Dr. med Yael Adler schreibt für die FAZ die Rubrik „Sagen Sie mal, Frau Doktor“, in der sie zu vielen gesundheitlichen Themen Stellung bezieht. Vor kurzem ging es tatsächlich um die Frage, wie belastend die Pille für den weiblichen Körper ist. Von diesem Artikel war ich dermaßen begeistert, dass ich noch in der gleichen Sekunde ein Interview mit dieser tollen Ärztin anfragte.

So offen und ehrlich wie Dr. Adler über Wirkweise und Nebenwirkungen und unter objektiver, ganzheitlicher Betrachtung über die Pille schreibt, ist sie definitiv die richtige Anprechpartnerin für ein Thema, das viele Frauen betrifft: Pickel, Akne und Hautprobleme. Ehrlich gesagt, haben wir schon länger Ausschau nach Hautärzten gehalten, die für „hormonelle“ Akne und Probleme nach dem Absetzen hormoneller Verhütungsmittel eine andere Lösung haben, als einfach zurück zur Pille oder auch Kortison zu greifen.

In dem Moment, als ich den besagten Artikel in der FAZ gelesen hatte, war mir klar, dass Dr. Adler genau die richtige für diese Fragen ist. Genau aus diesem Grund habe ich ihr die 5 häufigsten Fragen zu Akne und Hautunreinheiten gestellt und sehr überraschende, aber vor allem sehr hilfreiche Antworten bekommen.

An dieser Stelle nochmal vielen Dank an Dr. med. Adler!

Dr. med. Yael Adler hat sich mit Haut und Haaren der Dermatologie verschrieben. Angeregt durch ihren Großvater, der Hautarzt war, studierte sie in Frankfurt und Berlin, promovierte 1999 und machte, neben ihrem Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, noch eine Zusatzausbildung zur Phlebologin und Ernährungsmedizinerin nach DGEM.

Seit 2007 praktiziert Yael Adler in ihrer Privatpraxis in Berlin, dem Zentrum für Haut-, Venen- und Lasermedizin. Die engagierte Hautärztin gibt seit vielen Jahren Experten-Rat in TV-Magazinen, Gesundheitssendungen und Zeitschriften und vermittelt Patienten wie Interessierten ihr faszinierendes Wissen rund um unser größtes Organ. Zudem moderiert Yael Adler medizinische Fachveranstaltungen und hält Infotainment-Vorträge mit Standup-Sprechstunde.

Mit ihrem im Herbst 2016 publizierten internationalen Sachbuch-Bestseller „Haut nah“ begeistert die Dermatologin bis heute Leser in der ganzen Welt. Das Buch wurde inzwischen in 27 Sprachen übersetzt.

Kontakt zu Dr. Yael Adler www.yael-adler.de

Gibt es eine rein hormonell bedingte Akne oder spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle?

„Eine ganz wichtige Rolle spielt die Ernährung. Die moderne Zivilisationskost führt in vielen Fällen zur Akne, ganz besonders die Milch mit ihren insulinotropen Aminosäuren, die im Körper den Insulin-like growth factor (IGF-1) freisetzen. Das ist ein Wachstumshormon, das Körperwachstum anregt, was bei Erwachsenen ja eigentlich gar nicht erwünscht ist, und deswegen führt das z. B. zu Übergewicht, zu Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, kann auch zu Krebs führen, und vergrößerten Talgdrüsen, die dann eben eine Akne auslösen.

Auch weißes Mehl und Zucker wirken massiv insulinausschüttend. Der Insulinspiegel steigt also stark und schnell an und sorgt ebenfalls für diese Wachstumsreize auf die Talgdrüsen. Man glaubt, dass dieser massive Anstieg des Milch-, Zucker- und Weißmehlkonsums zu der heutzutage so stark tobenden Akne auch bei Erwachsenen geführt hat.

Weitere Faktoren sind Mängel an Mikronährstoffen im Blut.

Das liegt daran, dass die Nahrung, die wir heute zu uns nehmen, oft nicht mehr mikronährstoffreich ist. Wir haben zwar viel Nahrung, aber die ist eben durch von Mineralien entleerte Böden, lange Transportwege, Kühlhäuser oder Gewächshäuser nicht mehr so voll von diesen Vitalstoffen. Wenn diese dann fehlen, obwohl wir genug essen, dann kann die Haut nicht richtig funktionieren. Auch Entzündungen können nicht richtig abheilen bzw. werden gefördert. Das kommt auch daher, dass die Darmflora verändert ist. Die Bakterien im Darm sind einerseits dafür verantwortlich, selbst Vitamine für uns zu bilden, die wir dann für unseren Organismus nutzen können. Und andererseits hilft uns eine vielfältige Ausstattung mit „guten“ Bakterien auch dabei, mehr Mikronährstoffe aus der Nahrung aufzunehmen. Ist die Darmflora aber verschoben, findet keine Vitaminbildung statt und auch die Magen-Darm-Passage ist verändert, d.h. die Aufnahme von Mikronährstoffen kann reduziert sein.

