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In meinem heutigen Beitrag betrachten wir die natürlichen Zyklen und Lebensphasen von uns Frauen durch die Brille des Ayurveda. Zweifelsohne sind wir Frauen rhythmische Wesen. Bedingt durch unser faszinierendes Hormonsystem wohl nochmal mehr als die Männer. Ein Grund mehr, Achtsamkeit für die Rhythmen der Natur zu entwickeln, um ein langes, gesundes und glückliches Leben im Einklang des Kosmos zu führen.

Wiederfinden im Ayurveda

Im Ayurveda fand ich für mich das große Heilwissen, welches aus meiner Sicht wie kein Zweites den Fachbereich der Chronobiologie, die Lehre der biologischen Rhythmen, so wundervoll in jegliche Therapieansätze mit einfließen lässt. Alles im Kosmos bewegt sich in Zyklen, seien es der Tag-Nachtzyklus, der Menstruationszyklus, die Jahreszeiten oder die Lebensphasen. Alles fügt sich ein in das Wechselspiel der Natur von Aufbau (Kapha), Bestehen, Hervorbringen und Transformieren (Pitta) und Vergehen (Vata).

In meinem heutigen Beitrag möchte ich den Fokus insbesondere auf die für uns Frauen bedeutendsten Zyklen legen, den Menstruationszyklus und die Lebensphasen.

Die fünf Elemente – alles ist da

Ayurveda ist so herrlich einfach. Und wenn man die wenigen Grundprinzipien versteht, kann man sich selbst viel Wertvolles für sein Leben herleiten. Die Basis im Ayurveda ist das Wissen um die fünf Elemente: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum. In allem, was lebt, sind immer alle fünf Elemente vorhanden, ansonsten wäre es nicht lebensfähig.

Betrachten wir einen Menschen, so steht die körperliche Struktur, das was Form gibt, für das Element Erde. Unstrittig ist, dass wir zu 70 – 80 % aus Wasser bestehen. Alle Stoffwechselvorgänge im Körper stehen für das Element Feuer. Alle Hohlorgane, wie z.B. der Darm oder der Magen, repräsentieren den Raum. Alle beweglichen Prinzipien, wie z.B. der Wimpern- oder Herzschlag, sind Ausdruck des Luftelements. Fazit: Jeder Mensch trägt alle 5 Elemente in sich, einzig mengenmäßig sind diese in jedem von uns unterschiedlich stark vertreten. Dieses mengenmäßige Verhältnis macht die individuelle Konstitution eines jeden Menschen aus.

Prakriti – unsere Ur-Natur

Neben unserer körperlichen Konstitution bringen die 5 Elemente auch unsere Bioenergien (Doshas) hervor. In diesem Zusammenhang spricht der Ayurveda von den Funktionen Vata, Pitta und Kapha. Dabei ist Vata ein Zusammenschluss der Elemente Luft und Raum, Pitta geht aus Feuer und etwas Wasser hervor und Kapha aus Erde und Wasser. In allen Menschen sind von Geburt an ein bis zwei Bioenergien dominant. Die ist unsere Prakriti (Urnatur).

Leben im Takt der Natur – der Schlüssel zur Gesundheit

Die Prakriti bleibt unser ganzes Leben lang die Gleiche. Gemäß ihr sollten wir unser Leben ausrichten. Manchmal weicht unser Zustand (körperlich wie auch mental) von unserer Prakriti ab. So können z. B. belastende Ereignisse, aber auch Fehlernährung, Stress, etc. unsere Prakriti aus der Balance bringen. Diesen Zustand beschreibt der Ayurveda als Vikriti, ein Leben gegen die eigene Natur. Vikriti ist die Basis für Dysbalancen und Entwicklung von Krankheiten.

Wer seine eigene Konstitution (Prakriti) und aktuellen Zustand (Vikriti) gut kennt, kann die Zyklen und Phasen der Natur ganz wundervoll nutzen, um in Balance zu bleiben, möglichen Krankheiten vorzubeugen, oder auch, um auf sanfte, natürliche Art und Weise wieder in ein gesundes Gleichgewicht zu kommen. Denn das Achten und Leben mit den Naturrhythmen erzeugt Balance. Richten wir uns gegen den Takt der Natur, kostet dies viel Kraft und schafft die Grundlage für Krankheit. Auch alle Lebensrhythmen und -zyklen werden im Ayurveda nach Vata-, Pitta- und Kapha-Dominanz eingeteilt.

