Das fehlende Vertrauen in hormonfreie oder natürliche Verhütung ist bei jungen Frauen am häufigsten anzutreffen. Der Glaube, man müsste seinen Zyklus und die Fruchtbarkeit zwangläufig mit synthetischen Hormonersatzstoffen manipulieren, um während des Studiums oder der Ausbildung nicht schwanger zu werden, ist allgegenwärtig. Alles außer der Pille fühlt sich irgendwie nicht sicher an. Doch kann man in so jungem Alter schon ohne großes Risiko hormonfrei verhüten?

Ich mit meinen knapp 30 Jahren habe natürlich leicht reden. Auch wenn ich keine Kinder bekommen möchte, so wäre das in meinem Alter kein Weltuntergang. Genau deshalb freue ich mich umso mehr, dass wir heute eine Gastautorin begrüßen dürfen, die den Weg zur hormonfreien Verhütung im zarten Alter von 19 Jahren mitten im Studium und trotz all seinen Tücken für sich gefunden hat.

Vielen Dank an unsere Gastautorin Mia.

 

Über die Gastautorin

Mia ist 19 Jahre alt und Studentin in Münster. Geprägt von einer Mutter und Großmutter, die vor Wissen über (Frauen-)Heilkräuter nur so strotzen, stand sie hormoneller Verhütung schon immer kritisch gegenüber. Jetzt liest, schreibt und spricht sie über verschiedenste Themen rund um hormonfreie Verhütung, Frauengesundheit, Period Positivity und Frauenrechte.

Hello again!

In meinem letzten Text habe ich von meiner persönlichen Erfahrung mit der Pille erzählt und, noch wichtiger, von der Krise, die damit verbunden war. Von dem Gefühl, weder von meinem Arzt noch von der Pharmaindustrie noch von meinen ehemaligen Biolehrer*innen vollständig über alle Verhütungsmethoden, die mir als Frau zur Verfügung stehen, aufgeklärt worden zu sein. Und zwar vor allem über die, die ohne Hormone funktionieren.

In meinem Umfeld erlebte ich teilweise Verständnis für meinen Wunsch, hormonfrei zu verhüten (der im Übrigen nicht aus einer Laune heraus entstand, sondern vor allem durch ernstzunehmende Nebenwirkungen). Die vorherrschende Meinung war allerdings, so traurig das klingen mag, eher: „Warum stellt sie sich so an? Millionen von Frauen nehmen die Pille.“ „Sie braucht einfach ein anderes Präparat.“ „Sie redet sich die Nebenwirkungen ein. Sie denkt zu viel darüber nach.“ Ich wusste nicht, wo ich mich informieren kann, ohne Angst, von finanziellen Interessen in eine bestimmte Richtung beeinflusst zu werden.

Allein gelassen

Meiner Frauenärztin habe ich zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr vertraut. Sie wollte, so mein Eindruck, vor allem eines und das war das nächste Rezept ausstellen. Egal um welchen Preis, egal wie sehr ich beteuert habe, dass ich mir die einseitigen, stechenden Kopfschmerzen und die Weinerlichkeit kaum einbilde. Verhütung mit Kupfer in meinem Alter schien umstritten und von natürlicher Verhütung solle ich lieber die Finger lassen, wenn ich mir nicht bald eine Hebamme suchen wolle. Ich habe mich alleingelassen gefühlt und vermeintlich gezwungen, jeden Abend ein Medikament zu schlucken, das mir nicht im Geringsten gut tat.

 

Dieser Text also richtet sich an Frauen in dieser, meiner damaligen Situation. Junge Frauen, vielleicht noch in der Schule oder bereits in Studium oder Ausbildung, die wirklich sicher verhüten wollen, ohne ihre Integrität und ihre Gesundheit zu gefährden. Die nicht wissen, wo sie anfangen sollen, nach gesicherten, unabhängigen Informationen zu suchen.

Keine Panik!

