Apps zur Bestimmung der fruchtbaren Tage sind definitiv im Trend. Gerade für junge Frauen, die sich mit der symptothermalen Methode noch nicht ganz so sicher fühlen, sind diese Applikationen ein wahrer Segen. Doch bei der Auswahl der App ist Vorsicht geboten, denn nicht alle sind dafür geeignet! Eine App, die die fruchtbaren Tage sehr sicher bestimmt, ist NEOME. Über drei Zyklen habe ich diese App genauer unter die Lupe genommen.

In einem älteren Beitrag habe ich euch bereits erklärt, wie wichtig es ist, bei der Wahl der App ganz genau hinzuschauen. Nicht jede Smartphone-App, in die man einen Temperaturwert und Symptome eintragen kann, ist auch tatsächlich für die Verhütung geeignet. Die Übersicht der Applikationen (iPhone), deren Algorithmus regelkonform und zuverlässig ist, inklusive der Vor- und Nachteile sowie Preise und Infos, findet ihr hier:

Verhüten mit Apps

Verhütung mit Apps: Welche geeignet sind und worauf du achten musst!

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In der Übersicht finden sich die verschiedensten Apps. Sie funktionieren alle, aber sie unterscheiden sich in ihren Feinheiten, der Optik, der Zielgruppe und auch in den Preisen. Eine der von mir empfohlenen Apps ist NEOME und genau diese habe ich über die letzten drei Zyklen ausgiebig getestet und berichte heute darüber.

NEOME – die wichtigsten Infos vorab!

Bevor wir zu meinen persönlichen Erfahrungen und meiner Meinung kommen, erst mal die wichtigsten Infos zur App vorweg.

 

 

 

Auswertung/Regeln/Algorithmus:

NFP-Regelwerk (AG NFP, also nach Sensiplan)

Temperatur runden:

macht NEOME automatisch

Kosten:

30 Tage kostenlos
1-Monats-Abo 3,99 €
3-Monats-Abo 9,99 €
12-Monats-Abo 29,99 €

Vorkenntnisse:

Nicht zwingend notwendig, weil die Regeln so gut wie in jedem Schritt nochmal abgerufen werden können.

Export der Zyklen:

Es können leider keine Zyklen exportiert, also herunter geladen werden.

Wecker/Reminder:

Es gibt sogar separate Wecker bzw. Reminder für Messung und Zervixschleim-Beobachtung (nur für das iPhone).

Mein Testbericht

Erster Eindruck – Erste Schritte

Der erste Eindruck war schon mal sehr gut. Die Optik überzeugt, es ist nicht zu überladen, größtenteils sehr intuitiv gestaltet und in schönen Pastelltönen gehalten. Hat man sich erfolgreich angemeldet, kommt zuerst eine kleine NFP-Einführung. Tatsächlich werden dem Nutzer erstmal die wichtigsten Informationen vermittelt, bevor man mit dem ersten Zyklus loslegt. Der Beginn eines Zyklus mit dem Eintreten der Menstruation wird erklärt, wie und wann genau gemessen werden muss, Infos zum Zervixschleim und auch zu den Störfaktoren!

Für Newbies sehr gut gemacht!

Für jede Frau, die bis zum Start von NEOME noch keine Erfahrung mit NFP gesammelt hat, ist dieser kurze Einführungskurs tatsächlich Gold wert! Die wichtigsten Informationen sind kurz, knapp  und leicht verständlich erklärt, so dass jeder Frau der Einstieg leichter fällt. Beginnt man mit dem ersten Zyklus, wird auch gleich nochmal darauf hingewiesen, dass in diesem Zyklus noch keine unfruchtbaren Tage angezeigt werden und auch warum. Sehr vorbildlich!

 

Erster Zyklus & Benutzeroberflächen

Im ersten Zyklus sind – wie im NFP-Regelwerk festgelegt – alle Tage vor dem nachweislich stattgefundenen Eisprung immer als komplett fruchtbar anzusehen. Auch das wird bei NEOME berücksichtigt und ploppt sogar nochmal als Hinweis auf.

Die Oberfläche für die tägliche Eingabe der Symptome ist übersichtlich und sehr intuitiv. Ich denke, damit sollte sich wirklich jeder zurechtfinden können. Was ich ganz besonders schön finde, sind zwei Besonderheiten, die mir wirklich sehr positiv aufgefallen sind. Zum einen gibt es auf der Eingabeoberfläche für die Basaltemperatur einen 3-Minuten-Timer!

3-Minuten-Mess-Timer

Wie ihr ja bestimmt alle wisst, muss zur Ermittlung der Basaltemperatur jeden Morgen drei Minuten gemessen werden. Manche benutzen dafür die iPhone-Stoppuhr bzw. den Countdown und andere versuchen es irgendwie auf gut Glück. Beides ist im Halbschlaf meist nicht so einfach. Bei NEOME ist der Timer direkt integriert und sobald die drei Minuten rum sind, vibriert es.

