In den letzten Wochen häuften sich die Anfragen zum Femometer in meinem Postfach. Tatsächlich hatte ich das pinke Bluethooth-Thermometer bereits seit der Crowdfunding-Kampagne auf dem Schirm und war von Anfang an nicht wirklich begeistert. Kann ein so günstiges Bluetooth-Thermometer aus China etwas taugen? Ist es vielleicht eine günstigere Alternative zu Daysy oder zum kommenden Bluetooth-Thermometer von Ovy?

Wie allgemein bekannt sein sollte, versuche ich immer, alle möglichen Gadgets, die mit natürlicher Verhütung in Verbindung stehen, im Auge zu behalten. Deshalb war mir die Markeinführung des Femometers auch bekannt. Ich habe mich also schon länger damit befasst und mich eigentlich dagegen entschieden, darüber zu berichten, weil ich das Femometer nämlich nicht empfehlen möchte. Eigentlich hatte ich sogar darauf gehofft, dass dieser China-Import hier auf dem deutschen Markt gar nicht wirklich relevant wird, und das war die ersten Monate auch so. Doch in den letzten Wochen haben sie es doch irgendwie geschafft, hier in Deutschland Aufmerksamkeit zu erregen. Und schon hagelte es Anfragen in mein eMail-Postfach.

 

Die häufigsten Fragen

Ist das Femometer eine günstigere Alternative zu Daysy?
Kann ich das Femometer nicht einfach anstelle eines Basalthermometers benutzen?
Ich möchte es für NFP benutzen, geht das?
Ist es nicht das gleiche wie „Wink“ von Kindara oder auch das kommende Bluetooth-Thermometer von Ovy?

Die einzige richtige Antwort auf alle diese Fragen ist:  N E I N, ganz einfach nein. Aber da ich euch ja nicht so ohne weitere Erklärung abspeisen möchte, gehen wir auf das ganze Femometer-Thema jetzt doch mal genauer ein.

Was ist das Femometer?

Das Femometer ist ein kleines pinkes Bluetooth-Thermometer aus China, welches nur in Verbindung mit der App des gleichen Herstellers funktioniert. Es sieht ein bisschen aus wie ein kleiner Lippenstift. Um es zu verwenden, zieht man einfach die Kappe ab, dadurch schaltet es sich automatisch an. Gemessen wird unter der Zunge. Nach einigen Minuten piepst es drei mal und die Messung ist beendet. Anschließend öffnet man die dazugehörige App, schaltet das Bluetooth seines Smartphones an und die Basaltemperatur wird übertragen.

Kosten: 99,00 €, derzeit 49,00 €
App: Easy@Home o. Femometer App (beide kostenlos)

 

Femometer

Allgemeines zu Bluetooth-Thermometern

Grundsätzlich haben Bluetooth-Thermometer einige Vorteile. Sie werden speziell für die Messung der Basaltemperatur entwickelt. Der Messsensor ist dadurch feiner, sie messen schneller und piepsen leiser oder gar nicht. Der wohl größte Vorteil ist, dass man seine morgendliche Basaltemperatur nicht manuell in eine App eingeben muss. Allerdings muss natürlich sichergestellt sein, dass die Hersteller auch wissen, was sie tun, und noch viel wichtiger: Die App muss gut sein! Dazu später mehr.

Wink von Kindara

Klarer Vorreiter war im letzten Jahr der Launch des Wink. Wink ist das Bluetooth-Thermometer der amerikanischen App Kindara. Allerdings ist Wink im Gegenteil zum Femometer um einiges schöner, aufwendiger, hochwertiger und durchdachter. Das macht sich auch im Preis bemerkbar, denn während man das Femometer derzeit für knapp 50,00 € bekommt, zahlt man für Wink knapp 130,00 $ plus Versand und evtl. Zollgebühren.

Bluetooth-Thermometer von Ovy

Auch die Mädels von Ovy haben es sich zum Ziel gemacht, den deutschen Markt der natürlichen Verhütung zu revolutionieren und arbeiten am ersten Bluetooth-Thermometer Made in Germany. Die App entspricht aktuell zumindest schon mal allen Vorraussetzungen, da sie NFP-regelkonform ist und auch das Design passt. Für die Entwicklung des Bluetooth Gagdets haben sie sich einen tollen Partner gesucht, der schon seit Jahren Technik für Gesundheit und Wohlbefinden entwickelt. Geplant ist die Markteinführung des Ovy Bluetooth-Thermometers 2018.

Bluetooth-Thermometer sind nur so gut wie ihre App!

