Den eigenen Partner plötzlich „nicht mehr riechen können“. Was bedeutet das eigentlich? Dieser Beitrag liegt mir besonders am Herzen, denn er zeigt einen wichtigen Teil meiner persönlichen Geschichte. Was ich erlebt habe, wie ich damit heute umgehe und was ich euch mit auf den Weg geben möchte, werde ich in diesem Artikel beschreiben.

Hier findest du den Beitrag und meine Geschichte auch als Podcast:

„Die Pille und die Partnerwahl“

Es gibt Frauen, die werden durch das Absetzen der Pille ihre langjährigen Beschwerden los und fühlen sich rundum wohl in ihrem Körper. Es gibt aber auch Frauen, deren Welt dann plötzlich auf dem Kopf steht, ihr Hormonsystem spielt verrückt, sie leiden unter Stimmungsschwankungen oder kämpfen mit lästigem Haarausfall oder unreiner Haut. Doch dann gibt es auch noch die Frauen, die auf einmal bemerken, dass sie sich ein Leben mit ihrem Partner plötzlich gar nicht mehr vorstellen können. Wie kann so etwas passieren? Warum hört oder liest man so oft, dass Frauen nach dem Absetzen der hormonellen Verhütung den vertrauten Partner „nicht mehr riechen können“?

Etwas vorab

Es geht hier in keiner Weise darum, dass ich euch Angst machen möchte, im Gegenteil. Ich möchte den Frauen helfen, die in einer ähnlichen Situation sind, wie ich es war. Mit meiner Geschichte will ich euch Mut machen, dass es immer weitergeht und jeder Schritt, den ihr aus eurer Entscheidung heraus geht, ein guter und wertvoller Schritt ist.

Doch kommen wir erst zu ein paar Fakten und dem wissenschaftlichen Hintergrund:

Für den menschlichen Körper sind zwei Dinge das oberste Gebot: Das Überleben und das Fortpflanzen. Darauf ist unser gesamtes Leben programmiert. Der Körper einer Frau bereitet sich im fruchtbaren Alter in jedem Zyklus auf eine mögliche Empfängnis vor. Sie hat also im besten Fall jeden Monat einen Eisprung, sofern der Körper entscheidet, dass gerade ein guter Zeitpunkt für Nachwuchs ist. Ist man beispielsweise zu gestresst oder krank, entscheidet der Körper sich gegen eine Empfängnis und deshalb bleibt der Eisprung aus. Doch an diesem Punkt hört der Einfluss unseres Körpers noch nicht auf. Tatsächlich entscheidet er, wenn auch unbewusst und für uns kaum spürbar, wer der richtige Partner ist.

Habt ihr euch schon mal gefragt, wieso wir manche Männer super anziehend finden und andere gar nicht? Wie kann es sein, dass ich den Typ meiner besten Freundin überhaupt nicht attraktiv finde, sie ihn im Gegensatz aber direkt bespringen möchte? Man stellt sich diese Fragen eher selten, und wenn, dann tut man sie meist ab mit der Begründung „Geschmäcker sind eben verschieden“. Ja, sind sie. Aber warum?

Dein Körper bestimmt die Partnerwahl, nicht du!

Aus evolutionärer Sicht ist es wichtig, dass die Nachkommen mit dem bestmöglichen genetischen Material ausgestattet werden. Und genau das versucht der Körper sicherzustellen, besser gesagt das Immunsystem. Es besteht aus winzig kleinen Zellen und Botenstoffen und bildet das Abwehrsystem in unserem Körper. Das Immunsystem ist dafür zuständig, fremde Bakterien, Viren oder Schädlinge abzutöten oder gar nicht erst reinzulassen. Hierfür bildet es MHC-Moleküle, und diese Moleküle sind es auch, die bei der Partnerwahl eine große Rolle spielen. Sucht sich die Frau nun ihren Partner aus, wird ihr Immunsystem den Mann auswählen, der nicht über die identischen Moleküle verfügt wie sie selbst. Der Grund dafür ist, dass die Nachkommen mit einer Vielzahl an Molekülarten versorgt werden sollen. Und das gelingt am besten, wenn das Paar verschiedene Molekülarten aufweist.