Also… die eigene Herstellung von Vitaminen durch unsere Bakterien, die Passagegeschwindigkeit und die Aufnahmefähigkeit der Schleimhaut sind beeinträchtigt, wenn die Darmflora verändert ist. Und das ist von vielen Faktoren abhängig, z.B. von Stress, von Antibiosen, ob man vaginal entbunden wurde oder über Kaiserschnitt, ob man gestillt wurde, außerdem von Pestiziden und vor allem auch von balaststoffarmer Nahrung und auch von nicht mehr lebendigem Essen, was wir essen.

Früher aß man eben Blätter oder auch Salat aus dem Garten.

Da sind liebe Bakterien drauf, die unsere Darmflora stärken. Oder auch echte probiotische Joghurte, die nicht pasteurisiert sind, wo noch lebendige Bakterien drin sind, oder nicht pasteurisiertes Sauerkraut. All das fehlt heutzutage. Deswegen haben wir eine Verringerung der Artenvielfalt mit den verschiedensten Erkrankungen, auch mit Entzündungen in der Haut und eben Akneneigung.

Es gibt noch weitere Faktoren, warum man eine Akne bekommen kann, z. B. eine falsche Hautpflege.

Wer also viele fettige Produkte im Gesicht benutzt, wie Tagescreme und Nachtcreme, oder wer sich auch zu aggressiv reinigt oder auch fettige Make ups mit Mineralölen verwendet, verstopft seine Poren und setzt Entzündungsreize und das kann ebenfalls eine Kosmetik-Akne hervorrufen.“

Welche Rolle spielen Vitalstoffe? Gibt es welche, die Sie besonders wichtig für die Haut halten?

„Am besten ist es immer, wenn man sich im Blut ein Mikronährstoffprofil mit allemöglichen Vitaminen, Spurenelementen, Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren erstellen lässt – auch die Schilddrüsensituation und die Hormonlage natürlich -, um dann gezielt zu schauen, was fehlt.

Omega 3, Zink, Selen und Vitamin D

Omega 3 haben wir alle zu wenig. Und wenn man das hochdosiert einnimmt, also hoch genug bzw. ausreichend dosiert, dann wirkt das im Körper antientzündlich und kann die Hautqualität massiv verbessern. Es gibt z. B. Omega-3-Fettsäuren in Form von Fischöl bzw. Fischölkapseln oder für Veganer auch als Algenöl. Dann ist Vitamin D, das unsere Haut normalerweise in der Sonne selbst herstellt, wichtig. Wenn man eine gesunde Niere hat und erwachsen ist, dann kann man z. B. 1.000 Einheiten am Tag sehr gut vertragen. Auch der Selenspiegel ist bei den meisten Menschen mangelhaft. Da schadet es nicht, wenn man z. B. zwei Paranüsse am Tag oder auch Kokosnuss isst. Oder man nimmt eben einfach Selen als Nahrungsergänzungsmittel, sagen wir mal für 3 Monate, um zu schauen, ob man einen positiven Effekt hat. Selen ist sehr gut für Haut, Haare und Nägel und auch gegen Entzündungen.

Gerade wenn man zur Akne neigt, ist auch Zink sehr gut. Da kann man z. B. Zinkorot nehmen, 25 mg als Wirkstoff, und das 1 x täglich über 3 Monate. Allerdings nicht länger, weil es sonst den Kupferhaushalt stören kann. So bekommt man aber erstmal einen Anschwung für die Hautheilung.

Was auch noch bestimmt werden kann und von den meisten Kassen auch übernommen wird, ist der Vitamin-B12-Spiegel und der Eisenspiegel. Das sollte man auch unbedingt checken lassen, weil ein Eisenmangel auch mal mit einer Akne einhergehen kann. Am besten ist es aber, grundsätzlich Vitamine erst nach einer Blutanalyse einzunehmen, sonst kann man auch einen gegenteiligen Effekt erzielen.