Zuerst: Keine Panik! Man kann vollkommen sicher verhüten, ohne Hormone nehmen zu müssen. Dann empfehle ich, ganz unabhängig davon, was ich im weiteren Verlauf erklären werde, das Buch „Verhüten ohne Hormone“ von Dr. med. Dorothee Struck. Sie erklärt unaufgeregt und deutlich, wie viele sichere Alternativen es zu Pille & Co. gibt. Außerdem ist als Anlaufstelle zur Beratung und Information pro familia sehr zu empfehlen, vor allem dann, wenn der Eindruck besteht, der eigene Arzt bzw. die eigene Ärztin nimmt den Wunsch, hormonfrei zu verhüten, nicht ernst. Dort kann man kostenlose Gespräche mit medizinischem Fachpersonal führen, das unabhängig berät und nicht daran interessiert ist, möglichst viele Pillen zu verschreiben.

Es gibt eine grundsätzliche Entscheidung, vor der man nun steht: Möchte ich einfach hormonfrei oder noch dazu natürlich verhüten? Wer vor allem keine Pille mehr nehmen will, ansonsten aber eine sehr sichere, möglichst unkomplizierte, zeitsparende Verhütung wünscht, bei der frau sich nicht täglich mit dem eigenen Zyklus auseinandersetzen muss, dem empfehle ich, sich ausführlich über Verhütung mit Kupferspirale & Co. zu informieren (über Kondome wissen wir sicherlich alle genug, sie finden deshalb keine weitere Beachtung in meinem Text – was nicht heißen soll, dass man mit ihnen nicht sicher verhüten kann).

Kupferspirale & Co.

An dieser Stelle verweise ich erneut ausdrücklich auf das Buch von Dr. Struck – es hat meine Sichtweise auf Kupferspirale und –kette grundlegend verändert. Kupfer macht nicht unfruchtbar und verursacht keine Entzündungen oder Eileiterverklebungen. Kupfer wirkt auch nicht frühabtreibend und die Meinung, es sei für junge Frauen ungeeignet, ist schlichtweg falsch und entspricht längst nicht mehr dem Forschungsstand der heutigen Wissenschaft.

Die WHO empfiehlt Kupferspiralen auch für junge Frauen!

Das Risiko einer Entzündung ist in den ersten 20 Tagen nach der Einlage erhöht, und zwar ganz einfach aufgrund des Eingriffs. Danach ist das Risiko einer Entzündung genauso hoch wie ohne Spirale.

Man sieht, um dieses Thema ranken sich viele Legenden und die Vorurteile sitzen oft hartnäckig – oder das Bestreben,  sie aufzuräumen, ist nicht sonderlich ausgeprägt. Schließlich kostet eine Kupferspirale an sich einmalig etwa dreißig Euro und bleibt fünf Jahre im Körper. So viel und mehr zahlt frau in der Regel für eine Dreimonatspackung der Pille.

Natürliche Verhütung

Den anderen hormonfreien Weg, den man als pillenfreie Frau einschlagen kann, ist die natürliche Verhütung. Die sicherste, erprobteste und deshalb empfehlenswerteste Methode ist die symptothermale Methode, kurz NFP. Eins vorweg: NFP ist, obgleich häufig behauptet, kein Russisch Roulette. Die symptothermale Methode ist nüchternes Schulmedizinwissen, hat nichts mit Mondphasen oder der katholischen Kirche zu tun und erreicht eine Methodensicherheit von 0,4 – vergleichbar mit der Pille also. Mehr muss zum Thema Sicherheit wohl nicht gesagt werden.

NFP bedeutet, zusammenfassend erklärt, die Auswertung des eigenen Zyklus. Beobachtet wird die Aufwachtemperatur und ein weiteres Körpersignal, nämlich Zervixschleim oder Muttermund. Die Kombination beider Körpersignale ermöglicht eine sichere Auswertung des Zyklus. Nach festen Regeln werden die Symptome täglich beobachtet und festgehalten. So lässt sich sehr genau feststellen, wann ein Eisprung stattgefunden hat. Eine Frau kann an lediglich fünf oder sechs Tagen pro Zyklus schwanger werden (nein, wir sind keine wandelnden Babymaschinen) – wenn man diese Tage sicher bestimmt, erübrigt sich die Verhütung an den anderen, unfruchtbaren Tagen.