Nun kommt der spannende Teil

Das Immunsystem bestimmt also, ob die Moleküle zweier Menschen zueinander passen und vermittelt diese Information über den Körpergeruch. Unser Körperduft wird von den individuellen Bakterien auf der Haut geprägt und transportiert damit chemische Signale, die so genannten Pheromone. Über diese erschnuppert man also, ob die MHC-Moleküle des anderen Geschlechts passen oder nicht. Der Chemiker Karl Peterson hat den Begriff Pheromone wunderbar beschrieben:

„Es sind Substanzen, die von einem Individuum nach außen abgegeben werden und bei einem anderen Individuum der gleichen Art spezifische Reaktionen auslösen.“

Die Partnerwahl ist also ein biochemischer Prozess, der sicherstellt, dass der potentielle Partner zu unserem Erbgut passt und unsere Nachkommen stark und robust werden. Das betrifft übrigens beide Seiten. Nicht nur Frauen erschnuppern sich Männer, sondern auch umgekehrt.

Die Hormone reden auch mit!

Um es noch komplizierter zu machen, kommen jetzt noch unsere Hormone ins Spiel. Eine Frau hat in jedem natürlichen Zyklus drei verschiedene Phasen: die Follikelphase, die Ovulationsphase und die Lutealphase. In jeder Phase dominieren andere Hormone und die sind ausschlaggebend dafür, wen wir gerade attraktiv finden und auch wie attraktiv wir auf Männer wirken. Es gab mal einen sehr interessanten, wissenschaftlichen Versuch, der das belegte. Bei diesem Versuch ging es um das Trinkgeld von Pole-Dancerinnen. Man untersuchte die Veränderungen des Trinkgelds während der verschiedenen Zyklusphasen. Dafür beobachtete man sowohl Tänzerinnen mit natürlichem Zyklus und Tänzerinnen, die die Pille nahmen. Bei der Versuchsgruppe mit der Pille veränderte sich das Trinkgeld nicht. Bei den Frauen mit einem natürlichen Zyklus gab es in der Eisprungphase mehr als das Doppelte an Trinkgeld! Warum? Weil wir während unseres Eisprungs auf Männer viel attraktiver wirken!

Der Einfluss der Pille

Mit der Einnahme der Pille wird der natürliche Zyklus abgeschaltet und die synthetischen Hormone regieren. Keine Zyklusphasen, kein Eisprung und somit auch kein natürliches Auswahlverfahren mehr. Durch die Inhaltsstoffe der Antibabypille verändert eine Frau nicht nur ihren eigenen Körpergeruch, sie nimmt auch den Duft ihres potentiellen männlichen Sexpartners anders wahr als ohne Pille. Dabei ist der Duft der Haut doch eigentlich ausschlaggebend dafür, ob man gut zusammen passt.

Erschwerend hinzu kommt noch eine Sache, die vielen Frauen gar nicht bewusst ist. Das natürliche, körpereigene Progesteron ist neben dem Testosteron dafür verantwortlich, dass wir Frauen mutig, selbstsicher, abenteuerlustig, unabhängig und unternehmenslustig sind. Fehlt dieses Hormon, werden wir unsicher, anhänglich und ängstlich. Wenn es ganz blöd läuft, unterdrückt die Pille auch noch die Produktion von Androgenen, also auch Testosteron, und verstärkt somit diesen Effekt. Setzt man die Pille dann ab, treten all diese tollen natürlichen Funktionen unseres Körpers und der natürlichen Hormone wieder zum Vorschein.

Das ist grundsätzlich erst mal eine unheimlich tolle Sache.

Aber sie kann dazu führen, dass wir unser bisheriges Leben, unsere Entscheidungen und unsere Partnerwahl noch einmal überdenken, sobald wir die Pille abgesetzt haben. Das klingt alles vielleicht etwas abenteuerlich. Doch es gibt viele Frauen, die nach dem Absetzen der Pille plötzlich ihre Partnerschaft in Frage stellen oder sich sogar trennen. Und glaubt mir, ich weiß wovon ich rede…

Das Erzählen meiner eigenen Erlebnisse kostet mich wirklich viel Überwindung. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich euch davon erzählen soll. Aber wenn ich daran denke, wie viel Wunderbares und Tolles mir mein Weg nach dem Absetzen der Pille gebracht hat – auch wenn anfangs viel Unsicherheit, teilweise auch Ängste bestanden -, dann muss ich euch einfach meine Geschichte erzählen. Denn ich möchte euch Mut machen, dass ihr – solltet ihr euch auch in solch einer Situation befinden – es auch schaffen könnt.

