiterzugeben. Das warme Essen ist laut TCM besonders schonend und regt auf natürliche Weise die Verdauung an.

Mein Tipp: Warmes Haferporridge mit frischen Beeren und Zimt, denn Zimt wärmt den Körper von innen und stabilisiert zusätzlich noch den Blutzuckerspiegel. Hier gehts zum Rezept!

Arbeitsphase: Magen
Ruhephase: Kreislauf

9 bis 11 Uhr – Die Milz

Die meisten Menschen arbeiten in dieser Zeit am effektivsten und können sich sehr gut konzentrieren. Die Milz ist laut TCM ein sehr wichtiges Organ, sie wird als die Mitte und DER Energieproduzent im Körper angesehen. Sie ist maßgeblich an der Produktion von weißen Blutkörperchen beteiligt und stärkt dadurch unsere Immunabwehr und den Energiehaushalt.

Mein Tipp: Muss man besonders leistungsfähig sein, dann sollte man die Zeit zwischen 9 und 11 Uhr dafür nutzen, denn da wird am meisten Energie für den Körper produziert. Auch unsere Denkfähigkeit ist zu diesem Zeitpunkt am höchsten.

Arbeitsphase: Milz
Ruhephase: Dreifacher Erwärmer

11 bis 13 Uhr – Das Herz

Der Herzmeridian kontrolliert das Kreislaufsystem und sorgt für das emotionale Gleichgewicht. In dieser Zeit sollte man etwas fürs Herz tun.

Mein Tipp: Ob das ein Mittagessen mit der Freundin ist oder ein entspannter Spaziergang durch den Wald, das ist jedem selbst überlassen. Einfach das tun, was einem gut tut! Während das Herz seine Hochphase hat, befindet sich die Gallenblase in der Ruhephase. Wir sollten also Dinge vermeiden, die ihr besonders schaden oder sie ankurbeln, und das ist fettiges Essen und Stress. Genau genommen geht es um Transfette. Sie entstehen durch eine starke Erhitzung von ungesättigten Fetten oder bei industriell hergestellten Fertigprodukten.

Arbeitsphase: Herz
Ruhephase: Gallenblase

13 bis 15 Uhr – Der Dünndarm

In dieser Zeit fallen viele oftmals in ein „Mittagstief“. Auch der Darm regeneriert sich sehr gerne unter Ruhe und Entspannung.

Mein Tipp: Ein kurzer Mittagsschlaf kann wahre Wunder wirken und dem Dünndarm genügend Zeit für sich und die Reinigung geben. Auch sollte man in dieser Zeit eher keine Nahrung mehr zu sich nehmen, das Mittagessen sollte also vorher stattfinden, damit der Dünndarm sich dann ab 13 Uhr auf die Verdauung und Verwertung der Nährstoffe konzentrieren kann. In der gleichen Zeit befindet sich die Leber in der Ruhephase. Auch hier sollten wir alles vermeiden, was ihr nicht gut tut, z.B. sollte man wenn möglich in dieser Zeit keine Medikamente oder Alkohol zu sich nehmen.

Arbeitsphase: Dünndarm
Ruhephase: Leber

15 bis 17 Uhr – Die Blase

Die Konzentration und Leistungsfähigkeit kommt nach dem kurzen Mittagstief wieder zurück. Laut TCM steht die Blase für aktives Handeln und Leistungsfähigkeit. Nun kann man also wieder ran an die Arbeit.

Mein Tipp: Um die Blase (und die Nieren) bei der Entwässerung zu unterstützen, sollte man in dieser Phase vermehrt Wasser zu sich nehmen, besonders in Form von Tees oder stillem Wasser.

Arbeitsphase: Blase
Ruhephase: Lunge

17 bis 19 Uhr – Die Nieren

Laut TCM regulieren die Nieren den Energiehaushalt und sind für die Sexualfunktion zuständig. Ab 17 Uhr fährt der Körper langsam herunter und bereitet sich auf den Schlaf vor. Gelangt zu wenig Energie in die Nieren, kann sich das in einem Schlafmangel bzw. Einschlafstörungen äußern.

Mein Tipp: Am besten fährt man ab 17 Uhr auch sein Arbeitspensum herunter und widmet sich entspannenderen Dingen, wie beispielsweise einem Spaziergang, Yoga, Meditation oder nimmt ein warmes Bad.

Arbeitsphase: Nieren
Ruhephase: Dickdarm

19 bis 21 Uhr – Der Kreislauf

Mit Kreislauf meint die TCM den Puls und den Blutdruck. Er bekommt in dieser Phase die komplette Energie, allerdings in der Form, dass sich Blutdruck und Puls regulieren. Der Kreislauf wird auch der „Perikard“ genannt und als Beschützer des Herzens angesehen. Er soll das Herz vor negativen Einflüssen schützen.

Mein Tipp: Auch hier ist wieder Zeit für mehr Herzensangelegenheiten, ob Zweisamkeit (auch die Libido wird in dieser Phase vermehrt angeregt!) oder schöne Stunden mit Freunden. Der Magen hat jetzt seine Ruhephase, weshalb die Nahrungsaufnahme eher vor 19 Uhr liegen sollte.