Der Monatszyklus – der Mond führt Regie

 

Die Phasen des Mondes spielen für die menschliche Psyche und den Menstruationszyklus von uns Frauen eine entscheidende Rolle. Nicht umsonst dauert ein Menstruationszyklus einer Frau bei ausgeglichenen Bioenergien ca. 28 Tage. Genauso lange wie ein Mondzyklus zwischen zwei Neumonden. Bei einer gesunden Frau, die in harmonischer Verbundenheit mit den Rhythmen der Natur lebt, sieht laut Ayurveda ein gesunder Zyklus wie folgt aus:

Neumond – Vatazeit

Mit dem Neumond befindet sich Vata auf seinem Höhepunkt. Unser Geschlechtshormon Progesteron sinkt und mit ihm auch die Basaltemperatur. Die Menstruationsblutung setzt ein. Die Gebärmutterschleimhaut, die sich über den zurückliegenden Zyklus aufgebaut hat, vergeht und wird ausgeschieden. Wir erinnern uns: Vata = Luft & Raum, das Prinzip der Vergänglichkeit. Laut Ayurveda sollte an den Tagen der Blutung die Energie nach unten gerichtet bleiben, um den allmonatlichen Entgiftungs- und Reinigungsprozess nicht zu stören. Alles, was den Energiefluss nach oben provoziert, wie z. B. zu starke körperliche Anstrengung, Stress, anstrengende Gespräche, aber auch Meditation soll nach Möglichkeit an diesen Tagen vermieden werden.

Zunehmender Mond – Kaphazeit

Mit jedem Tag des zunehmenden Mondes lässt die Kraft von Vata und mit ihr auch die Blutung nach. Das aufbauende Prinzip von Kapha gewinnt zunehmend an Einfluss. In dieser Zeit speichert der Körper neue Energien, wir werden sehr leistungs- und widerstandsfähig. Unter dem Einfluss eines steigenden Östrogenspiegels reift eine neue Eizelle heran. Auch die Gebärmutterschleimhaut bildet sich neu und bereitet sich auf eine mögliche Einnistung eines befruchteten Eis vor.

Dies sind die Tage, in denen unser Alltag uns leicht von der Hand geht, wir uns sehr kommunikationsstark und unternehmungslustig fühlen. In dieser Zeit profitiert unser Körper zudem am besten von aufbauende Kuren. Um unser Kapha sanft zu unterstützen, sollten leichtes Vollkorngetreide, erdige Gemüsesorten, wie z.B. Karotten, Rote Beete, Kartoffeln oder Kürbis, auf unserem Speiseplan stehen. Auch etwas Milchprodukte oder Geflügelfleisch aus biologischer Herkunft unterstützen unseren Körper bei all seinen aufbauenden Prozessen in dieser Zeit.

Vollmond – Pittazeit

Mit zunehmendem Mond wird Kapha nach und nach von dem Feuerelement Pitta abgelöst, welches mit dem Vollmond seinen Höhepunkt erfährt und den Eisprung stattfinden lässt. Besonders feinfühlige Frauen fühlen sich von dieser Kraft so aufgeladen, dass sie in der Vollmondnacht nur schwer einschlafen können. Dies ist genauso von der Natur gewünscht – sind die Tage um den Eisprung herum doch die Fruchtbarsten.

Am Tag nach dem Eisprung steigt unser Progesteronspiegel wieder an und unser Östrogen fällt ab. Passend zur Hitze von Pitta steigt unsere Basaltemperatur um ca. 0,5 Grad an und bleibt in dieser 2. Zyklushälfte auf einem hohen Niveau. Die von Schaffenskraft geprägte Pitta-Zeit ist ideal, um neue Ideen und Projekte zu verwirklichen.