Ich war sechs Jahre in einer festen und glücklichen Beziehung. Das war auch der Grund, warum ich im Sommer 2016 geheiratet habe. Ich war wirklich zufrieden mit meinem Leben, ich hatte alles, was ich brauchte. Die Entscheidung, die Pille abzusetzen, habe ich im Mai 2015 getroffen und mich damit, bis auf meine unreine Haut, eigentlich auch sehr wohl gefühlt. Schließlich wollte ich ja auch eine Familie gründen und mein Glück somit perfekt machen. Ich habe wirklich meinen besten Freund und einen ganz liebevollen und zuverlässigen Mann geheiratet.

Doch dann sollte plötzlich alles anders kommen.

Ich kann gar nicht mehr sagen, wann es begonnen hat, und wie lange es schon in mir schlummerte. Aber der Tag kam, an dem ich mir wirklich Gedanken darüber machte, ob ich mir mein ganzes Leben mit diesem Mann vorstellen kann. Irgendwas in mir sträubte sich plötzlich dagegen und versuchte mir einzureden, dass ich meinen eigenen Weg gehen muss. Dieses Gefühl war mir sehr fremd, und ich wusste überhaupt nicht, wie ich damit umgehen sollte, denn schließlich hatte ich doch gerade erst geheiratet. Nach den ersten Versuchen, diese Gedanken zu unterdrücken, schob ich es irgendwann auf zu viel Stress. Zur dieser Zeit unternahmen wir auch wenig mit Freunden, sondern hockten uns ziemlich auf der Pelle. Also haben wir zuerst einmal versucht, wieder mehr mit unseren Freunden zu unternehmen. Doch auch das brachte keine Verbesserung.

Irgendwas passte einfach nicht mehr.

Warum hatte ich plötzlich keine Lust mehr auf seine Nähe, geschweige denn auf seine Zärtlichkeiten? Was war da nur los? Und plötzlich verstand ich, was andere Frauen meinen, wenn sie sagen „Ich kann meinen Partner nicht mehr riechen“. Ich habe sowas wirklich noch nie erlebt, es war verrückt. Ich habe meinem Mann nach wie vor vertraut. Wir hatten tolle Gespräche, daran hatte sich nichts verändert. Aber eine weitere Liebesbeziehung mit ihm war für mich unvorstellbar. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden. Doch all die wissenschaftlichen Fakten, die ich oben erwähnt habe, hatte mein Körper wohl erlebt.

Problematisch wird es dann, wenn die Entscheidung für eine Trennung eigentlich gefallen ist, man sich aber viel zu viele Gedanken darüber macht, wen man damit enttäuschen oder verletzen könnte. Natürlich gilt das in erster Linie für den Partner. Was wird er sagen? Wie wird er sich verhalten? Sicher wird für ihn eine Welt zusammen brechen. Und was wird seine Familie sagen? Schließlich haben wir doch gerade eine teure Hochzeit gefeiert. Was werden die Leute über mich sagen? Sie denken sicher alle „Ist die doof? Die beiden waren doch ein perfektes Paar“ und „Hätte sie sich das nicht vor der Hochzeit überlegen können?“. Ja, hätte ich, wenn ich damals schon dieses Gefühl in mir gehabt hätte. Aber das hatte ich nicht und deswegen bereue ich auch keine einzige Entscheidung.

Wir müssen uns wichtig nehmen!

Für mich stand immer nur im Vordergrund, niemanden zu verletzen. Wie sehr ich mir dabei selbst weh tue, war für mich total nebensächlich. Genau das ist aber der Punkt! Wir müssen uns wichtig nehmen, ganz egal, was die anderen Leute sagen. Ich habe dann all meinen Mut zusammen genommen und mich von meinem Mann getrennt.

Es war nicht nur eine Trennung von meinem Mann und meinem besten Freund, sondern auch von seiner Familie, meinem Zuhause und natürlich auch ein paar Freunden. Ich würde behaupten, es war die schwerste Entscheidung, die ich in meinem Leben bisher treffen musste, und vor allen Dingen die mit am meisten Schmerz verbundene.