Allerdings hat man bei denen, die ich jetzt genannt habe, ziemlich viel Spiel und eigentlich keine oder nur geringe Risiken, dass man da was kaputt macht. Im Gegenteil.“

Gibt es etwas, was man Ihrer Meinung nach beim Absetzen der Pille unbedingt beachten sollte, um Pickel zu vermeiden?

„Jetzt muss man erstmal natürlich sagen, dass die Pille bzw. die Hormonspirale oder auch der Hormonring, das Hormonstäbchen und all diese Produkte künstliche Hormone im Körper freisetzen. Gerade wenn in der Pille Wirkstoffe enthalten sind, die wie ein männliches Hormon wirken, kann man alleine auch durch diese Verhütungsmittel eine Akne bekommen. Es kann auch passieren, dass die Haut eine Akne bekommt, wenn man eine Pille absetzt, die z. B. ein anti-männliches Hormon hatte.

Also sowohl die Einnahme der Pille oder eines anderen hormonellen Verhütungsmittels als auch das Absetzen kann eine Akne auslösen, weil es zu einer hormonellen Dysregulation kommt.

Hormone spielen überhaupt eine sehr große Rolle bei der Akne. Man weiß, dass männliche Hormone die Talgdrüsen stimulieren. Diese männlichen Hormone haben natürlich auch Frauen. Weitere Symptome sind dann fettige Haut oder Haarausfall oder auch verstärkter Haarwuchs am Kinn. Das sind dann so genannte „Vermännlichungssymptome“. Wenn man die Pille absetzt und man davor schon eine Akneneigung hatte, sollte man akneprovozierende Faktoren vermeiden, wie zu fettige Pflege oder Nahrungsmittel, die die Akne fördern.  Zu diesen Nahrungsmitteln gehören: Milch, Zucker, weißes Mehl, und Fast Food – ganz wichtig mit den Transfetten, die sonst ja kaum in der normalen Ernährung vorkommen, aber im Fast Food ganz massiv.

Stress ist dann auch noch ein starker Faktor mit dem Cortisol, das auch die Talgdrüsen stimuliert und die Hormonlage verschiebt. Also auch Stress reduzieren, was ein ganz schwierig zu befolgender und sehr pauschaler Tipp ist.“

Welche Reinigungstipps würden Sie geben bzw. worauf sollte man gerade bei Problemhaut achten?

„Ich empfehle jedem morgens und abends warmes Wasser und ein Handtuch. Weitere Reinigungsmittel sind nicht erforderlich, denn auf diese Art schafft man es, seine eigene Hautschutzbarriere wieder aufzubauen. Diese besteht aus körpereigenen Fetten, einer Mischung aus Talg, Oberflächenepidermis-Schutzfetten, einem sauren PH-Wert (von um die PH 5), schützenden Hornschüppchen und einem Mikrobiom. Das Mikrobiom besteht aus lieben Schutzbakterien, die aber, wenn man zuviel Cremes bzw. überhaupt Cremes verwendet, durch die enthaltenen Konservierungsmittel, in ihrer Zusammensetzung beeinträchtigt, verändert oder zerstört werden.

Warmes Wasser & Handtuch reichen aus!

Also lieber die Naturceme, die der Körper selbst aus seiner eigenen Gesichtshaut herstellt, drauf lassen und nur den Überschuss mit warmem Wasser und einem Handtuch entfernen. Dann ist man auch nicht schmutzig. Wenn man Make up verwendet, dann kann man das trotzdem so machen. Man sollte allerdings kein fettes, mineralölhaltiges, klebriges Make up verwenden, sondern eher ein bisschen was leichtes, so dass die Haut atmen kann. Dann ist es auch nicht schlimm, wenn Partikel wie Zinkoxid oder Titandioxid, die im Make up enthalten sind, zum Teil auf der Haut liegen bleiben. Diese sind sogar hautberuhigend und können überschüssiges Fett aufsaugen. Man macht also weniger kaputt, wenn man die Haut nicht porentief reinigt, als wenn man die Haut mit Peelings, Schäumen, Seifen oder alkoholischen Tinkturen behandelt.“

Worauf sollte man als Patientin mit Hautproblemen bei der Wahl des Hautarztes achten, damit man nicht einfach nur Cortison-Cremes oder sogar wieder die Pille verschrieben bekommt?

„Das ist natürlich eine sehr schwierige Frage. Man sollte als Patient, als Mensch grundsätzlich mündig sein, sich mit seinem Körper auskennen und sich auf die Natur des Organismus besinnen. Es ist auch gut, erst mal zu versuchen, sich selbst ins Gleichgewicht zu bringen, also wirklich auf diese Zivilisationsreize so gut wie es geht zu verzichten. Lifestyle hat einen großen Einfluss auf die Hautgesundheit.