Abnehmender Mond – zunehmendes Vata

Mit abnehmendem Mond zieht sich die extrovertierte Pitta-Energie zunehmend zurück und überlässt Vata wieder den Raum. Genau wie sich in der Vata dominierten Jahreszeit Winter in den Pflanzen die Energie und Säfte zur Wurzel zurückziehen, so beginnt auch in uns Frauen die Phase des Rückzugs, Reflektierens, Bewertens und Entgiftens – eine ideale Zeit für alle Reinigungs- auch Ausleitungskuren.

Leicht verdauliche, warme Mahlzeiten unterstützen den Körper beim Loslassen und Reinigen. Viel gedünstetes Gemüse, Obst, gut gewürzte Hülsenfrüchte, gesunde Öle, leicht verdauliches Getreide und viele frische Kräuter unterstützen die reinigenden Prozesse. Am Ende des Zyklus nimmt die körperliche Energie merklich ab und lädt zur Ruhe und Einkehr ein. Mit dem Neumond setzt die Blutung erneut ein und bereitet den Körper auf die wiederkehrende Reifungsphase vor.

Die Lebensphasen – „You are like an apple tree“

So gerne erinnere ich mich an die Worte meines indischen Ayurvedalehrers Vijay, als wir in seinem Kurhaus in Indien auf der Veranda saßen, den Blick in das Grün des angrenzenden Urwalds, und über die Lebenszyklen philosophierten. Unser Leben verläuft wie die Zyklen eines Apfelbaums. Der Baum bleibt immer derselbe, erfährt aber Jahr für Jahr die Zyklen des Heranwachsens (Kapha), Hervorbringens (Pitta) und Vergehens (Vata):

Im Frühling sprießen neue Knospen, saftig grüne, kleine Blätter treiben aus. Die fruchtbaren Qualitäten von Erde und Wasser dominieren diese Jahreszeit. Die wundervolle Apfelblüte dürfen wir im Mai genießen, bevor die ersten Früchtchen zu sehen sind. Es wird wärmer, Kapha nimmt ab, um die Regie Pitta zu überlassen. Die Früchte reifen über die heißen Sommermonate weiter heran, werden immer saftiger und süßer, um dann im Herbst – zur rechten Zeit – geerntet zu werden. Im weiteren Verlauf des Jahres verfärben sich die Blätter – langsam löst Vata Pitta ab. Es wird kühler, die Blätter werden trockener, verwelken, fallen ab und vergehen. Im Winter zieht der Baum all seine Energien und Säfte zurück unter die Erde, in sein Wurzelwerk.

Der Ayurveda unterteilt das Leben einer Frau in drei Haupt- und sieben Unterphasen

Lebensphase Alter Dosha-Verhältnis
Kindheit 0 – 10
10-12
12-16
Kapha+++ Pitta+ Vata+
Kapha+++ Pitta++ Vata+
Kapha+++ Pitta+++ Vata+
Erwachsenenalter 16-40
40-50
50
Pitta+++ Kapha++ Vata+
Pitta+++ Vata++ Kapha+
Vata+++ Pitta++ Kapha+
Höheres Alter > 50 Vata+++ Pitta+ Kapha+

Ein kleines Mädchen erblickt das Licht der Welt

In der von Kapha dominierten Kindheit wächst nicht nur unser Körper heran, auch unser Geist ist aufnahmefähig und saugt neues Wissen auf wie ein Schwamm. Unser kleiner Horizont erweitert sich zunehmend. Als Baby und Kind haben wir das natürliche Bedürfnis nach Kapha-Qualitäten wie Regelmäßigkeit, Struktur, Ordnung, Geborgenheit und Sicherheit. Die Kraft von Kapha unterstützt uns und legt den Grundstein für unsere weitere Entwicklung.

Das Lebensfeuer erwacht

Mit der Pubertät erwacht langsam unsere Pitta-Energie. Unsere Weiblichkeit reift heran. Ein ganz besonderes Ereignis im Leben eines Mädchens ist der Tag, an dem es zum ersten Mal seine Periode bekommt. Die Menstruation verkörpert Fruchtbarkeit und ist ein sehr persönlicher Aspekt unseres Frauseins. Das Feuer von Pitta fördert zudem einen neugierigen Geist des Hinterfragens, aber auch des Rebellierens. Wir möchten uns abnabeln, selbst finden, unsere eigene Identität formen. Transformation pur. Das Kräftemessen, bei dem Pitta allmählich die Oberhand gegenüber Kapha gewinnt, zeigt sich körperlich oft in unreiner Haut, zunehmendem Körpergeruch, aber auch in psychisch wechselnden Stimmungen.