Messzeit manuell änderbar

Die Messzeit wird zum Zeitpunkt des Messens übernommen, kann allerdings manuell bearbeitet werden. Falls mal eine Eintragung im morgendlichen Stress vergessen wurde, kann man sie also problemlos am Nachmittag nachtragen und auch die Uhrzeit noch ändern. Bei einigen Apps lässt sich das leider nachträglich nicht mehr machen. Habe ich also um 7.30 Uhr gemessen, aber erst um 15.00 Uhr eingetragen, gehen andere Apps davon aus, dass erst nachmittags gemessen wurde.

Kleiner Nachteil

Was mir hier persönlich nicht so gut gefällt: Die Temperatur muss in zwei Eingabefelder eingetragen werden. Also die zwei Stellen vor dem Komma in das erste Feld, die zwei Stellen nach dem Komma in das zweite Feld. Das ging bei mir so im Halbschlaf morgens schon mal daneben, weil ich es einfach gewöhnt bin, diese Eingabe an einem Stück zu tippen, statt in zwei verschiedene Eingabefelder klicken zu müssen.

Eingabe Zervixschleim

Das zweite, was mir sehr positiv aufgefallen ist, war die Eingabeoberfläche für die tägliche Angabe des Zervixschleims. Bei den meisten regelkonformen Apps werden die verschiedenen Schleimzustände nur mit den gängigen Kürzeln benannt. Also „t, f, S, S+, (S), (S+) und Ø“. Genau damit haben die meisten Frauen aber ein Problem, weil sie nicht genau definieren können, welcher Buchstabe für welchen Zustand spricht. Das hat NEOME ganz clever gelöst, da unter jedem Buchstaben die verschiedenen Zustände beschrieben werden.

Beispielsweise bei „S“ die Erklärung „Dicklich / Weißlich / Trüb / Milchig / Cremig / Klumpig / Nicht ziehbar oder zäh / Klebrig“.

Das vereinfacht den Einstieg in die symptothermale Methode ungemein und verhindert Fehler bei der Interpretation.

Tagesansicht & Zykluskurve

An dieser Stelle gibt es jetzt sowohl positive als auch negative Punkte. Wobei ich natürlich immer dazu sagen muss, dass die negativen Punkte meine persönliche Meinung sind. Beginnen wir aber erst mal mit den positiven!

POSITIV

Auf der Tagesansicht inkl. der Kurve sieht man auf den ersten Blick sehr eindeutig, ob fruchtbar oder nicht fruchtbar. Zum einen, weil es einem oben links direkt ins Auge springt, und auch, weil es durch die verschiedenen Farben noch deutlicher gemacht wird. Sowohl oben in dem Button, der die Fruchtbarkeit anzeigt, als auch in der Kurve ist durch die Farbgebung alles schnell erkennbar.

Zusätzlich zu der Kurve und der Anzeige der Fruchtbarkeit sieht man weiter unten auch noch die Angaben, die man für diesen Tag getätigt hat und auch, ob man eventuell etwas vergessen hat.

NEGATIV

Die Kurve ist relativ klein. In der vertikalen Ansicht kann man die Temperatur nur bis Tag 15 problemlos einsehen. Scrollt bzw. wischt man nach links, um die weiteren Daten zu sehen, verschwindet leider auch die Grad-Angabe. Diese ist leider nicht statisch. Sprich, ab Tag 16 sehe ich zwar eine Kurve, aber keinen Temperaturwert mehr. Seit dem letzten Update kann man die Kurve zwar auch in der Horizontalen sehen, aber auch dann geht die Ansicht nur bis Tag 30. Ist der Zyklus länger und man ist wieder gezwungen, zu scrollen, verschwindet die Temperatur wieder.

Auswertung & Regeln

Was diesen Punkt betrifft, habe ich tatsächlich nichts zu meckern. Ich habe die APP über drei Zyklen getestet und über den kompletten Zeitraum war alles zu 100 % regelkonform. Angefangen beim ersten Zyklus, in dem – den Regeln entsprechend – die ersten 5 Tage als fruchtbar angesehen wurden, bis hin zu den folgenden beiden Zyklen, bei denen alle NFP-Regeln perfekt angewendet wurden. Die ersten 5 Tage waren unfruchtbar, die 1. höhere Messung wurde erkannt und angezeigt, somit auch der Eisprung korrekt bestimmt. Der unfruchtbare Zeitraum wurde erst nach regelkonformer Beendigung der Temperatur- und Zervixschleimbestimmung freigegeben.