Arbeitsphase: Kreislauf
Ruhephase: Magen

21 bis 23 Uhr – Der Dreifache Erwärmer

Er ist keinem einzelnen Organ zugeordnet, sondern beschreibt wie der Kreislauf einen Prozess im Körper. Laut TCM reguliert der Dreifache Erwärmer das Nervensystem und wirkt sich auf alle Organe aus. Er sorgt für einen harmonischen Ablauf der Organfunktionen.

Mein Tipp: Zwischen 21 und 23 Uhr beginnt auch die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Man sollte nun langsam Ruhe einkehren lassen, das Licht etwas dimmen, elektronische Geräte vermeiden und lieber ein Buch lesen. Ätherische Öle, wie beispielsweise Lavendel, unterstützen den Körper bei der Ruhephase.

Arbeitsphase: Dreifacher Erwärmer
Ruhephase: Milz

23 bis 1 Uhr – Die Gallenblase

In der TCM dient die Gallenblase der Leber und unterstützt sie bei der Entgiftung. In dieser Phase ist der Körper am Tiefpunkt seiner Leistungsfähigkeit angekommen. Man sollte also wirklich darauf achten, dass man ihn während dieser Zeit Ruhe bzw. Schlaf gibt. Die Galle bereitet sich in dieser Zeit vor, die Leber dann ab 1 Uhr bei der Entgiftung zu unterstützen.

Mein Tipp: Am besten schläfst du in dieser Zeit schon. Wichtig ist, dass du dich wohl fühlst in deiner Schlafumgebung. Richte dir dein Schlafzimmer so ein, dass es eine Ruheoase für dich ist. Achte darauf, dass du frische Luft bekommst, Pflanzen im Zimmer stehen hast und kein großes Chaos in diesem Zimmer herrscht.

Arbeitsphase: Gallenblase
Ruhephase: Herz

Ratgeber

Wie kann man die Organuhr nutzen?

Persönlich nutze ich die Organuhr, um meinen Körper etwas besser zu verstehen. Seit ein paar Wochen habe ich z. B. wellenartige Schmerzen in der rechten Schulter und ein leichtes Stechen im rechten Oberbauch. Diese Symptome können auf ein Problem in der Gallenblase deuten. Interessant daran ist, dass ich seit den Beschwerden nachts auch regelmäßig zwischen 12 und 2 Uhr aufwache, zwar nur kurz, aber ich wache auf. Schaut man sich jetzt diese Uhrzeit auf der Organuhr an, dann ist das die Arbeitsphase der Gallenblase und der Leber. Das bestärkt mich natürlich in meiner Vermutung. Natürlich sollte man gewisse Beschwerden bzw. Vermutungen trotzdem von seinem Arzt abklären lassen. Ich finde aber, dass es unterstützend helfen kann, um herauszufinden, woher die Beschwerden kommen.

Hat man erstmal Vertrauen in die Organuhr nach TCM gefasst, kann man natürlich auch seinen Alltag darauf auslegen und damit seine Organe entsprechend unterstützen. Hat man beispielsweise die Möglichkeit, wichtige Termine zeitlich selbst zu organisieren, dann sollte man diese zwischen 9 und 11 Uhr legen, da dann die Konzentration und die Denkfähigkeit am höchsten ist. Gewisse Entspannungsübungen wie Yoga oder Mediation kann man dann beispielsweise zwischen 17 und 19 Uhr machen, da dann die Nieren den Energiehaushalt regulieren.

Analysiere deinen Schlaf!

Wachst du nachts oft auf? Auch wenn es nur für ein paar Sekunden ist? Schaue auf die Uhr und versuche, dir die Uhrzeit zu merken. Oder lege dir einen Stift und ein Blatt neben das Bett und notiere es, damit du es nicht vergisst. Organe wie die Gallenblase, die Leber, die Lunge, der Dickdarm und der Magen haben ihre Arbeitsphase nachts. Wachst du also in den jeweiligen Zeitfenstern häufiger auf, könnte das ein Hinweis auf ein Problem eines dieser Organe sein. Vielleicht gibt dir ja die Organuhr – so wie bei mir – einen Hinweis darauf, welches Organ für deine Beschwerden verantwortlich sein könnte. Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen. Teile sie gerne unten in den Kommentaren. Ich freue mich darauf!

Über die Autorin dieses Artikels

Sina nahm selbst 10 Jahre lang die Pille und hatte danach mit starken Hautunreinheiten zu kämpfen. Nun möchte sie Frauen helfen, ihre hormonellen Beschwerden wie das Ausbleiben der Periode oder Pickel zu bekämpfen. Als ausgebildeter Health Coach weiß sie, welche wichtige Rolle das Thema Ernährung spielt und teilt auf Generation-Pille sehr gerne ihr Wissen und Erfahrungen. Fragen und Anregungen kannst gerne persönlich an sina@generation-pille.com schicken.

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