Das ist eigentlich auch schon der absolut wichtigste Punkt beim Thema Bluetooth-Thermometer! Leider vergessen nämlich die meisten, dass so ein Mess-Gadget – und es ist völlig egal, ob das ein Thermometer, ein vaginaler Messsensor (OvulaRing, Trackle) oder ein Armband (Ava) ist – nur so gut ist wie die App, in die die Daten einfließen. Das einzige, was so ein Gadget tut, ist die Basaltemperatur in eine App zu übertragen. Von da an ist es nur noch wichtig, dass der Algorithmus der App einwandfrei ist.

Ist die App nicht gut und der Algorithmus nicht für die natürliche Verhütung geeignet, bringt euch auch das beste Thermometer absolut nichts!

Da kommen wir wieder zum Thema „Welche App ist gut und welche nicht?“. Es gilt also, immer erst genau zu schauen, was ist das für eine App, welche Parameter werden bei der Bestimmung der fruchtbaren Tage einbezogen, nach welchem Regelwerk wird bestimmt? Ist die App überhaupt für die Symptothermale Methode gedacht oder wird nur anhand der Temperatur ausgewertet? Wird überhaupt nach irgendeinem Regelwerk bestimmt oder wird nur prognostiziert?

 

Eine Übersicht aller guten Apps und Funktionen inkl. Infos zu Ovy und Kindara findet ihr hier.

Warum das Femometer keine Alternative ist

Das Femometer und die beiden dazugehörigen Apps sind mir einfach nicht koscher. Nachdem ich die ganzen Fragen zu diesem pinken, schimmernden Teilchen bekommen habe, wollte ich es genauer wissen. Bis zu diesem Punkt hatte ich es noch nicht getestet, wollte es auch eigentlich nicht, weil die damalige App mir schon nicht zusagte. Aber ich möchte keine Gadgets „schlecht reden“, die ich noch nicht selbst getestet habe. Also habe ich mir das Femometer bestellt.

Negativpunkt Nr. 1: Billiges Plastik

Das erste, was mir sofort negativ auffiel, ist das Thermometer an sich. Es ist wirklich das billigste Stück Plastik, das ich bisher in den Händen hatte. Das Femometer ist wirklich Lichtjahre davon entfernt, hochwertig zu sein. Zusätzlich hat es keinerlei Anzeigen, man sieht also nicht, wann es „an“ ist. Es hat kein Display für die Temperaturanzeige und auch keine sonstigen Signale. Zieht man die Kappe ab, piepst es einmal, um zu signalisieren, dass es angeschaltet ist, und nach fertiger Messung piepst es drei mal. Das war’s.

Negativpunkt Nr. 2: Die Messung

Die Messdauer variiert ständig. Statt der vom Hersteller angegeben 3 Minuten Messdauer misst das Thermometer jeden Tag anders. Mal sind es nur einige Sekunden, an anderen Tagen weitaus mehr als 3 Minuten. Außerdem finde ich die Messspitze von diesem Thermometer nicht schön. Durch das günstige, harte und nicht flexible Plastik, kombiniert mit der Größe der Messspitze, ist das im Vergleich zu anderen schon sehr unangenehm. Die Messspitze ist zwar flach, dafür aber sehr breit. Ich persönlich fand die Messungen dadurch nicht sehr angenehm.

Negativpunkt Nr. 3: Die App

Als ich mir das Femometer vor einigen Monaten angeschafft habe, wurde noch „easy@home“ als die dazugehörige App beworben. Letzte Woche habe ich nochmal ein bisschen recherchiert und kam durch Zufall auf die neue App des Femometers, die sich auch „Femometer App“ nennt. Jetzt laufen beide Apps auf meinem iPhone parallel. Allerdings unterscheiden sie sich auch nur in ihrer Optik. Ich finde es nicht okay, dass eine neue App gelauncht wird und bereits aktive Nutzerinnen nicht informiert werden.

Keine Angabe zur Methode oder einem Regelwerk

Mich stört aber viel mehr, dass es bei beiden Apps keine aussagekräftigen Infos zu den Regeln oder Algorithmen gibt. In beiden wird von „Körper besser verstehen“ und „Zyklus beobachten“ gesprochen und nur im einem Nebensatz von gezielter Kinderwunschplanung oder Verhütung. Die Regeln, Parameter oder Algorithmen, nach denen die Apps auswerten, werden nicht erwähnt. Temperaturmethode, Symptothermale Methode, Kalendermethode, Russisch Roulette? Keine Ahnung. Man kann unendlich viele Daten in die Apps eintragen, aber welche davon für den Algorithmus wichtig sind, ist völlig unbekannt. So eine App würde ich weder mit Bluetooth-Thermometer noch ohne verwenden!