Bei NFP geht es nicht um schätzen, vermuten oder raten

„Natürlich und sicher“ aus dem TRIAS Verlag ist das Buch zu NFP, wer also natürliche Verhütung in Betracht zieht, sollte es unbedingt lesen. Ich möchte lediglich Folgendes betonen: Es geht nicht um schätzen, vermuten oder raten. Es gibt klare Regeln, nach denen fruchtbare Tage, an denen zusätzlich verhütet werden muss, und unfruchtbare Tage, an denen frau schlichtweg nicht schwanger werden kann, bestimmt werden. Das ist kein Hexenwerk, das ist Biologie. Und sehr sicher noch dazu. Natürlich kann NFP mit Stift und Papier praktiziert werden. Die meisten jungen Frauen werden im Alltag dafür allerdings wenig Zeit haben und ganz ehrlich: Wozu auch? Es gibt fantastische Zykluscomputer und Apps, die uns viel, viel Arbeit abnehmen. Warum sollte das nicht genutzt werden?

Zykluscomputer

Ein Zykluscomputer, der besonders für junge Frauen mit stressigem und nicht immer gleichmäßigem Leben, für Pillenabsetzerinnen und Sicherheitsfanatikerinnen konzipiert wurde und den ich nun mehrere Monate benutzt habe, ist die Daysy. Ein ausführlicher Testbericht über meine persönlichen Erfahrungen mit der Daysy folgt im nächsten Teil. Bis dahin nur ein kurzer Überblick: Daysy ist der jüngste und modernste Verhütungscomputer der Firma Valley Electronics, eines der führenden Unternehmen im Gebiet natürliche Familienplanung. Lady-Comp, seit Jahren ein Beststeller unter den Verhütungscomputern, ist ebenfalls ein Produkt von Valley Electronics. Ihr Algorithmus wurde für die Daysy genutzt.

Wie funktioniert also dieses mysteriöse kleine Gerät, das pillenfreie Sicherheit ohne Stress und Regeln-auswendig-Lernen verspricht?

Jeden Morgen, direkt nach dem Aufwachen, wird mit der Daysy die Temperatur oral gemessen, sie hat hierzu ein integriertes, extrem genaues Thermometer. Nach etwa dreißig Sekunden zeigt Daysy entweder ein grünes Licht (unfruchtbar), ein rotes (fruchtbar, es muss anderweitig verhütet werden) oder ein orangenes (Zyklusschwankungen/Lernphase der Daysy am Anfang). And that’s it. Mit der optionalen App daysyview kann frau außerdem den eigenen Temperaturverlauf beobachten und sich den aktuellen sowie früheren und prognostizierten Fruchtbarkeitsstatus anschauen. Es gibt zudem einen, meiner Erfahrung nach, äußerst hilfsbereiten und zuvorkommenden Kundendienst, der alle Fragen schnell, sehr freundlich und äußerst kompetent beantwortet und bei jedem Problem hilft.

Daysy

Wie erreicht ein kleiner, stylischer Computer, gerade einmal so groß wie meine Hand, eine Methodensicherheit von 0,6 und das mit ausschließlicher Beobachtung der Temperatur? Kaum vorstellbar für eine Generation von Frauen, die mit dem Glauben in die Welt entlassen wurden, sie seien praktisch immer fruchtbar und nichts außer der Pille sicher. It’s science, baby.

Der Algorithmus der Daysy basiert auf 5 Millionen Menstruationszyklen aus 30 Jahren Erfahrung und bestimmt nach einer Lernphase extrem präzise den individuellen Eisprung der Nutzerin. Daysy zeigt nur dann grüne Tage an, wenn sie sich vollständig sicher ist, dass kein Risiko besteht, schwanger zu werden. Der Temperatursensor ist so sensibel, dass er Schwankungen beim Messen erkennt und wartet, bis ein Durchschnittswert erreicht wurde. Und nein, man muss den Wecker nicht auch am Wochenende auf sieben Uhr stellen. Es ist keineswegs notwendig, immer zur gleichen Zeit zu messen. Selbst nächtliches Stillen oder Schichtdienst sind kein Hindernis – Daysys Software ist so intelligent, dass all das die Sicherheit nicht beeinträchtigt.

Klingt traumhaft? Ist es auch!

