Das fehlende Vertrauen in hormonfreie oder natürliche Verhütung ist bei jungen Frauen am häufigsten anzutreffen. Der Glaube, man müsste seinen Zyklus und die Fruchtbarkeit zwangläufig mit synthetischen Hormonersatzstoffen manipulieren, um während des Studiums oder der Ausbildung nicht schwanger zu werden, ist allgegenwärtig. Alles außer der Pille fühlt sich irgendwie nicht sicher an. Doch kann man in so jungem Alter schon ohne großes Risiko hormonfrei verhüten?

Ich mit meinen knapp 30 Jahren habe natürlich leicht reden. Auch wenn ich keine Kinder bekommen möchte, so wäre das in meinem Alter kein Weltuntergang. Genau deshalb freue ich mich umso mehr, dass wir heute eine Gastautorin begrüßen dürfen, die den Weg zur hormonfreien Verhütung im zarten Alter von 19 Jahren mitten im Studium und trotz all seinen Tücken für sich gefunden hat.

Vielen Dank an unsere Gastautorin Mia.

 

Über die Gastautorin

Mia ist 19 Jahre alt und Studentin in Münster. Geprägt von einer Mutter und Großmutter, die vor Wissen über (Frauen-)Heilkräuter nur so strotzen, stand sie hormoneller Verhütung schon immer kritisch gegenüber. Jetzt liest, schreibt und spricht sie über verschiedenste Themen rund um hormonfreie Verhütung, Frauengesundheit, Period Positivity und Frauenrechte.

Ich wusste, was ich mir mit der Pille antue, doch ich nahm sie trotzdem!

Als ich die Pille verschrieben bekam, war ich keine uninformierte Vierzehnjährige. Ich war volljährig und überzeugte Pillengegnerin. Ich hatte mir hundertfach durchgelesen, wie die Pille auf jedes einzelne unserer Organe wirkt, auf den Magen, die Haut, die Leber, die Schilddrüse. Ich wusste, dass mit Pilleneinnahme mein Risiko, an einer Depression zu erkranken, steigen würde. Ich wusste, dass sich Frauen, die die Pille nehmen, öfter erschöpft, antriebslos, müde fühlen. Ich wusste sogar, dass die Pille die Struktur unseres Gehirns beeinflusst, unsere kognitiven Fähigkeiten, unser emotionales Erinnerungsvermögen. Dass sich Pillennehmerinnen schlechter an simulierte Autounfälle erinnern können, dass kognitive Bereiche, die für die Verarbeitung von Angst und Stress zuständig sind, durch hormonelle Verhütung beeinflusst werden.

Ich war eine feministische, besserwisserische Oberstufenschülerin, die Mädchen, die die Pille nahmen, mit einer Mischung aus Belustigung, Sorge und Abfälligkeit musterte.

Warum seinen gesunden, fruchtbaren Körper so belasten? Warum nicht seinen natürlichen Zyklus schätzen lernen und im Einklang mit ihm leben? Ich hatte kein Verständnis für diese Frauen.
Natürlich kannte ich auch Alternativen. Meine Mutter hat mehr als einen Morgenkaffee am Frühstückstisch damit verbracht, mir dabei zuzuhören, wie ich voller Inbrunst und Überzeugung Vorträge über Verhütungscomputer und Kupferspiralen gehalten habe – sie als Frau einer Generation, in der es nicht selbstverständlich war, aus Verhütungsgründen seinen Körper derart mit Hormonen zu belasten, muss stolz auf mich gewesen sein. Ich war es jedenfalls. Ich war nicht auf die Pharmaindustrie hereingefallen, ich würde es anders machen, besser – und dann hatte ich meine erste Beziehung und sprach mit meiner Frauenärztin.

Verhütung im Studium zwischen Erstsemesterparties und Lernstress

Ein paar Monate zuvor wollte sie mir die Pille gegen meine hormonelle Akne verschreiben, ich blieb standhaft und versuchte es mit Mönchspfeffer. Doch jetzt war die Situation anders, ich war auf ihre Beratung dringend angewiesen. Nicht, um ein paar Pickel zu vermeiden, sondern um mein Studium abschließen zu können, ohne mich um einen Kita-Platz kümmern zu müssen. Und irgendwo zwischen dem Nachfüllen von Desinfektionsmittelspendern und meinem verzweifelten Versuch, mich an Krebsfälle in der Großelterngeneration zu erinnern, verschwand mein Widerstand. Eigentlich war er ab dem Zeitpunkt, ab dem ich mich in einem realistischen, greifbaren Kontext um Verhütung kümmern musste, verschwunden.

Ganz tief in mir saß ein Gedanke, verursacht durch unvollständige Aufklärung sowohl im Biounterricht als auch durch meine Ärztin: Eigentlich ist nur die Pille sicher. Alles andere ist eigentlich keine Option. Kupfer macht unfruchtbar, Eileiterverklebung, Kinder hätte ich schon gern irgendwann. Temperaturmessen geht theoreeeetisch, aber nicht mit meinem Zyklus, der macht, was er will, und nicht im Studium zwischen Erstsemesterparties und Lernstress.

Ratgeber

Ich bereue bis heute, dass ich noch am selben Tag das Rezept für die Pille eingelöst habe.

Eine der dritten Generation mit unnötig hohem Thromboserisiko versteht sich. Trotz all meiner Recherche habe ich dem nachgegeben, was mir seit der sechsten Klasse vermittelt wurde. Ich hatte nie eine Ärztin oder medizinische Ansprechperson, die meine Abneigung gegen Hormone auch nur im geringsten ernst genommen hätte. „Transgender-Patienten nehmen eine viel höhere Dosis“, war wohl der unangebrachteste Versuch meiner Ärztin, mich zu beruhigen. Ich war nicht mutig und selbstbewusst genug, auf mich und mein Wissen zu vertrauen. Mittlerweile bin ich pillenfrei, nach einem Jahr voller Kopfschmerzen und depressiven Verstimmungen. Doch dieses Jahr, diese Hormonbelastung, war unnötig. Es hätte Alternativen gegeben.

Im nächsten Beitrag werde ich über meine Reise zu hormonfreier Verhütung schreiben – und die war nicht ganz einfach. Ein monatelanges Vor und Zurück aus Abwägen und Unsicherheit, aus verständnislosen Ärzten und schließlich der Frage, wem ich überhaupt noch vertrauen kann und wem wirklich daran gelegen ist, dass es mir und meinem Körper gut geht mit der Verhütung, die ich wähle. Schlussendlich habe ich es geschafft, meinem Bauchgefühl und meinem Verstand mehr zu trauen als den Prospekten der Pharmaindustrie im Wartezimmer. Ich habe einen Weg gefunden, als junge Studentin sehr sicher ohne Pille zu verhüten.

 

Denn es funktioniert. Die Pille abzusetzen oder gar nicht erst zu nehmen ist weder verrückt noch beängstigend.

Es wird uns lediglich so vermittelt.

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