Negativpunkt Nr. 4: Falsche Versprechungen

Leere und falsche Versprechungen machen mich richtig wütend! Nur wenige Wochen, nachdem ich das Femometer gekauft habe, wurden die Beschreibungen auf Amazon verändert. Mittlerweile liest man da eine Aussage, die ich so nicht unterschreiben kann. Abgesehen von dem schlechten Google-Translator-Deutsch, ist mir folgende Aussage ein Dorn im Auge:

Sehr genaues 1/100th Grads und digitales BBT Thermometer ist besonders für Ovulationsvorhersage. Die Fruchtbarkeitsmethode, die von unseren Geräte verwendet wird, hat 99,6 % Genauigkeit.

Diese Aussage zur Sicherheit macht mich ein bisschen sprachlos. Es gibt keinerlei Angaben zur Methodik oder zum Algorithmus und auch keine Studien. Woher kommen also diese 99,6 %? Ich bin mir nach kurzer Testphase relativ sicher, dass der aktuelle Algorithmus nur die Temperatur als Parameter in die Berechnungen mit einbezieht. Die Sicherheit der Temperaturmethode beträgt aber keine 99,6 %. Für mich also definitiv ein falsches Versprechen.

Negativpunkt Nr. 5: Nicht für den Deutschen Markt optimiert

Nicht nur die Beschreibungen auf Amazon sind in schlechtem Deutsch geschrieben, sondern auch jeglicher Text in den beiden Apps. Einmal alles Chinesische in den Google-Translator und ab dafür. 🙂 Wenn ich mich als Gründer in einen fremdsprachigen Markt begeben möchte, sollte ich schon sicherstellen, dass mein Produkt auch korrekt dafür angepasst wird. Immer, wenn ich solche eher semiprofessionellen Übersetzungen sehe, möchte ich gleich die Flucht ergreifen. Das trifft auch auf diese App zu. Die ersten Wochen, in denen ich sie verwende habe, gab es sie nur auf englisch und chinesisch und erst seit kurzem auch auf „Deutsch“. Meiner Meinung nach sagt aber die Qualität der Umsetzung auch schon viel über die Professionalität aus. Und da hapert es doch gewaltig!

 

Irgendetwas Positives?

Ja, es gibt immer etwas positives. 🙂 Ich glaube, dass das Thermometer und auch die App bei einem gezielten Kinderwunsch schon helfen kann. Wie alle Gadgets, die es ausschließlich zur Kinderwunschplanung (Persona, Ava, OvulaRing, etc.) gibt, ist auch diese zu Verhütungszwecken meiner Meinung nach nicht sicher genug, aber bestimmt hilfreich beim gezielten Wunsch, schwanger zu werden. In diesem Bereich schneidet das Femometer auch preislich ganz gut ab. Auch wenn ich die Qualität nicht sonderlich gut finde, gibt es doch weitaus teurere Gagdets in dem Bereich.

Bluetooth-Thermometer vs. Daysy

Da ich die Frage sehr häufig bekommen habe, möchte ich auch darauf nochmal eingehen und den Unterschied kurz klar machen. Man kann einen Zykluscomputer wie Daysy nicht mit einem Bluetooth-Thermometer vergleichen. Das eine ist eine App gekoppelt an ein Thermometer, das andere ein Zykluscomputer, für den es nur als AddOn eine App gibt. Daysy ist, auch wenn sie von der Größe und der Optik her einem Thermometer ähnelt, ein eigenständiger, kleiner Hochleistungscomputer. Deshalb ist das Femometer auch unter keinen Umständen eine günstigere Alternative zu Daysy. Es ist absolut nicht vergleichbar.

Fazit

Das Femometer ist für mich aktuell absolut keine Option zur Verhütung und auch kein Vergleich zu Wink oder dem kommenden Ovy Bluetooth-Thermometer. Auch wenn es günstiger ist als viele andere Gadgets, so ist es für die Qualität immer noch zu teuer. Aktuell ist es von 99,00 € auf 49,00 € runtergesetzt, aber selbst das finde ich noch relativ viel.

Wenn ihr also ein Bluetooth-Thermometer zur Verhütung nutzen wollt, geduldet euch am besten, bis das Thermometer von Ovy im nächsten Jahr auf den Markt kommt. Alternativ könnt ihr euch auch die beiden Zykluscomputer anschauen oder erstmal die Temperatur manuell in eure App eintragen.


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Über die Autorin dieses Artikels

Isabel ist Gründerin von Generation Pille und Autorin des Buches "ByeBye Pille". Ziel der Seite und jedem einzelnen Beitrag ist es, Frauen zu helfen, ihren Körper besser zu verstehen, Symptome zu deuten und sowohl körperliche als auch hormonelle Zusammenhänge zu begreifen. Der Fokus ihrer Beiträge liegt hierbei ganz klar auf den Themengebieten Frauengesundheit, Hormone, hormonelle Beschwerden und natürliche Verhütung. Fragen oder Anregungen kannst du gerne persönlich per Mail an isabel@generation-pille.com schicken.   

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