Es gibt allerdings Einschränkungen, die nach mehreren Monaten Testphase auch zur Wahrheit gehören. Es macht erstens schlichtweg keinen Sinn, mit einem Verhütungscomputer verhüten zu wollen, wenn der eigene Zyklus extrem unregelmäßig ist. Ich spreche hier nicht von kleinen Schwankungen, mit denen kommt die Daysy nämlich problemlos klar. Mit allem zwischen 19 und 40 Tagen Zykluslänge kann Daysy arbeiten, so der Hersteller. Und auch bei längeren oder kürzeren Zyklen wird sie niemals unsicher – wie gesagt, sie zeigt nur „grün“ an, wenn kein Zweifel an der Unfruchtbarkeit besteht. Der Sinn der Nutzung ist dann allerdings nur sehr bedingt gegeben. Bei monatelang ausbleibender Menstruation wird frau im besten Fall ein paar „grüne“ Tage erhalten, die restlichen sind „gelb“ und somit muss zusätzlich verhütet werden. Das ist nicht schlimm, aber eben auch nicht Sinn einer solchen, nicht ganz preisgünstigen Anschaffung.

Natürliche Verhütung bei unregelmäßigem Zyklus

Wer wie ich einen so unregelmäßigen Zyklus hat, beispielsweise nach Absetzen der Pille, und trotzdem gerne natürlich verhüten möchte, kann das selbstverständlich. In diesem Fall sind meiner Meinung nach Apps wie mynfp, die regelkonform nach NFP auswerten, allerdings empfehlenswerter – sie haben keine Einschränkung, was Zykluslänge oder -regelmäßigkeit angeht und sind nicht, wie die Daysy, konzipiert für Zyklen, die ungefähr im Normalbereich liegen. Mit ihnen kann jede Frau ihren Zyklus, egal wie unregelmäßig, lang oder kurz, sicher tracken (und die Einbeziehung eines weiteren Körpersignals in der symptothermalen Methode ist immer geringfügig sicherer als die Betrachtung eines einzelnen Körpersignals wie bei der Daysy). Natürlich bleibt das Problem der langen Phasen, in denen zusätzlich verhütet werden muss. Wen das stört, der sollte unter Umständen doch über Verhütung mit Kupfer nachdenken.

Außerdem muss das eigene Leben ein Stück weit zu natürlicher Verhütung passen. Dass nur auf diese Weise verhüten kann, wer nie Medikamente nimmt, jeden Tag acht Stunden schläft und nie Alkohol trinkt, ist natürlich Schwachsinn. Wenn allerdings mehrmals wöchentlich Temperaturwerte ausgeklammert werden müssen, weil man nach drei Stunden Schlaf völlig verkatert aufwacht, ist von natürlicher Verhütung abzuraten – die Nutzerin wäre ohnehin schnell völlig frustriert von der Methode, da sie nur wenige „grüne“ Tage bekommt.

Mein Fazit

Also – was ist meine Empfehlung? Ich habe keine. Jede Frau führt ein anderes Leben, hat einen individuellen Zyklus und andere Ansprüche an Verhütung. Es ist weder verwerflich zu dem Schluss zu kommen, sich zwischen Abifeten und Erstsemesterparties keine natürliche Verhütung zuzutrauen, noch ist es verrückt, genau das zu tun und sich als junge Frau auf das Abenteuer, den eigenen Körper besser kennenzulernen als je zuvor, einzulassen. Es spricht nichts dagegen, sich auf andere hormonfreie Verhütungsmethoden zu verlassen, bis der eigene Zyklus und das eigene Leben ein wenig berechenbarer geworden sind.

Es spricht genauso wenig dagegen, sich über natürliche Familienplanung weiterzubilden, sich in spannende Lektüre zu stürzen, stundenlang darüber zu staunen, was man alles nicht wusste übers Frausein und am Ende mit einer zuverlässigen (!) App, die nach NFP-Regeln auswertet, zu verhüten. Oder eben doch die Daysy (oder einen anderen Verhütungscomputer) zu bestellen, einfach weil man noch viele andere Dinge zu tun hat im alltäglichen Leben, außer seinen Zyklus auszuwerten und einem klugen Algorithmus anfangs doch mehr vertraut als der eigenen Wahrnehmung. Jede Frau, die aufhört, hormonell zu verhüten, ist eine Frau mehr, die ihrem Körper in aller Regel (und der Umwelt sowieso) etwas Gutes tut. Über die Alternativen sollte meiner Meinung nach nicht dogmatisch geurteilt werden – vor allem nicht unter Frauen.

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