Wenn man dann nicht weiter kommt, kann man sich ärztliche Unterstützung suchen. Manche Hautärzte bieten ja auch z. B. bei einer Akne medizinische Fruchtsäurebehandlungen an. Die sind zumindest therapieunterstützend. Es gibt auch richtig gute Akne-Cremes auf Rezept. Und Cortison nutzt man bei einer Akne ohnehin nicht.

Die Pille nur bei Hormonstörungen.

Ich finde, die Pille sollte nur verschrieben werden, wenn eine Hormonstörung vorliegt. Also wenn wirklich eine Erkrankung mit der Pille behandelt werden muss, wie z. B. Endometriose. Ansonsten halte ich die Pille für grundsätzlich kontraproduktiv und würde immer auf andere Verhütungsmethoden umsteigen, wie z.B. Kupferkettchen, die finde ich sehr schonend. Es gibt auch einen Kupferball, aber der ist noch nicht so lange auf dem Markt, oder sonstige hormonfreie Methoden. Die Pille hat eben Nebenwirkungen, wie Sie ja auf Ihrem Blog auch schreiben, und die heimst man sich dann alle mit ein.

Wenn man eine sehr schwere Akne hat, dann gibt es natürlich auch Möglichkeiten. Manche Hautärzte geben Antibiotika, die machen allerdings wieder die Darmflora kaputt. Es gibt auch Vitamin-A-Säuretabletten, diese kann man in der Hochdosistherapie über ein halbes Jahr nehmen. Das kann allerdings zu trockener Haut oder trockenen Schleimhäuten führen, aber diese Behandlung hat hohe Prozentsätze für eine dauerhafte Heilung. Davor ist aber wirklich wirklich wichtig zu wissen, ob man eine normale Hormonlage hat! Angenommen, man hat zu viele männliche Hormone, zu hohes Cortisol oder zu viel von dem Kopfdrüsenhormon Prolaktin, dann könnten dadurch die Talgdrüsen nach der Behandlung wieder groß wachsen. So kann das Problem dann wieder von vorne anfangen. Ist da aber alles in Ordnung, dann ist man mit so einer Vitamin-A-Säure-Hochdosistherapie für ein halbes Jahr eigentlich meist geheilt. Sie ist allerdings nur für die Patienten, die so eine schwere Akne haben, dass sie zu Narben neigen.

Dann gibt es eine Niedrigdosistherapie für die etwas erwachseneren Patienten. Da kann man z. B. dieses Vitamin-A-Säure-Produkt sehr niedrig dosiert – eine Tablette alle paar Tage – nehmen. Auch dann kann man die Akne in Schach halten, aber nicht heilen. Weder die Hochdosis- noch die Niedrigdosistherapie ist für Frauen mit aktuellem Kinderwunsch geeignet. Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter müssen sicher verhüten.

Kein Vitamin A in der Schwangerschaft.

Trotzdem ist das für die Haut und den Anwender eine gute Alternative, weil man es eben auch langfristig machen kann und die positiven Effekte von dem Vitamin A auch gleich mit nutzt. Zum Beispiel hat Vitamin A einen Anti-Aging- und sogar ein bisschen einen Anti-Hautkrebs-Effekt, wobei es dafür jetzt nicht ausdrücklich zugelassen ist. Während dieser Behandlung darf man aber eben nicht schwanger werden, weil Vitamin A in der Schwangerschaft verboten ist.

Wenn man das mal ein halbes Jahr durchgezogen hat, ist die Prognose eben gut, dass die Akne weg ist. Auch während der Niedrigdosistherapie muss man aktiv verhüten. Für Männer ist es also ganz easy, die können diese Therapie dann ohne Folgen für ihre Spermien sehr gut einnehmen.“

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Über die Autorin dieses Artikels

Isabel ist Gründerin von Generation Pille und Autorin des Buches "ByeBye Pille". Ziel der Seite und jedem einzelnen Beitrag ist es, Frauen zu helfen, ihren Körper besser zu verstehen, Symptome zu deuten und sowohl körperliche als auch hormonelle Zusammenhänge zu begreifen. Der Fokus ihrer Beiträge liegt hierbei ganz klar auf den Themengebieten Frauengesundheit, Hormone, hormonelle Beschwerden und natürliche Verhütung. Fragen oder Anregungen kannst du gerne persönlich per Mail an isabel@generation-pille.com schicken.