 

Alle drei Zyklen waren somit korrekt und die Verhütung wäre sicher gewesen!

Apropos Regeln & Sicherheit…

Einen dicken fetten Pluspunkt gibt es noch für die allgegenwärtige Einbindung der Regeln und Infos zu den verschiedenen Symptomen. In absolut jeder Ansicht von NEOME gibt es einen „Ach so!“-Button. Tippt man auf diesen Button, wird einem entweder die jeweilige Info zur Angabe der Daten wie Zervixschleim oder aber die Temperatur angezeigt. Befindet man sich gerade in der Zykluskurve, öffnet sich mit dem „Ach so!“-Button das gesamte Regelwerk inkl. Beispielen.

Was mir an NEOME nicht gefallen hat…

Jede App hat ihre Vor- und Nachteile, und es ist absolute Geschmackssache, sofern der Algorithmus regelkonform ist. Über alles, was also über die Sicherheit und Zuverlässigkeit einer App hinaus geht, lässt sich streiten. 🙂 Die Punkte, die mir nicht gefallen haben, sagen also nichts über den Algorithmus oder die Sicherheit von NEOME aus.

Neben den Negativ-Punkten, die ich bisher schon genannt habe, gab es noch ein paar Dinge, die mir nicht so gut gefallen haben.

Exportfunktion

Aktuell gibt es noch keine Exportfunktion. Die Zyklen lassen sich also leider nicht exportiren und somit auch nicht drucken, um sie mit zum Arzt zu nehmen. Das finde ich sehr schade. An dieser Funktion wird aber laut Entwickler gerade gearbeitet und somit kommt sie hoffentlich bald.

Kalender & Zyklusübersicht

Mir persönlich fehlen auch verschiedene Anzeigemöglichkeiten für die Zyklen. Ich vermisse eine Kalenderansicht und auch einen Überblick der Zyklen auf einen Blick. Also eine Art Liste als Übersicht aller vergangenen Zyklen, die Informationen beinhaltet wie: Zyklus 1 war von/bis, dauerte 31 Tage und 1 hM war an Tag 16.

Preis & Abo

Ich bin einfach kein Freund von Apps mit Abo-Zahlungsmodellen. Es ist ein persönlicher Tick und sicherlich nur meine persönliche Meinung, aber ich binde mich nicht gerne vertraglich über eine bestimmte Zeit an Dinge. Natürlich gibt es Verträge, an denen kommt man nicht vorbei, wie z.B. Handy- oder Mietverträge, aber bei allem anderen bin ich gerne ungebunden.

Zumal ich finde, dass die kostenlose 30-Tage-Testphase gerade bei solchen Apps nicht ausreicht, um sich ein Bild zu machen. Wie ihr ja wisst, ist nicht jeder Zyklus gleich lang und gerade nach dem Absetzen der Pille häufig verlängert. Deshalb haben viele Frauen – ich inklusive – einen Zyklus, der länger andauert. 30 Tage wären mir also definitiv zu kurz, um die App wirklich beurteilen zu können.

Grundsätzlich sollte aber gesagt sein, dass es preislich für die gebotenen Funktionen absolut im Rahmen ist. Schließlich entwickelt sich so eine App nicht umsonst, und auch die Entwickler müssen bezahlt werden. Deshalb finde ich den Preis von knapp 30 € jährlich ok.

· Fazit ·

Ich kann sie absolut guten Gewissens empfehlen. Das allerwichtigste an einer solchen App ist die Sicherheit. Diese ist gegeben, wenn die Regeln gut vermittelt werden, die Eingabefunktionen leicht zu verstehen sind und der Algorithmus regelkonform ist. Genau das bietet NEOME definitiv!

NEOME hat durchaus einige Vorteile, die gerade für Anfänger wirklich unheimlich gut sind. Ich kenne keine andere App, bei der die Regeln so präsent und so gut erklärt sind. Für diese Zielgruppe – also NFP-Newbies – lohnt sich definitiv auch der Preis. Als alter NFP-Hase braucht man das vielleicht nicht alles und kann durchaus auch eine der anderen wirklich guten Apps nutzen, die günstiger oder sogar kostenfrei sind.

Über die Autorin dieses Artikels

Isabel ist die Gründerin von Generation Pille. Ziel der Seite und jedem einzelnen Beitrag ist es, Frauen zu helfen, ihren Körper besser zu verstehen, Symptome zu deuten und sowohl körperliche als auch hormonelle Zusammenhänge zu begreifen. Der Fokus ihrer Beiträge liegt hierbei ganz klar auf den Themengebieten Frauengesundheit, Hormone, hormonelle Beschwerden und natürliche Verhütung. Fragen oder Anregungen kannst du gerne persönlich per Mail an isabel@generation-pille.com schicken.