Die Forschung läuft: Gibt es bald die erste pflanzliche Pille für Mann und Frau? Momentan sieht es sehr gut aus für die Entwicklung der ersten pflanzlichen Verhütungsmethode. Sie soll nicht nur rein pflanzlich, sondern auch frei von Hormonen und Nebenwirkungen sein und sowohl bei Männern als auch Frauen funktionieren.

Das wäre eine großartige Innovation und definitiv das Aus für die herkömmlichen hormonellen Verhütungsmittel! Aktuell ist das zwar leider noch Zukunftsmusik, aber die Forschungen dazu laufen. Ein Forscherteam, bestehend aus 10 Wissenschaftlern der Universty of California in Berkeley und San Fransico und der Yale University, nahm sich dieser Herausforderung an. Gemeinsam veröffentlichten sie vor kurzem ihre derzeitigen Ergebnisse.

Endspurt der Spermien

Das erste Ergebnis ihrer Untersuchungen ergab, dass Spermien – je näher sie sich der Eizelle nähern – ihre Bewegung verändern. Kurz vor ihrem Ziel, der Eizelle, legen sie einen Endspurt ein, werden schneller und kräftiger. Dieser Endspurt macht es ihnen erst möglich, in die harte Wand der Eizelle einzudringen. Grund für dieses Phänomen: Sie werden durch das Progesteron der Eizelle förmlich angezogen, wie Motten vom Licht. Je näher sie an die Eizelle gelangen, desto mehr Progesteron bekommen sie und desto schneller und stärker werden sie.  Spermien besitzen also Progesteronrezeptoren.

Gäbe es diesen Progesteron-Booster nicht, würden die Spermien einfach an der Eizelle vorbei schwimmen oder an der Eizellwand abprallen.

Das haben sich die Wissenschafter wohl auch gedacht, denn im zweiten Schritt ihrer Forschung versuchten sie, Wirkstoffe zu finden, die diesen Prozess unterbinden. Mit Erfolg!

Löwenzahn, Oliven, Mango und mehr…

Das Team testete mehr als 50 Wirkstoffe und fand dabei tatsächlich zwei, die in der richtigen Konzentration die erwünschten Ergebnisse erzielten. Hierbei handelt es sich um zwei reine Pflanzenstoffe: Lupeol und Pristimerin. Sie kommen in verschiedenen Früchten, Pflanzen und Baumrinden vor, wie beispielsweise in Löwenzahn, Oliven, Trauben und Mango. Ersteres wird auch als Mittel gegen Malaria und Krebs getestet.

Ihre Forschungsergebnisse erlangten sie durch Versuche an menschlichem Sperma im Labor. Vor kurzem startete die Testphase mit Primaten, um die richtige Dosis und die Wirkdauer zu ermitteln. Doch bereits zum aktuellen Zeitpunkt seien sie in der Lage, ein Notfallverhütungsmittel herzustellen, das zehnmal stärker ist als die Pille danach. „Es kann kein Embryo entstehen, zu keiner Zeit“, erklärt die Forschungsleiterin Polina Lishko in einem Interview mit dem Magazin Wired.

Wie die Verhütung mit diesen Pflanzenstoffen aussehen könnte, ist noch nicht ganz klar. Jedoch könnte diese Erkenntnis den Weg zu einem neuen geschlechtsunabhängigen Verhütungsmittel ebnen, dessen Wirkung darauf basiert, dass die Aktivierung der Mechanismen durch das Progesteron verhindert wird.

Bei Frauen wäre eine Art „Pille danach“ denkbar.  Mit dem großen Unterschied, dass es kaum Nebenwirkungen gäbe und nur vor der Befruchtung bzw. 6 Stunden nach dem Sex wirksam wäre. Aber auch eine dauerhafte Wirksamkeit wäre mit einem Pflaster oder Vaginalring möglich.

Bei Männern könnte es durch eine orale Einnahme so ähnlich funktionieren wie bei der Pille. Sie würden die Pflanzenstoffe täglich einnehmen und so ihre Spermien davon abbringen, den Endspurt einzulegen.

Große Pläne für die Zukunft

Lishko möchte noch in diesem Jahr verwertbare Resultate aus den Primaten-Tests liefern. Ihr großes Ziel ist es, innerhalb der kommenden drei Jahre eine Firma zu gründen und die Produktion eines universellen Verhütungsmittels anzustoßen. Wenn ihr Plan aufgeht, hätten wir das erste Verhütungsmittel auf rein pflanzlicher Basis, das sowohl Frauen als auch Männer nutzen können.

Das würde nicht nur die Verhütung komplett revolutionieren, sondern ein faires Aufteilen der Verantwortung für die Schwangerschaftsverhütung ermöglichen, und das sogar frei von den gängigen Nebenwirkungen.

Drücken wir dem Forschungsteam also die Daumen!


Weiterführende Infos: Wired, SienceMag, Berkeley, PNAS

Ratgeber
Über die Autorin dieses Artikels

Isabel ist Gründerin von Generation Pille und Autorin der Bücher "ByeBye Pille" und "Kleine Pille, große Folgen". Ziel der Seite und jedem einzelnen Beitrag ist es, Frauen zu helfen, ihren Körper besser zu verstehen, Symptome zu deuten und sowohl körperliche als auch hormonelle Zusammenhänge zu begreifen. Der Fokus ihrer Beiträge liegt hierbei ganz klar auf den Themengebieten Frauengesundheit, Hormone, hormonelle Beschwerden und natürliche Verhütung.
Instagram: @_isabelmorelli_
Kontakt: isabel@generation-pille.com

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