Im Erwachsenenalter hat sich unser Pitta stabilisiert und wir sind auf dem Höhepunkt unserer körperlichen und geistigen Energie. Wir strotzen vor weiblicher Schaffenskraft, haben unsere persönliche Identität gefunden und möchten uns dieser gemäß verwirklichen. Sei es in unserem Beruf oder durch das Gründen einer eigenen Familie. Bei all dem hilft uns die Pitta-Energie: Sie gibt uns Klarheit, Elan und Durchsetzungsvermögen.

Leben heißt Wandel

Als reifere Frau, ab ca. 40 Jahren, spüren wir möglicherweise leichte energetische und körperliche Veränderungen. Noch immer ist Pitta dominant, allerdings schimmert auch langsam die luftigere, trockenere Vata-Energie durch. Das fruchtbare, stabile Kapha gerät immer mehr in den Hintergrund. Wir Frauen entdecken die ersten Fältchen im Gesicht und hadern vielleicht mit dem ein oder anderen kleinen Bauchröllchen. Bei manchen Frauen kündigt sich schon die Prämenopause an. Ein langsam sinkender Progesteronspiegel sorgt für unregelmäßigere Zyklen, verstärktes PMS oder wechselhafte Blutungen.

Vata-Qualitäten wertschätzen

In den Jahren rund um die Menopause (ca. 48 – 52 Jahre) wird die Pitta-Dominanz mehr und mehr von der Vata-Energie des Alters abgelöst. Durch den weiter abfallenden Progesteron- und inzwischen auch Östrogenspiegel verändert sich unser Körper weiter.

Vata-Eigenschaften wie Trockenheit, Zartheit, Zerbrechlichkeit nehmen zu. Diese Jahre sind wohl die fragilsten für uns Frauen. Das erneute Kräftemessen unserer Doshas, diesmal von Pitta und Vata, kann immer wieder zu Spannungen führen, die wir besonders herausfordernd empfinden. Das Leben ist Veränderung und so wie der Herbst und Winter zu jedem Jahr gehören, so gehört auch unser Reifen und Altern zum Leben.

Die Früchte des Lebens ernten

Auch diese späte – immer länger werdende – Lebensphase anzunehmen und zu genießen, kann ein sehr heilsamer Prozess sein. Wir dürfen beginnen, uns mehr Ruhe zu gönnen, müssen uns in keiner Hinsicht mehr beweisen, dürfen unseren Körper liebevoll nähren und pflegen. Die Kinder gehen oder sind schon aus dem Haus, das Ende der beruflichen Laufbahn ist vielleicht absehbar. Mental richten wir unseren Blick vom äußeren Trubel allmählich nach innen und erfahren vielleicht ganz neue Qualitäten und Einsichten in unserem Leben. Für viele Frauen beginnt ein neuer, möglicherweise immer noch sehr aktiver Lebensabschnitt, in dem sie ihre Werte nochmal weiter vertiefen, weitergeben und ihre innere Berufung klarer wahrnehmen und ihr folgen.

Der Höhepunkt unserer geistigen Weisheit

Während wir im Alter den Zenit unserer körperlichen Aktivität überschritten haben, liegt laut Ayurveda der Höhepunkt unserer geistigen Weisheit noch vor uns. Und es lohnt sich, auf diesen dann so kraftvollen Aspekt unseres Daseins den inneren Blick und Fokus zu richten. Was kann es Schöneres geben, als einen friedvollen, gesunden und glücklichen Lebensabend in tiefer Verbundenheit mit sich selbst zu genießen. Auch Herbst und Winter halten ganz wundervolle und zauberhafte Momente für uns bereit.

Je verbundener wir unser Leben im Einklang der natürlichen Rhythmen, aber auch in Achtung und Wertschätzung unserer ganz individuellen Prakriti leben, umso gesünder und zufriedener werden wir alle Lebensphasen erfahren und genießen. Denn Ayurveda möchte dem Leben nicht nur mehr Jahre, sondern allen Jahren auch mehr Leben schenken.