Heute lebe ich getrennt, habe zum ersten Mal eine eigene Wohnung und treffe eigene Entscheidungen für mein Leben. Es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, und ich bin um jeden Schritt froh und stolz, den ich gegangen bin. Nachdem ich ausgezogen war und meine eigene Wohnung eingerichtet hatte, kamen neben meiner Unsicherheit vor der Zukunft auch noch starke Hormonschwankungen dazu. Ich fühlte mich wie ein hormongesteuertes Wrack. Es gab Tage, da hätte ich mich am liebsten mit meinem Backpacker-Rucksack alleine auf den Weg nach Thailand gemacht, und an anderen Tagen wollte ich nur noch heulen und hatte Angst vor allem, was noch auf mich zukommen könnte.

Und plötzlich bekommt man so viel Euphorie, dass man am liebsten alles alleine meistern will.

Mit dem Absetzen der Pille macht der Körper sich von einer Abhängigkeit frei. Er beginnt, sich von den künstlichen Hormone durch die Pille zu lösen und geht in seine eigene Produktion über. Es ist also nicht verwunderlich, dass Frauen nach dem Absetzen der Pille plötzlich das Gefühl von Selbstliebe bekommen. Sie fühlen sich auf einmal so frei und wollen genau das auch leben. Da scheint der Partner wie ein Hindernis. Das mag sich hart anhören, aber ich bin mir sicher, keine der Frauen möchte damit anderen schaden oder jemanden verletzten, sondern sie beginnen einfach, sich wichtig zu nehmen und ihren Weg zu gehen. Falls ihr in solch einer Situation seid, kann ich euch nur raten, auf euch selbst zu hören und euch wahrzunehmen.

Keine Angst, nicht jede Frau ist betroffen

Ich könnte mir vorstellen, dass euch die wissenschaftlichen Hintergründe und meine eigene Geschichte vielleicht etwas beunruhigt haben. Aber ihr braucht keine Angst davor zu haben, dass es auch euch treffen könnte, denn nicht alle Frauen sind davon betroffen. Oft sind es die Frauen, die von Anfang an nicht den richtigen Partner für sich (und ihr Immunsystem) ausgewählt hatten. Das mag man eventuell nicht immer spüren, sonst wäre man ja nicht mit dem Partner zusammen. Auch ich habe es nicht gemerkt, ganz im Gegenteil.

Uns muss bewusst werden, welche Steuerfunktion die Pille in unserem Körper übernimmt und welchen Einfluss sie auf unsere Partnerwahl hat. Aber ich kann euch sagen, hat man die Entscheidung erstmals für sich getroffen, dann ist es wie eine Liebeserklärung an sich selbst. Und das hält für immer!

Nur Mut!

Veränderungen können Angst machen, auch wenn es Frauen gibt, die noch nie alleine waren (Ich war es auch nicht)… Das kann man lernen und hat man es erst gelernt, wird man viel Tolles und Neues über sich erfahren. Versucht am besten, eure Ängste in Vorfreude auf das Neue umzuwandeln. Das Leben stellt so viele schöne Seiten für uns bereit, wir müssen sie nur annehmen. Gerade nach dem Absetzen der Pille fangen wir erstmals an, uns selbst zu finden und unseren Körper kennenzulernen. Gibt es denn ein besseres und wertvolleres Geschenk als das? Ich glaube nicht. Also Mädels, nur Mut!

Kleiner Nachtrag an die Männer!

Ich bekomme immer wieder tolle Mails von euch, in denen ihr mir die Situation mit eurer Freundin berichtet. Gerne will ich euch an dieser Stelle ein ganz großes Lob aussprechen. Sich damit mit dem Thema zu beschäftigt, um seine Freundin besser zu verstehen ist wirklich großartig! Die Welt brauch mehr von Euch!

Ich habe mir überlegt, wie ich euch am besten unterstützen kann und werde nun ein kleine Beratung für anbieten. Das bedeutet, ich erkläre euch die Zusammenhänge zwischen Pille, Hormone und dem plötzlich veränderten Verhalten eurer Freundin. Erzähle euch was ich persönlich durchlebt habe und wie ihr eure Freundin best möglichst unterstützen könnt. Ich möchte euch einfach dabei unterstützen, offene Fragen zu klären, die ihr vielleicht nicht mit einem Kumpel besprechen könnt. Schreibt mir gerne einfach eine Mail an: sina@generation-pille.com.

Und nochmals: Ihr seid wirklich große Klasse und ich finde es einfach nur toll, dass ihr euch mit dem Thema beschäftigt und eure Freundin und ihre Hormone besser verstehen möchtet!

Liebe Grüße Sina

Hier findest du meine Geschichte auch als Podcast:

„Die Pille und die Partnerwahl“